STIRB LANGSAM 4.0

Stirb langsam 4.0
Live Free or Die Hard | Großbritannien/USA | 2007
IMDb, OFDb, Schnittberichte

John McClane (Bruce Willis) wird des Nachts damit beauftragt, den jungen Hacker Matthew Farrell (Justin Long) zu verhaften, da der möglicherweise mit einem kürzlich verübten Angriff auf die Systeme des Pentagon in Zusammenhang steht. Doch schnell steht sich heraus, es ist der rücksichtslose Thomas Gabriel (Timothy Olyphant), der für den Angriff verantwortlich ist und der schon die nächsten IT-Schläge gegen die US-amerikanische Infrastruktur plant.

In zwölf Jahren verändert sich die Welt erheblich. Gerade heute. Und in zwölf Jahren verändert sich der Actionfilm noch viel mehr. Während sich John McClane 1995 in STIRB LANGSAM – JETZT ERST RECHT noch mit simplen Funksendern und Ähnlichem herumschlagen musste, steht er zwölf Jahre später der Digitalisierung gegenüber – die er als alternder Heroe kaum noch versteht. Dafür verstehen es die Autoren Mark Bomback und David Marconi, der auch schon Tony Scotts durchaus ähnlich gelagerten DER STAATSFEIND NR. 1 (1998) geschrieben hat, den alten Haudegen mit Humor und einem (bisweilen überdeutlichen) Augenzwinkern in diese neue Umgebung zu integrieren.

Gabriel: Detective, wenn Sie die Hand vor die Kamera halten, ist das Mikro trotzdem noch eingeschaltet.

Am interessantesten ist dabei die Fortentwicklung der Figur McClane. 1988 als zum Helden mutierender Jedermann gestartet, kehrte er 1990 und 1995 als jederzeit einsatzbereiter Actionheld auf die Kinoleinwand zurück. 2007 ist er zwar erneut der stereotype Actionheld, der in jede Ballerei mit einem Lächeln einsteigt, aber sein Unwissen bezüglich der aktuellen technischen Standards bringt wieder ein kleines bisschen der alten Unsicherheit zurück. Rollengerecht überspielt Bruce Willis diese Schwächen zwar mit bissigen Kommentaren, aber es bleibt eine gewisse Verunsicherung zurück; welche die Installation Justin Longs als jungen Begleiter Matt vollends rechtfertigt. Denn der gibt John – trotz einer Animosität – immer wieder ordentlich Kontra und übertrumpft den Helden teils gar mit seinem Fachwissen. Übrigens hätte die Unterhaltung der beiden Figuren über den Heldenstatus McClances gerne etwas tiefer ausfallen dürfen, da wird viel verschenkt.

Auf der anderen Seite gibt Timothy Olyphant einen gelungenen Antagonisten Thomas Gabriel, dessen Stärke im Digitalen liegt und der in seinem gepflegten Erscheinungsbild durchaus trefflich dargestellt ist. So ist er McClane aufgrund seiner Computerkompetenzen auch lange Zeit überlegen, erst beim realen Aufeinandertreffen werden seine Schwächen deutlich. Fehlende körperliche Stärke wird übrigens von Gabriels Freundin Mai Linh aufgewogen. Diese interessante, von Maggie Q gegeben starke Frauenfigur hätte durchaus etwas mehr Beachtung erfahren dürfen.

Matt: Hast du einen Plan?
John: Ja, wir holen Lucy daraus und legen alle anderen um.

Inszenatorisch konzentriert sich Regisseur Len Wiseman, der zuvor bei UNDERWORLD (2003) und UNDERWORLD: EVOLUTION (2006) Erfahrung gesammelt hatte, auf recht bodenständige Actionsequenzen, die überwiegend erstaunlich nachvollziehbar wirken. Nur wenn es in die Lüfte geht, bricht sich der Wahnwitz Bahn: so zählen die Zerstörung des Helikopters und vor allem der finale Kampf auf der F-35 zu den deutlichen Schwachstellen des Films, reproduzieren sie doch einfach die zeitgenössische Entwicklung des Actionkinos hin zu immer wilderen Eskapaden. Die Stärke von STIRB LANGSAM 4.0, welche ihn letztendlich zu einer gelungenen Fortführung der Reihe macht, ist es aber gerade, einen Vertreter des „klassischen“ Actionkino geschickt (da durchaus verletzbar) in die aktuellen Gegebenheiten des Genres einzubringen.

Len Wiseman lässt McClane in seinem vierten Auftritt immer wieder mit der technischen Entwicklung ringen, lässt ihn Schwächen und Unsicherheiten zeigen – und so (trotz aller Härte) wieder zu einem etwas nahbareren Helden werden. Das funktioniert und macht aus STRIB LANGSAM 4.0 eine gelungene Fortsetzung.

2 Antworten zu “STIRB LANGSAM 4.0

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