STAR WARS: DIE LETZTEN JEDI

Star Wars: Die letzten Jedi
Star Wars: The Last Jedi | USA | 2017
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Obwohl die Starkiller-Basis zerstört werden konnte, ist die Erste Ordnung weiterhin übermächtig und droht die letzten versprengten Truppen des Widerstands, darunter das Schiff von General Leia Organa (Carrie Fisher) zu vernichten. Um ein Überleben sicherzustellen, begibt sich Finn (John Boyega) zusammen mit der Technikerin Rose (Kelly Marie Tran) daran, ein Hyperraum-Peilungsgerät auf Snokes (Andy Serkis) Schiff abzuschalten, während Poe Dameron (Oscar Isaac) mit dem Oberkommando von Leia respektive deren Stellvertreterin Holdo (Laura Dern) ringt. Rey (Daisy Ridley) zu guter Letzt besucht den eremitisch lebenden Luke Skywalker (Mark Hamill), um ihn für den Widerstand zu gewinnen und sich selbst zur Jedi ausbilden zu lassen.

Man kann J.J. Abrams STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT (2015) zwar vorwerfen, dass er zu sehr eine Neuauflage von KRIEG DER STERNE (1977) ist oder dass der Fanservice ein wenig zu augenscheinlich ausfällt, man muss allerdings anerkennen, dass er es geschafft hat, den STAR WARS-Mythos im Jahr 2015 geschickt alteingesessenen Fans und auch jungen Neufanatikern zugänglich zu machen. Mögen zahlreiche vermeintlich fachkundige Cineasten dem Film auch diverse (begründete oder unbegründete) Vorhaltungen gemacht haben, ist dieser geglückte Balanceakt doch in hohem Maße anerkennenswert. Und spätestens als Gareth Edwards dann ein Jahr später mit ROGUE ONE: A STAR WARS STORY (2016) auch noch bravourös belegte, dass auch STAR WARS-Spin-Offs endlich ernstzunehmende und einfallsreiche Filme sein können, dürfte Rian Johnson gemerkt haben, dass er mit dem Posten des Regisseurs und des Autoren bei STAR WARS: DIE LETZTEN JEDI eine ordentliche Bürde auf sich genommen hat.

Poe: Wir sind der Funke, der das Feuer entfacht, dass die erste Ordnung vernichten wird.

Dem zweite Teil der neuen Trilogie fällt die aus DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (1980) bekannte Aufgabe zu, die Geschichte und die Figuren weiter auszudefinieren, um dem Abschluss den Weg zu bereiten, gleichzeitig aber selber spannend und eigenständig zu sein. Auch deshalb weisen die beiden Filme erneut eine gehörige Anzahl an Parallelen auf: Es gibt eine Jedi-Ausbildung auf einem abgelegenen Planeten, die Antagonisten pendeln zwischen Gut und Böse, erringen dann aber neue Kraft, ein Eisplanet ist Ort des Geschehens und über allem hängt eine düstere Grundstimmung, die den Rahmen für eine sich ständig verschlechternde Situation darstellt. Trotzdem gelingt es Rian Johnsons Drehbuch durchaus überzeugend, diese Parallelen nicht überdeutlich werden zu lassen, die Geschichte behält (fast) jederzeit ihre Eigenständigkeit, anders als noch 2015.

Was Johnson allerdings nicht gelingt, ist es, die Geschichte mit genügend STAR WARS-Flair und -Mechanik auszustatten. Dazu genügt es nämlich nicht, einfach bekannte Sprüche und Versatzstücke des Universums in den Film zu integrieren. Wenn Kylo Ren sich Rey mit der Aufforderung, mit ihm zusammen das Universum zu beherrschen, zuwendet, dann ist das einfach deplatziertes Zitieren, und Yoda nur dazu auftauchen zu lassen, um Luke die Zerstörung uralter Jedi-Reliquien abzunehmen, lässt die Hilfslosigkeit Johnsons mit dem Universum umzugehen, offenkundig werden. Auch dass Leia sich im Tode noch per Macht ins Schiff rettet oder Luke mal eben die Jedi-Projektion erfindet, zeugt nicht von viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Strukturen des Franchise. Zu erklären ist das teilweise damit, dass Johnson auch (oder vor allem?) neue/jüngere Kinogänger begeistern möchte; warum stützt sich dann aber Lukes Entscheidung, Rey doch zu unterweisen, auf ein 1977 zentrales Fragment einer Videonachricht? Der 13-Jährige im Kylo Ren-Shirt zuckt da wohl nur mit den Achseln.

Rose: Wir kämpfen nicht gegen das, was wir hassen, sondern für das, was wir lieben.

Abseits dieser Betrachtung muss man dem Film natürlich zugestehen, dass er als Blockbuster überwiegend gut funktioniert. Es gibt zahllose Raumschlachten zu sehen, die wirklich brillant designed und inszeniert sind, aber auch die Sets auf den diversen Planeten sehen klasse aus – auch wenn der Streifen nicht dafür gesorgt haben dürfte, die zerstörerischen Touristenströme auf der irischen Insel Skellig Michael, die sein Vorgänger auslöst, zu mindern. Die Setpieces im Finale oder auch auf Snokes Brücke sehen klasse aus und erweitern den Stil der Reihe sinnvoll und stimmig. John Williams Score ist erneut eine ansprechende Mischung aus bekannten Elemente und – teils genialen – Neukompositionen. Und trotz ihrer zweieinhalb Stunden Laufzeit ist die typisch-dreigliedrige Geschichte geschickt editiert, auch wenn Finns und Rose‘ Weg über den Casino-Planeten Canto Bight und auf Snokes Kreuzer etwas ziellos und beliebig wirkt.

Immerhin treffen die beiden dabei auf Benicio del Toro aus Wendehals DJ, der mehrfach für Irrungen und Wirrungen sorgt. Domhnall Gleeson war als General Hux zwar schon zwei Jahre zuvor mit von der Partie, darf jetzt aber als böser Comic Relief einige Lacher einstreichen und sich klasse mit Adam Driver ergänzen. Zeigte der sich nämlich 2015 als Kylo Ren noch irritierend inkonsistent, zeigt er dieses Mal eine tolle, nachvollziehbar zerrissene Leistung in der Rolle des Antagonisten. Gerade in der Auseinandersetzung mit Daisy Ridleys erneut toller Rey (die Szenen, in denen beiden über Zeit und Raum hinweg kommunizieren, wirken äußerst eindringlich) gewinnt diese Rolle deutlich. Oscar Isaacs Poe ist weiterhin cool (ohne allerdings Solo’sche Sphären zu erreichen), Carrie Fishers Leia erhaben und Laura Derns Holdo erfrischend unkonventionell. Und neben zahllosen Cameos dürfen natürlich auch Anthony Daniels und Frank Oz ihre Rollen wieder bekleiden – was es allerdings umso trauriger macht, dass ein STAR WARS-Filme das erste Mal ohne Kenny Baker auskommen muss, der 2016 verstarb.

Rey: Ich brauche jemanden, der mir meinen Platz in all dem zeigt.

Letztlich ist die große Diversität der Rezeption des Films so auch einfach erklärbar: Während der Streifen den gemeinen Kinogänger sowie zahllose jüngere STAR WARS-Fans (zu Recht?) überwiegend begeistert, verschreckt er zahlreiche ältere Anhänger mit teils irritierenden inhaltlichen Entscheidungen. Daran dürfte auch STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT nicht ganz unschuldig sein, baute dieser Film doch die Erwartungen an umfangreichen Fanservice ordentlich mit auf. Allein Johnsons Entscheidung ist es allerdings, dem Film eine große Portion Humor mit auf den Weg zu geben. Und während das bei einem Bügeleisen durchaus einen Schmunzler zu erzeugen vermag, so wirkt ein Telefonscherz bei einem Angriff auf einen Sternenzerstörer doch äußerst unpassend. Und wenn Bruder und Schwester bei ihrem Wiedertreffen nach ewiger Zeit, zugleich gefangen in einer Situation größter Bedrohung, zunächst mal einen Scherz über Frisuren reißen, dann ist das weder lustig, noch guter Fanservice; dann ist das einfach ein enorm unpassend.

In seinem (durchaus gelungenen) Versuch, einen großen AAA-Blockbuster zu erschaffen, geht Rian Johnson leider das Gespür für das Universum, in dem er sich bewegt, ab. Und während der eine sich dann von grandioser Action und tollen Setpieces unterhalten fühlt, ist der andere von den andauernden Unstimmig- und Unsinnigkeiten innerhalb der STAR WARS-Welt entsetzt. Ein paar (unpassende) Gags und wahllose Zitate stellen eben noch keine originelle Bezugnahme auf die Gesetzmäßigkeiten der Filmreihe dar. Eher das Gegenteil ist der Fall.

2 Antworten zu “STAR WARS: DIE LETZTEN JEDI

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