STIRB LANGSAM – JETZT ERST RECHT

Stirb langsam – Jetzt erst recht
Die Hard with a Vengeance | USA | 1995
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ein Bombenanschlag erschüttert New York. Der Täter Simon (Jeremy Irons), der sich kurz danach bei der Polizei meldet, fordert Inspektor Cobb (Larry Bryggman) dazu auf, den suspendierten John McClane (Bruce Willis) herbeizuholen. Fortan nötigt Simon McClane und dessen unfreiwilligen Helfer Zeus Carver (Samuel L. Jackson) zu allerlei grausamen Spielen, während er im Hintergrund an einem ganz anderen Plan arbeitet.

Nachdem für STIRB LANGSAM 2 (1990) Renny Harlin die Regie übernommen hatte, kehrte für den dritten Teil John McTiernan, Schöpfer des Serienstarts STIRB LANGSAM (1988), zurück an diese Position. Und diese war nach dem epochemachenden Konzept von 1988 und der formvollendeten Ausformung von Action aus dem Jahre 1990 durchaus einem gewissen Druck ausgesetzt. Ein Film rund um John McClane konnte eben nicht als durchschnittlicher Actioner angelegt werden; nein, er musste neue Ideen, neue Konzepte oder zumindest neue Maßstäbe zu bieten haben. Nach einem Skript von Jonathan Hensleigh gelingt es McTiernan zwar nicht, all diese Anforderungen zu erfüllen, aber doch immerhin einige.

Junge: Da steht ein weißer Mann auf der Straße.
Zeus: Ich hab schon mal einen gesehen.
Junge: Aber so einen noch nicht …

So stellt sich die Entscheidung, sich vollends vom begrenzten Handlungsort zu verabschieden und stattdessen ganz Manhattan zum Spielplatz zu machen, als goldrichtig heraus. Um genau zu sein, war eigentlich schon der Dullus Airport aus Teil Zwei kaum noch ein wirklich begrenzter Raum – zumindest nicht im Sinne der klaustrophobischen Enge des Nakatomi Plaza. Das Zentrum New Yorks bietet folglich viel Raum für Action und Radau, was McTiernan nicht nur zu nutzen, sondern auch grandios zu inszenieren weiß. Die erste Stunde des Films vergräbt sich gerade zu den Schluchten der Stadt und bietet eine beeindruckend lebendige Ansicht nach der nächsten. Das Ganze geht soweit, dass Peter Menzies Jr. den Wagen der beiden Helden mit der Kamera gar mehrmals im urbanen Dickicht zu suchen scheint. Inklusive der Tausenden Statisten und Helfer entsteht so ein ungemein authentisches Bild des Big Apple.

Auch die Figur John McClane funktioniert weiterhin prächtig und wird noch weiter in Richtung persönlichem Absturz ausformuliert. Keine Holly mehr, kein Job und keine Kinder. Stattdessen Alkohol, Kippen, Schweiß und noch mehr an beißendem Zynismus. Anstelle eines fernen Helfers gibt es mit Samuel L. Jackson als Zeus nun quasi einen Buddy und nicht selten erinnern die flotten verbalen Schlagabtausche auch an die frühen Buddy-Movie-Komödien dieser Tage. Jeremy Irons gibt einen toll getroffenen Simon Krieg/Gruber, der – zumindest in der ersten Hälfte – einiges an Verwirrung stiftet und Larry Bryggman hasst McClane in der Rolle des Inspektor Cobb fast ebenso sehr wie der Antagonist. Leider ist mit diesem aber auch eine der auffälligen Schwächen des Films verbunden.

John: Ich weiß, was ich tue.
Zeus: Nicht mal Gott weiß genau, was Du tust.

Nicht nur, dass Simon de facto den gleichen Plan verfolgt, wie sein Bruder Hans/Jack Jahre zuvor (Diebstahl unter Vorschützung terroristischer Ziele), er hat für sein Vorhaben auch eine ganz und gar langweilige Flucht geplant. Das ist aus Sicht seiner Figur natürlich zu verstehen, aus der Meta-Sicht des Rezipienten ist dies jedoch höchst ärgerlich; denn so muss man Gruber, McClane und Konsorten rund eine Stunde dabei zugucken, wie sie von Manhattan bis in die Außenbereiche New Yorks tuckern ohne das inhaltlich noch etwas passiert. Quasi folgerichtig wird der Film indes immer langweiliger, bis das inspirationslose Finale einen dann endlich erlöst. Vom instantclassic-Beginn, bei dem Summer in the City von einem explodierenden Kaufhaus beendet wird, über die wirklich spannungs- und unterhaltsstarke erste Stunde baut der Streifen also immer und immer weiter ab.
Allerdings bleibt STIRB LANGSAM – JETZT ERST RECHT immer noch ein sehr starker Actionfilm, sodass hier nicht mit einem Negativum geendet werden soll. Stattdessen sei die (serientypisch) variationsreiche Verwendung eines musikalischen Themas (dieses Mal When Johnny Comes Marching Home) erwähnt sowie der Umstand, dass beim Gallonen-Rätsel eigentlich nur eine kurze Sequenz fehlt, die das Ganze deutlich einleuchtender gemacht hätte – sodass nicht tausende Kinogäste hätten denken müssen: „Häh, wieso sind da jetzt noch zwei Gallonen drein?“

Während die erste Filmhälfte eine atemlose und ideenreiche Hatz durch Manhattan darstellt, verliert die zweite diesen Schwung zusehends und endet in einem erstaunlich blassen Finale. Daran, dass McClanes dritter Auftritt gut unterhalt, ändert aber selbst das nichts.

3 Antworten zu “STIRB LANGSAM – JETZT ERST RECHT

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