CLUB LAS PIRANJAS

Club Las Piranjas
Club Las Piranjas | Deutschland | 1995
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Urlaub, die schönste Zeit des Jahres! Dafür sorgt Reiseleiter Edwin (Hape Kerkeling) mit seiner Kollegin Biggi (Angelika Milster), kümmern sie sich doch um das Wohl der Gäste in einer abgelegenen Ferienanlage irgendwo in einem nicht näher bestimmten Land des Südens. Doch die unter der Ägide von Clubleiterin Dr. Renate Wenger (Judy Winter) stehende Anlage entpuppt sich für die neue Schar an unterschiedlichsten Touristen schnell als Falle ohne Ausweg.

Happe Kerkeling hatte mit KEIN PARDON (1993) einen Hit an den Kinokassen gelandet, traf die satirische Konzeption des Films doch voll und ganz den Geschmack seiner Fans. Doch die seinerzeit durchaus kritische Begleitung des Films seitens der Medien ließ es riskant erscheinen, einen weiteren Kinofilm auf den Weg zu bringen. Also entschloss sich Kerkeling in Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk und der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft einen Fernsehfilm umzusetzen, dessen finanzielle Risiken bekanntlich deutlich überschaubarer sind. Gleichzeitig übergab er den Regieposten an den damals gerade im Business fußfassenden Ulli Baumann, der dem deutschen TV-Publikum später als Regisseur der erfolgreichen Serienformate DIE CAMPER und RITAS WELT ein Begriff werden sollte.
Die Hoheit über die Drehbucharbeit behielt der Komiker aber – zusammen mit Doris J. Heinze – bei sich, sollte doch auch CLUB LAS PIRANJAS erneut eine bitterböse Satire werden, deren Grundlage der sich seit einigen Jahrzehnten immer stärker ausbreitende Massentourismus bilden sollte. Das Bild einer Pauschalreise, das hier gezeichnet wird, ist dabei ebenso übertreiben wie realitätsnah. Erscheint der Club Las Piranjas in der Gesamtbetrachtung noch völlig überzeichnet, dürften fast jedem Hoteltouristen in seinem Leben einzelne der Unannehmlichkeiten, Skurrilitäten oder Frechheiten tatsächlich schon passiert sein. Die verordnete Fröhlichkeit von geradezu psychotisch wirkenden Reiseleitern erscheint dabei geradezu glaubwürdig-bodenständig.

Hildegard: Boah, dat darf doch wohl nicht wahr sein …
Karl-Heinz: Genieß es, Puschel, das ist unser Urlaub.

Aber genau diese beiden von Kerkeling und Milster gegebenen Figuren, die ständig zwischen tiefster Überzeugung und Abscheu vor sich selbst schwanken, sind es, die den Film hinter der mit fröhlicher Klimpermusik und stimmigen, in einer ägyptischen Hotelanlage entstandenen, Aufnahmen erzeugten Komödienoptik eigentlich einem anderen Genre zuordnen: dem Horrorfilm. Die Touristen sind diversen Schikanen und Unannehmlichkeiten ausgesetzt, ohne sich gegen diese wehren zu können. Eine Flucht ist nicht möglich, das Telefonieren wird untersagt. Schließlich müssen sich unterschiedliche Charaktere zusammenfinden, um einen Fluchtplan zu schmieden. Willkommen im touristischen Backwood! Diese zweite Ebene greift spätestens ab der Filmmitte und sorgt geschickt dafür, dass die bis dato durchweg gut zündenden Gags sich nicht irgendwann totlaufen.
Und so ist es nicht nur lustig, sondern auch spannend, den unterschiedlichen Figuren zuzusehen. Michael Brandner und Katharina Schubert, die als Durchschnittspärchen unter den Avancen des Personals zu leiden haben, Dorothea Walda als erwartungsfrohe Alleinreisende, Horst Krause als Kurt oder natürlich Dorothea Walda als zunächst gutgläubige und letztlich rebellische Herta bilden den Kern der zwar wenig sympathischen dafür aber irgendwie glaubwürdigen Truppe; und genau diese Eigenschaft unterstreicht noch einmal, warum CLUB LAS PIRANJAS eine so gelungene Satire darstellt: der Film ist in sich völlig übertrieben und abstrus, jedes Element ist für sich genommen aber völlig glaubwürdig. Erschreckend.

Ebenso pointierte wie erschreckende Satire des Pauschaltourismus, die mit ihrer subtilen Backwood-Horror-Ebene zusätzlichen punkten kann.

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