GINA WILDKATZE

Gina Wildkatze
Gina Wildkatze | Deutschland | 1974
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Gina (Gina Arnold) ist Leiterin eines Nachtclubs in Freiburg. Als sie sich eines Tages Hals über Kopf in einen Geschäftsmann verliebt, scheint ihre Welt vollends in Ordnung zu sein, doch ein Autounfall unterbricht das junge Glück jäh. Auch dass Stammgast Klaus (Christer Bladin) in einen Bankraub verwickelt ist, der von Ginas Club aus durchgeführt wird, lässt die Sorgenfalten tiefer werden.

Die 1940 geborene Gina Arnold war viele Jahre lang die Inhaberin des am besten laufenden Nachtclubs in Freiburg. Die Prominenz der Stadt kehrte bei ihr ein und ihr (Sex-freier) Playboy-Club wurde in den 60er und 70er Jahren zu einem legeren Treffpunkt im Schwarzwald. Gina Arnold genoss den Ruf, eine tüchtige und seriöse Geschäftsfrau zu sein, jegliche Anrüchigkeit ging ihr ab. Mitte der 70er Jahre fasste sie dann den Entschluss, sich einen großen Traum zu verwirklichen: sie wollte ihren eigenen Spielfilm produzieren und drehen. Also verfasste sie auch gleich selbst das Drehbuch und besetzt obendrein die Hauptrolle Ihrerselbst. Da die eigens gegründete Gina Arnold Produktion natürlich nur über sehr begrenzte Mittel verfügte, wurde der eigene Nachtclub zum Set und die Berge des Schwarzwaldes wurden zum Hintergrund.
Und insbesondere letztere bekommen die Zuschauenden dann auch ausführlich vorgeführt. Die Turteleien zwischen Gina und ihrem Liebling finden in ausgedehnten Sequenzen im Ländlichen statt, welches das Pärchen mit einem Benz durchkreuzt und immer wieder stoppt, um sich süße Sachen zuzusäußeln. Dabei irritiert es bereits nach kurzer Zeit, dass nach dem freizügigen Vorspann, in welchem Gina zu Christer Bladins wahnsinnigem Score durch die Pampa marschiert, keinerlei Körperlichkeit mehr zu begutachten ist. Es gibt keine nackten Tatsachen, selbst die Nachtclubszenen verlegen sich ausschließlich aufs Quatschen und Trinken. Gina Arnold inszeniert hier einen beinharten Heimat- und Liebesfilm, dessen schlüpfriger Titel deutlich mehr verspricht als der Film dann einzulösen vermag. Diese falsche Konstruktion von Erwartungen ist wohl auch einer der Hauptgründe dafür, dass der immerhin rund 750.000 D-Mark teure Film nach seiner Premiere nie wieder zur Aufführung gebracht wurde.

Typ: Ich wollte von dir kein Mitleid, ich wollte einzig und allein dein Liebe, Gina – und das für immer!

Neben den krampfhaft romantischen Liebesszenen inklusive skurril konstruierten Rückblenden baut Arnold dann auch eine Kriminalgeschichte in ihren Film ein. Diese sorgt vor allem im letzten Drittel für einiges an Schwung, auch da die Hauptdarstellerin selbst zu diesem Zeitpunkt bereits per Flugzeug auf dem Weg in Schweiz ist und zwischenzeitlich schon den Fallschirm aufschnallt. Ebenfalls spaßig kommen die diversen Laiendarstellerinnen und Laiendarsteller daher, die samt und sämtlich aus dem sozialen Umfeld Arnolds stammen. Mitarbeiter und Kunden, Freunde und Bekannte geben sich die Klinke in die Hand und verpassen dem Film einen angenehm realistischen Eindruck; auch wenn es an schauspielerischem Können freilich etwas mangelt. Zusammen mit der nüchternen Kameramannarbeit des Dokumentarfilmers Peter Baudendistel entsteht so ein recht eigenwilliger aber doch funktionaler Stil.
Ein Erfolg sollte GINA WILDKATZE wie erwähnt nicht vergönnt sein, dafür bot der Film schlicht zu wenig Skandalöses. Für einen romantischen Heimatfilm kam er aber rund 20 Jahre zu spät – und als Mädel vom Land taugte die auch manchmal per Salto in einen Pool springende Gina auch wieder nicht. So bleibt der Streifen ein skurriles Relikt aus Zeiten, in denen ein Nachtclub einem noch Ansehen und Renommee einbringen und man jeden noch so vorschnellen Nonsens auf Zelluloid bannen konnte – aus tollen Zeiten also.

Ein Film der gänzlich an der erzeugten Erwartungshaltung vorbeirauscht und der statt schlüpfriger Erotik einfach etwas Heimat- und Kriminalfilm anbietet. Durch seine eigene Entstehungs- und Gina Arnolds Lebensgeschichte wird dieser inhaltliche belanglose Streifen aber trotzdem zu einem einzigartigen Zeitzeugnis.

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