DEATH WISH V – THE FACE OF DEATH

Death Wish V – The Face of Death
Death Wish 5 – The Face of Death | USA | 1994
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als die Modedesignerin Olivia Regent (Lesley-Anne Down) von ihrem skrupellosen Ex Tommy O‘Shea (Michael Parks) bedrängt wird, ist es mal wieder an Paul Kersey (Charles Bronson) für Ordnung zu sorgen. Mit seinem Kumpel, Staatsanwalt Brian Holye (Saul Rubinek), im Rücken macht sich Paul daran, die Handlager O’Sheas zu meucheln und sich so dem Fiesling zu nähern.

Nach DAS WEIßE IM AUGE (1987), dem vierten Teil der DEATH WISH-Reihe, sollte es für lange Zeit leise um die finanziell sehr erfolgreiche Filmreihe mit dem rächenden Opa Bronson werden. Doch da Franchises wie STIRB LANGSAM oder LETHAL WEAPON zeigten, dass Actionkino auch in den 90er Jahren noch Anklang beim Publikum finden konnte, reanimierten die Produzenten Menahem Golan und Damian Lee Charles Bronson 1994 ein letztes Mal, um die finale Schlacht des Paul Kersey zu inszenieren. Auf den Regiestuhl wurde Allan A. Goldstein gesetzt, der sich zuvor bei COLD FRONT – EIN KILLER LÄUFT AMOK (1989) und RAW DEAL (1990) bereits an Großstadt-Thriller-Stoffen versucht hatte. Denn da J. Lee Thompson der Reihe 1987 im Gegensatz zu Michael Winners beiden Fortsetzungen wieder etwas mehr Thriller-Geist eingehaucht hatte, sollte diese Ausrichtung augenscheinlich beibehalten werden.

Chuck: Machen Waffen Sie nervös?
Paul:
Nein, eigentlich nicht. Nur wenn Idioten sie benutzen, macht es mich nervös.

Beibehalten wurde freilich auch Herr Bronson, der die Rolle des Paul K. auch im Spätherbst seiner Karriere noch problemlos runterspielt; Oneliner und ausdruckslose Mine kann er halt immer. Lesley-Anne Down darf dieses Mal als neue Liebschaft herhalten, während der renommierte Michael Parks einen ungemein ungehaltenen Antagonisten Tommy O’Shea gibt. Leider wirkt diese Zügellosigkeit überaus aufgesetzt, sodass die Auftritte des Oberbösewichts eher zu Klamauk verkommen; gleiches gilt im Übrigen für Chuck Shamata als Sal und vor allem Kevin Lund als Chuck, der mehr Parodie als ernsthafter Charakter ist. Immerhin weiß Robert Joy, Jahre später cooler Sidekick Charlie in LAND OF THE DEAD (2005) zu sehen, als schuppengeplagter Killer Flakes zu überzeugen, während Saul Rubinek einen ordentlichen Staatsanwalt mimt.

Die Storyline um fiese Geldeintreiber, die selbst vor der Modebranche nicht Halt machen, plätschert leidlich vor sich hin und tut dabei grundsätzlich nichts falsches – aber auch nicht allzu viel richtiges. Goldstein hinkt spürbar hinter Thompsons versierter Inszenierung her und schafft es kaum, mehr als solides TV-Niveau zu erreichen. Daran trägt allerdings auch die arg stereotype Rollenverteilung Schuld (die Bösen lassen keine Diskriminierungsform aus), sowie der Umstand, dass der fünfte gleichförmige Rachefeldzug eines mittlerweile 73-Jährigen 1994 einfach irgendwie aus der Zeit gefallen wirkt. Was in den frühen 80ern noch nach dem Aufbegehren der Ungehörten klang (auch wenn es das sicherlich nie war), wirkt Mitte der 90er Jahre eben eher altbacken.

Dawn: Bist du sicher, dass du keinen Wein willst?
Freddy: Nein, ich trink ein Glas Milch, um mich zu beruhigen.
Dawn: Nein, Milch ist schlecht für deine Schuppen!

Das versucht der Streifen dann aber durch eine große Anzahl an Brutalitäten wieder auszugleichen. Während es sich dabei anfangs noch um zwar explizite, aber eben doch konventionelle Gewaltdarstellungen wie Einschüsse oder Schlägereien handelt, kommt dann irgendwann eine Säge zum Einsatz, die den Riegen an Absurditäten eröffnet. Da werden Gesichter in Spiegel gerammt (dieser Film ist der einzige der Reihe, bei der es zu keiner Vergewaltigung einer Paul nahestehenden Frau kommt), Cannelloni führen zum Erstickungstod, Menschen werden in Folie verpackt oder per überdimensionalem Bügeleisen geglättet. Eine ferngesteuerte Fußballbombe rundet dieses durchaus unterhaltsame Gadget-Paket ab, obwohl diese Dreigaben den Film natürlich bei weitem nicht aus dem grauen Mittelmaß erheben können, in dem er sich zweifelsfrei befindet. So erhielt der gute Herr Bronson dann auch nie einen Anruf, obwohl er am Ende mit den Worten „Falls Sie mal Hilfe brauchen, rufen Sie mich an“ in die Ferne entschwindet – ist wohl auch besser so.

Müder und formelhafter fünfter Aufguss, der nur aufgrund seiner einfallsreichen bis absurden Gewaltspitzen auffällt; alles andere ist grauestes Grau.

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2 Antworten zu “DEATH WISH V – THE FACE OF DEATH

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