KUNG-FU – IM TROMMELFEUER SEINER FÄUSTE

Kung-Fu – Im Trommelfeuer seiner Fäuste
Cosa Nostra Asia | Philippinen | 1974
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Zwischen den USA und Hongkong herrscht ein krieg, ein Drogenkrieg. Die verschiedenen Kartelle bekriegen sich bis aufs Blut und inmitten des Desasters versucht der Ermittler Chris Bellinger (Christopher Mitchum), Herr der Lage zu werden. Als der Boss des amerikanischen Mafia dann seine rechte Hand Angellini (Michael Kaye) entsendet, ist Chris auf die Hilfe seiner Freunde, des verdeckten Ermittlers Tony Dee (Tony Ferrer) und des Kung-Fu-Meisters Dick Chen (Dick Chan), angewiesen.

Der auf den Philippinen geborene Bobby A. Suarez begann seine Karriere als Hausmeister respektive Laufbursche für einen philippinischen Filmverleih. Nach diesem ersten Schritt in Richtung Filmwesen traf er zufällig auf den spanischen Regisseur Antonio Isasi-Isasmendi, der mit Filmen wie UNSER MANN AUS ISTANBUL (1965) oder AN EINEM FREITAG IN LAS VEGAS (1968) durchaus Können bewiesen hatte. Suarez schaute sich kurzerhand ein paar Handgriffe ab und fühlte sich sodann berufen, eigene Filme zu produzieren. Da aber die Regie nun mal die Krone dieses Schaffens darstellt, sollte es nicht lange dauern, bis sich Bobby auch dazu berufen fühlte und 1974 mit einem selbstformulierten Drehbuch und unter eigener Produktionsleitung nach Hongkong reiste, um dort seinen ersten Streifen zu inszenieren.

Haushälterin: Bitte setzen Sie sich. Was würden Sie gerne trinken?
Toni: Hm, irgendwas!

Dem Zeitgeist und dem aktuellen Erfolg der Hongkong-Filmer von Golden Harvest oder den Shaw Brothers entsprechend handelt es sich bei seinem Debüt natürlich um einen Kung-Fu-Film, den Suarez mit einigen Mafia- und Gangster-Klischees anreicherte. Die Geschichte fällt dabei allerdings etwas wirr aus, sodass die Strukturen der „Organisation“ und die Hintergründe der einzelnen Figuren selbst für achtsame Zuschauer so manchen gedanklichen Fallstrick bereithalten. Das macht aber nichts, da der grundsätzliche Spannungsbogen ohnehin nur darauf abzielt, in regelmäßigen Abständen körperliche Auseinandersetzungen herbeizuführen.

Diese fallen überwiegend unterhaltsam aus, auch wenn die Choreographien zu keinem Zeitpunkt den Genredurchschnitt verlassen. Selbstverständlich ist nahezu jeder auftretende Charaktere einer Kampfsportart mächtig, sodass sich quasi jeder mal mit jedem kloppen kann. Den Höhepunkt stellt dann – neben dem überaus schwungvollen Finale auf einem Schiffsfriedhof – sicherlich der Kampf zwischen Chris und Toni dar, bei dem sich die beiden ernsthaft vier Stunden lang bekämpfen, um dann zu dem Schluss zu gelangen, dass nur ein Kampf mit Schild und Schwert in völliger Dunkelheit den Sieger ermitteln kann. Anstelle eines Siegers findet sich in dieser Auseinandersetzung aber dann ein Hinweis darauf, dass die beiden Kontrahenten eigentlich Freunde sind, was sie letztlich in Freundschaft und Erschöpfung zu Boden sinken lässt.

Chow: Jetzt kämpfen sie schon seit vier Stunden; wollen wir nicht hineingehen und nachsehen?
Dick: Wir wollen ihre Begrüßung nicht stören.

Derartige komödiantische Exkurse gönnt sich Suarez an mehreren Stellen im Film, was durchaus für Kurzweil sorgt. Aber auch ohne Klamauk schafft es der Streifen, seinen Zuschauenden ständig unterhaltsame Schauwerte entgegen zu schleudern. Die Nachtaufnahmen von Hongkong und seinen Nachtclubs geraten schmissig, die Musik von Ruben Schimano fetzt und die Kamera findet immer wieder ein paar originelle Winkel. Kein Wunder, dass Bobby A. Suarez diesem Konzept in den nächsten Jahren treu bleiben und Werke wie SUPERBOY – STÄRKER ALS 1000 SONNEN (1977), SUPERBOY II – DER BLITZ AUS DEM ALL (1978) oder CLEOPATRA WONG – DIE UNÜBERWINDLICHE (1978) schaffen sollte.

Keine Frage, der Film ist simpel produziert, wenig durchdacht und auf den schnellen Erfolg hin ausgerichtet; all das aber im besten Sinne und somit überaus unterhaltsam.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s