DER KLEINE CAESAR

Der kleine Caesar
Little Caesar | USA | 1931
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Kleinstadtgangster Caesar Enrico Bandello (Edward G. Robinson) und Joe Massara (Douglas Fairbanks Jr.) sind sich sicher: Nur in der östlichen Großstadt können sie es mit ihren kriminellen Machenschaften wirklich zu etwas bringen. Dort angekommen schließen sie sich der Bande Sam Vettoris (Stanley Fields) an, doch Joe erkennt schnell, dass er sich anstelle eines Lebens als Mobster eher die Liebe und Zuneigung seiner Tanzpartnerin (Olga Stassoff) Glenda Farrell wünscht.

1929 wurde der US-amerikanische Gangster-Boss Al Capone das erste Mal ins Kittchen gesteckt. Doch er führte seine Geschäfte aus dem Gefängnis heraus weiter und stand so – auch aufgrund seines bekanntermaßen offensiven Umgangs mit den Medien – nach wie vor im Lichte der Öffentlichkeit. Und noch bevor Capone im Sommer 1931 ernsthafter mit der Justiz aneinandergeriet, erkannte man im Hause Warner Brothers das Potenzial dieses Herrn als Leinwandheld. Da erwies es sich als äußerst praktisch, dass der Autor William Riley Burnett im Jahr 1929 seinen Debütroman Der kleine Cäsar veröffentlicht hatte, der überdeutlich von dem berühmten Gangster inspiriert war und der von Francis Edward Faragoh, der kurz darauf auch James Whales FRANKENSTEIN (1931) schreiben sollte, nun für die Leinwand aufbereitet wurde. Die Regie gab man an Mervyn LeRoy, für den DER KLEINE CAESAR zum Startschuss einer großen Karriere werden sollte.

Arnie: Deine Schnauze ist zu groß für deine Schuhnummer!

Größter Coup der Produktion ist sicherlich die Besetzung des aus Rumänien stammenden Schauspielers Edward G. Robinson, der mit der Figur des Caesar Enrico Bandello die Blaupause für alle weiteren Leinwand-Mobster schuf. Robinson spielt den rücksicht- und ruchlosen Emporkömmling ebenso eindringlich wie pointiert und reißt den Film so gänzlich an sich. Daneben weiß auch Douglas Fairbanks Jr. als Kumpane Joa Massara zu unterhalten, gerade weil sich seine Figur als diejenige mit der größten inhaltlichen Breite erweist. Abseits dieser Herren offenbaren leider einige Mimen überdeutlich, dass die Tonfilmära gerade erst begonnen hatte und overacten nach Herzenslust vor sich hin. Thomas E. Jackson als Sergeant Flaherty oder Stanley Fields als Vettori dachten augenscheinlich, sie stünden auf einer Theaterbühne, sodass ihre Performances völlig überzeichnet ausfallen.

Das ist aber in Anbetracht des unterhaltsamen Aufstiegs Bandellos zu verkraften. Dieser bahnt sich brutal seinen Weg an die Spitze der Unterwelt; in der Zeit der Weltwirtschaftskrise eine verlockende Aussicht für viele Kinogänger. Hier schafft sich einer seinen eigenen Weg nach oben, ohne Rücksicht. Sein unausweichlicher Absturz kann folglich nur durch einen Fehler ausgelöst werden: Mitgefühl. Ab dem Zeitpunkt, als Bandello gegenüber Joe Mittgefühl beweist, ist sein Ende absehbar. Die – von Autor Burnett im Nachhinein bemängelte – vermeintliche homosexuelle Konnotation des Mobsters ist dabei weniger wichtig als die vermittelte Botschaft: nicht die Maßlosigkeit späterer Unterweltbosse ist es, die Caesar zu Fall bringt, sondern der Unwillen, seinen einzigen echten Freund umzubringen. Bitter.

Caesar: Tanzen, Weiber. Was bringt das schon ein?

Leider fällt die Umsetzung dieser Geschichte dann bisweilen zwiespältig aus. Während die durchaus zahlreichen Straßenaufnahmen in hübschen Sets stattfinden, die mit meist herrschender Düsterheit einen tollen Eindruck einer US-Großstadt in den frühen 30er Jahren liefern, werden die Innenszenen überaus statisch eingefangen. Die Kamera kennt keinerlei Bewegung, eine mit zahlreichen Blenden versehene Überfall-Montage wird so schnell mal zum herausragenden optischen Ereignis. Die schöne und aussagekräftige Finalszene hebt sich davon zwar noch einmal deutlich ab, ändert am durchwachsenen Gesamteindruck aber auch nichts mehr.
Das ist aber auch gar nicht schlimm, denn DER KLEINE CAESAR wurde auch so zu einem riesigen Kinoerfolg. Die Geschichte lockte die Massen in die Kinos und Robinsons Darstellung sollte fortan die Blaupause für Gangsterbosse auf Leinwänden darstellen. Kurze Zeit später legte Warner Brothers folglich mit William A. Wellmans DER ÖFFENTLICHE FEIND (1931) nach, bevor United Artists dann von Howard Hawks und Richard Rosson NARBENGESICHT (1932) drehen ließ. LeRoys Film kommt somit die ehrenhafte Position zu, das Thema Gangster im Kino als erster in die heute gängige Form gegossen zu haben.

Unumwundener Grundstein des Gangster-Films, der vor allem dank der großartigen Performance von Edward G. Robinson auch heute noch größte Relevanz besitzt.

Advertisements

Eine Antwort zu “DER KLEINE CAESAR

  1. Pingback: DER PATE VON HARLEM | SPLATTERTRASH·

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s