BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM

Batman hält die Welt in Atem
Batman: The Movie | USA | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die Supergangster Catwoman (Lee Meriwether), Joker (Cesar Romero), Pinguin (Burgess Meredith) und Riddler (Frank Gorshin) haben sich zusammengetan, um die Oberhäupter der Erde zu dehydrieren und deren pulverförmige Überbleibsel als Geiseln einzusetzen. Da ist es nun an Batman (Adam West) und seinem Gehilfen Robin (Burt Ward), Ordnung und Sicherheit in Gotham City wiederherzustellen.

Bei ihrem ersten Auftritt in der 27. Ausgabe des Comic-Magazins Detective Comics war die Figur Batman noch ein recht düsterer Rächer, auch wenn die Geschichten, die sie erlebte, bereits einen gewissen Hang zur Übertreibung offenbarten. Auch die Kino-Serials BATMAN UND ROBIN (1943) und BATMAN AND ROBIN (1949) änderten daran nichts und stellten den dunklen Ritter als recht ernsten Verbrechensbekämpfer dar. In der Folge fanden die neuen Abenteuer der Fledermaus dann wieder in Form bunter Tinte auf Papier den Weg zu den Fans, bis der Produzent William Dozier Mitte der 60er Jahre auf die Idee kam, den Maskierten wieder auf Film festzuhalten. Bei 20th Century Fox, den designierten Geldgebern des Vorhabens, war man jedoch nicht vom möglichen Erfolg eines Jahrzehnte alten, sich als nachtaktives Flugwesen verkleidenden Schurkenjägers überzeugt und versagte Dozier folglich das Geld für einen Spielfilm. Immerhin finanzierte man die 34 Folgen der ersten TV-Staffel, deren ebenso unerwarteter wie riesiger Erfolg die Herren bei Fox ihren Irrtum dann schnell erkennen und sie ein Budget von rund 1,4 Millionen US-Dollar für einen Spielfilm freigeben ließ.

Robin: Wow, schnell, wir nehmen ein Taxi!
Batman: Nein, Robin, nicht um diese Tageszeit. Gott sei Dank sind wir tiptop in Form, wir kommen schneller voran, wenn wir laufen.

Und natürlich bleib die Verfilmung dem Stil der Serie gänzlich treu, war es doch mehr als augenscheinlich, dass die von Dozier ersonnene Neuausrichtung des klassischen BATMAN-Themas hauptverantwortlich für deren Erfolg war. Denn anstatt ausgefallener, aber eben doch bodenständiger Ermittlungsarbeit, wurden Batman und sein Gehilfe Robin nun durch allerlei aberwitzige und knallbunte Einsätze gehetzt. Die Drehbücher stammten allesamt aus der Feder von Lorenzo Semple Jr., der neben Franklin J. Schaffners PAPILLON (1973) auch die Bücher zu Knallern wie John Guillermins KING KONG (1976), Mike Hodges‘ FLASH GORDON (1980) oder Irvin Kershners SAG NIEMALS NIE (1983) verfassen sollte. So war sichergestallt, dass der Film der Serie in nichts nachsteht, wenn es um Wahnsinn und Übertreibung geht – um gar nichts.

Und tatsächlich stellt der Streifen rund 100 Minuten blanken Wahnsinn dar. Schon nach fünf Minuten hängt Batman mit einem Hai am Bein an einer Strickleiter unter einem Helikopter. Auf eine Exposition wird dabei gänzlich verzichtet, es gab 1966 ohnehin keinen Menschen, der die Figur und ihre Umgebung nicht gekannt hätte. In der Folge kaspern sich Adam West und Burt Ward in den Hauptrollen durch einen Film, der schon im Vorspann per Text klarstellt, dass es hier um Abenteuer, Eskapismus und Spaß geht. Klare Ansage. Also rennt Batman auch schon mal mit einer kugelrunden Bombe inklusive brennender Lunte durch einen Hafen und findet minutenlang keine Möglichkeit, den zu explodieren drohenden Knallkörper zu entsorgen, ohne dabei unschuldiges Leben zu gefährden; selbst ein paar Plastikenten sind Grund genug, ein weiteres Mal umzukehren. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ebenjener Kunststoff Batman und Robin kurz zuvor das Leben gerettet hat, als die beiden einen Hubschrauberabsturz nur überleben, weil sie in die Exponate einer Messe für Plastikprodukte fallen. Glück muss man haben!

Robin: Du hast dein Leben riskiert, um dieses Pack in der Kneipe zu retten?
Batman: Es mögen vielleicht Trinker sein, Robin, aber es sind auch menschliche Wesen.

Und da Batman ja im Gegensatz zu einschlägigen Heldenkollegen über keinerlei Superkräfte verfügt, erscheint es nur recht und billig, dass er stattdessen das ein oder andere Gadget bei sich hat. Zur Basisausstattung gehören Hilfsmittelchen wie Anti-Haifisch-Bat-Spray oder die Bat-Ladder am Helikopter. Zu Hause sorgen die Bat-Poles für ein zügiges Erreichen der Bat-Höhle, wo man dann einen tiefen Schluck aus dem Bat-Trinkwasserspender nimmt. Und wenn man am Ende den UN-Rat in Pulverform nach Hause bringt, der obendrein durch ein Missgeschick heillos vermischt wurde, ist man natürlich froh, wenn ein „Super Molecular Dust Seperator“ im Keller stehen hat. Die diversen Bat-Gefährte und unzähliger weiterer Krimskrams verkommen da fast schon zur Nebensache.

Gegen einen derart gut ausgestatteten Vertreter des Gesetzes (der folglich auch von Soldaten gegrüßt und von auf Hochhausdächern Sport treibenden Bikini-Damen bejubelt wird) reicht ein Schurke dann natürlich nicht aus. Stattdessen dürfen die vier bekanntesten Serien-Widersacher gleich mal gemeinsam ran. Frank Gorshin als Riddler, ROCKY-Veteran Burgess Meredith als Pinguin, Tausendsasssa Cesar Romero als Joker und natürlich Lee Meriwether (die in der Serie nicht auftrat) als Catwoman. Letztere darf die Fledermaus dann auch gleich mehrfach um den Finger wickeln, was stets in unglaublich schmalzigen Pläuschchen endet. Ansonsten überbietet sich die Truppe fortwährend darin, noch absurdere Pläne aufzustellen, um die Weltherrschaft an sich zu reißen, denn merke: zwei Superschurken erobern Gotham, drei die USA, vier die ganze Welt.

Batman: Ich wollte, es wäre so, Robin, aber es ist nicht so: Es sind fünf dehydrierte Piraten, die rehydriert sind.

Eine der größten Leistungen von Regisseur Leslie H. Martinson, der zuvor zwei Folgen der Serie drehen durfte, ist es indes, diesen Klamauk zu einem konsistenten Filmerlebnis zu verarbeiten. Trotz des episodischen Charakters verliert der Streifen seinen Spannungsbogen nämlich nie gänzlich aus dem Auge, sondern schafft es, über die gesamte Laufzeit hinweg zu unterhalten. Eine Leistung, die nur allzu viele Genrekollegen nicht vollbracht haben. Auch gelingt es Martinson zusammen mit Kameramann Howard Schwartz, dem Film – nicht nur wegen der weltberühmten Schrifteinblendungen bei Kämpfen – einen vollendeten Comic-Look zu verpassen. Die grellbunten Sets werden so stets etwas verfremdet eingefangen, was die ohnehin comichafte Darstellung trefflich unterstützt. Kleine Kniffe, wie die grundsätzlich schiefe Einstellung auf die Antagonisten, runden diesen Eindruck gekonnt ab. Zeitlich perfekt am Ende der ersten Staffel veröffentlicht, schlug der Film ein wie eine Bombe und führte den Erfolg der Fernsehserie nahtlos im Kino fort. Großartig gealtert, funktioniert der Streifen so auch heute noch problemlos als grelle Parodie auf all die übermächtigen Superhelden jener Tage.

Bap! Zwapp! Sploosh! Doziers Batmans ist auch heute noch genau das grelle Knallbonbon voller Schurken-Wahnsinn und Superhelden-Aberwitz, das es schon bei seiner Erstaufführung war – und es unterhält genau deshalb auch heute noch uneingeschränkt.

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4 Antworten zu “BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM

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