DAS SUPERDING DER 7 GOLDENEN MÄNNER

Das Superding der 7 goldenen Männer
Il grande colpo dei 7 oumini d’oro | Frankreich/Italien/Spanien | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Gerade noch denken die sechs internationalen Verbrecher mit den mit A beginnenden Namen, dass ihr Coup gelungen und der Weg in eine reiche Zukunft frei ist, da stehen ihnen auch schon CIA-Agenten mit Maschinenpistolen gegenüber. Auch Anführer Albert (Philippe Leroy) und Begleiterin Giorgia (Rossana Podestà) werden gefangen genommen. Doch schnell zeichnet sich ein Deal ab: Die Bande von Meisterdieben soll für die US-Amerikaner einen südamerikanischen Revolutionsführer (Enrico Maria Salerno) entführen.

Der von Marco Vicario geschriebene und gedrehte SIEBEN GOLDENE MÄNNER (1965) schlug unerwarteterweise ein wie eine Bombe. Die genial-stimmige Darbietung eines Goldraubs mit einem großartigen Cast stellte eine erfrischende Abwechslung zu den Gauner-Klamotten jener Tage dar und fuhr somit zu Recht viel Lob von Kritik und Zuschauern ein. Also schnappte sich Vicario schnell Stab und Besetzung, um ohne größere Wechselvorgänge eine Fortsetzung in die Wege zu leiten. Die deutlichste Neuerung lässt sich erkennen, wenn man die Liste der Drehorte betrachtete, finden sich in jener doch plötzlich diverse Lokationen in der Karibik respektive in Polynesien wieder.

Giorgia: Wenn du genauso reich wärst wie du männlich bist, General, wärst du mein Ideal.

Anlass dafür ist der grundlegende Wandel in der Ausrichtung des Films. Wo der Vorgänger ein sehr ruhiger, durchdachter Heist-Movie war, der seine Geschehnisse innerhalb eines sehr reduzierten Raums darbot, handelt es sich beim Nachfolger um ein quietschbuntes Abenteuer, welches seine Protagonisten durch exotische Kulissen jagt. Plötzlich wechseln die Sets im Minutentakt, es wird allerorten geballert und gekämpft, von einer bedächtigen Vorgehensweise – wie sie den Meisterdieben angemessen wäre – ist nichts mehr zu sehen. Dass dieser Wandel bewusst herbeigeführt ist, lässt sich eigentlich schon an der Eingangssequenz ablesen, in welcher Vicario die Geschehnisse des Vorgängers rekapituliert. Dabei vertauscht er allerdings – neben einigen anderen Abweichungen – die Rollen von Philippe Leroy und Rossana Podestà, sodass ersterer nun im Kleid durch die Bank stolziert und letztere ihn per Funk begleitet (inklusive des auch im Vorgänger vorkommenden Kommentars bezüglich der Unterwäsche!). Diese bewusste Verdrehung des Bekannten lässt sich eigentlich nur als überdeutliche Ankündigung lesen, dass fortan nach anderen Regeln gespielt wird als noch ein Jahr zuvor.

Erkennen lässt sich das, neben der allenthalben großartigen und wertigen Ausstattung des Films, sehr schön an der Verwendung der Gadgets. Waren diese schon 1965 in großer Anzahl vorhanden, passiert nun gar nichts mehr ohne Hilfsmittel. Allerlei fantastische Mechanismen helfen den Protagonisten auf ihrem Weg, in äußerster Not muss dann sogar mal eine Wache per Boxhandschuhwerfer ausgeschaltet werden. Wachen gibt es dabei zu Genüge, denn es geht hier ja gegen einen südamerikanischen Revoluzzer. Vicario bleibt in seinem politischen Statement dabei recht zurückhaltend, insgesamt kommen die Aufbegehrenden aber sicherlich nicht schlechter weg als die selbstzufriedenen Nordamerikaner. Die Russen dienen hingegen nur als Statisten, ihnen raubt man im Vorbeigehen 7000 Tonnen Gold aus dem Bauch eines Schiffes. Den haarsträubenden Charakter dieser Ereignisse konterkariert Vicario dabei immer wieder deutlich, wenn er beispielweise ständig russische Musik auf dem Deck des Schiffs abspielen lässt. Grundsätzlich sorgt Armando Trovajoli mit seinem ebenso stimmigen wie humorvollen Sounddesign erneut für feinste Klänge.

Albert: Bei so einem miesen Gesicht geht die beste Sache schief.

Die Gewichtung der einzelnen Rollen verschiebt sich ein wenig, vor allem Rossana Podestà erhält als Giorgia deutlich mehr Screentime. So gibt es noch mehr von der ebenso wandlungsfähigen wie selbstbewussten Dame zu sehen, die darüber hinaus mit Enrico Maria Salerno noch einen tollen Charaktermimen an die Seite gestellt bekommt. Salerno persifliert hier den Revoluzzer-Stereotypen überwiegend gekonnt, auch wenn sich sein Betteln irgendwann überläuft. Philippe Leroys bleibt im U-Boot hockend leider blasser als im Vorgänger und auch Giampiero Albertini erreicht seine Vorjahresform nicht mehr. Dafür darf Gastone Moschin als Kraut-Parodie Adolf noch ein Schüppchen drauflegen.
Das Erstaunlichste am Film bleibt aber der Umstand, dass er trotz der Einzug haltenden Albereien und Übertreibungen nie in albernen Selbstzweck abdriftet. Kein Gag wird zur Zote, keine Szene zur Klamotte. Zusammen mit dem erneut auftrumpfenden Kameramann Ennio Guarnieri sorgt Vicario immer dafür, dass man sich als Zuschauender einem sich ernst nehmenden Film gegenübersieht. Diese schwer zu beschreibende Fähigkeit ist letztlich die große Qualität auch des zweiten Teils, der zwar die kongeniale Reduktion und Ruhe des Vorgängers gänzlich vermissen lässt, seine knallbunte Gauner-Action aber trotzdem voller Würde und Engagement präsentiert. Dass Vicario mit dem Ende dann – inklusive Originalmaterial – wieder an SIEBEN GOLDENE MÄNNER anknüpft, spricht für sich und sollte doch bitte als Einladung verstanden werden.

Die Fortsetzung von Vicarios genialem Heist-Movie präsentiert sich gänzlich anders. Offensiver Klamauk statt zurückgenommener Ruhe, ein Feuerwerk an Schauplätzen statt bewusster Reduktion. Dass der Streifen trotzdem noch ordentlich zu unterhalten vermag, ist Vicarios wundervoller Fähigkeit zu verdanken, die völlig überzeichneten Geschehnisse mit (augenzwinkernder) Ernsthaftigkeit und erhobenem Kopf vorzutragen. Hut ab!

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Eine Antwort zu “DAS SUPERDING DER 7 GOLDENEN MÄNNER

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