SAG NIE WIEDER INDIO

Sag nie wieder Indio
Cane arrabbiato | Italien | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Rock (Ethan Wayne) stoppt mit seinen frisch erworbenen Pferden an einer Wasserstelle. Dummerweise befindet sich diese auf dem Land von Großgrundbesitzer Ben Robeson (Ernest Borgnine), der sich die Pferde sogleich schnappt und Rock in den Knast werfen lässt. Dort wird der vom sadistischen Gefängnisvorsteher (Henry Silva) grausam drangsaliert; die Flucht bleibt der einzige Ausweg.

Nachdem er sich vor allem als Produktionsmanager für verschiedenen Teile von Joe D’Amatos BLACK EMANUELLE-Serie hervorgetan hatte, wechselte Fabrizio De Angelis in Regiefach und lieferte mit THUNDER (1983) und GIANT KILLER (1984) zwei durchaus launige Action-Vehikel ab. Beide Filme hatte De Angelis auch selber produziert und in den weiten Leeren des US-amerikanischen Südwestens umgesetzt. Und bei beiden Filmen hatte er bezüglich des Drehbuchs (wenn auch unter einem Pseudonym geleistete) Unterstützung des italienischen Star-Drehbuchautoren Dardano Sacchetti erhalten. Was läge also näher, als dieses Konzept auch gleich bei der dritten Regiearbeit wieder anzuwenden?

Jill: Du bist mein großes Vorbild, Daddy. Der Mann, den ich suche, soll genauso sein wie du, nur ein bisschen jünger und ein guter Verwalter für den Hof. Und außerdem muss er auch nach deiner Pfeife tanzen, nicht nur nach meiner.

Näher läge es nur noch, auch in Sachen Storyline nicht allzu weit von den bewährten Konzepten abzuweichen. Und tatsächlich birgt die den gesellschaftlichen Rassismus (zugegeben etwas plakativ) anprangernde Geschichte von THUNDER das Potenzial, ein Jahr später mit einem anderen Hauptcharakter noch einmal neu aufgekocht zu werden. Erneut muss ein Abkömmling der amerikanischen Ureinwohner mit Vorurteilen und Rassismus um sein Recht ringen. Wieder einmal ist dieser Kampf nur mit Waffengewalt und viel zerstörter Umgebung zu gewinnen.

Folglich fällt die Handlung von SAG NIE WIEDER INDIO recht blass aus, die genretypische Struktur aus fälschlicher Verurteilung, Erniedrigung im Knast, anschließender Flucht sowie finaler Rehabilitation wird von De Angelis stoisch eingehalten, der Film ist frei von jeder Wendung oder Überraschung. Stattdessen werden hier einige härtere Momente ungeniert mit einem teils überaus fröhlich anmutenden Gedudel-Soundtrack (nur in der Exposition gibt es einige klassische Western-Sounds zu hören, die dem Setting des Films angenehm entsprechen) gemischt. Leider lässt der anfangs flott inszenierte Streifen spätestens mit der ellenlangen abschließenden Verfolgungsjagd spürbar nach. Erst das Finale, das nicht nur den rassistischen Auslöser des Ärgers zur Vaterfigur macht, sondern auch die Verwüstung einer Kleinstadt mit dem Worten „Du hast gewonnen“ vom Tisch wischt, sorgt dann nochmal für ein eindrücklichen Abschluss.

Duke: Drei Jahre hab ich gesessen, weil ich ‘nen Bullen verprügelt habe. Wenn ich rauskomme, haue ich noch mal auf die Fresse, das ist schon klar.

Bis dahin bleibt aber vor allem die arge Diskrepanz zwischen den Darstellern im Gedächtnis. Neben Genregrößen wie Ernest Borgnine als Großgrundbesitzer Ben Robeson oder Henry Silva als gekonnt ekelhaftem Knast-Boss, gibt es auch noch Bo Svenson als Sheriff oder den deutschen Genre-Fachmann Raimund Harmstorf als Wärter zu sehen. Dieser außerordentlichen Besetzung steht dann mit Ethan Wayne leider eine Hauptrolle gegenüber, die stets zu flach und zu blass wirkt, um mit den übrigen Mimen konkurrieren zu können. Und gegen diesen Mangel können auch das nette Neowestern-Setting und der ein oder andere flotte Spruche nichts mehr ausrichten.

Stereotyper Rache-Actioner, der leider den Fehler begeht, einer beeindruckenden Besetzung der Nebenrollen einen außerordentlich blassen Hauptcharakter entgegenzustellen. Mehr als ein Mittelfeldplatz ist so leider nicht drin.

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