DER FLUG ZUR HÖLLE

Der Flug zur Hölle
The Unknown Land | USA | 1957
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Zusammen mit der Journalistin Margaret Hathaway (Shirley Patterson) und dem Mechaniker Steve Miller (Phil Harvey) fliegen Commander Harold Roberts (Jock Mahoney) und sein Pilot Jack Carmen (William Reynolds) in Richtung Südpol, um eine dort entdeckte Warmwasserzone näher zu untersuchen. Doch über der Antarktis gerät der Helikopter in einen Sturm, der die vier in einem tropischen Tal inmitten der Eiswüste stranden lässt.

In den 50er Jahren feierte man im Hause Universal Pictures mit Filmen wie GEFAHR AUS DEM WELTALL (1953), DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS (1954) und TARANTULA (1955) riesige kommerzielle und auch künstlerische Erfolge. Die somit von UI mitbegründete Welle an phantastischen Monsterfilmen wird heute gemeinhin – und überwiegend zu Recht – auch als Ausdruck politischen Zeitgeists interpretiert, war es doch allzu häufig eine fremde, das Individuum verschlingende (Über-)Macht, die die US-amerikanischen (Klein-)Städter bedrohte. In Zeiten des Kalten Krieges eine überdeutlich auf den Kommunismus der Sowjetunion abzielende Parabel. Doch dass es auch phantastisches Kino ohne platte Angstmacherei geben konnte, sollte Universal spätestens 1957 unter Beweis stellen.
Da die oben erwähnten Filme allesamt von Jack Arnold gedreht wurden, wollte man diesem auch den Regiestuhl von DER FLUG ZUR HÖLLE unter den Hintern schieben. Die Produktion sollte größer und besser ausgestattet daherkommen und vor allem in Farbe umgesetzt werden – ein Filmereignis, eine neue Ära. Doch schon nach kurzer Zeit hatte das Team um Produzent William Alland den größten Teil der rund 60.000 US-Dollar Budget in die Erstellung der animatronischen Urzeitwesen investiert. Für große Außensets und Farbe blieb plötzlich kein Geld mehr und aufgrund dessen verlor auch Arnold das Interesse an dem Projekt. Auf sein Anraten hin übernahm der Cutter Virgil W. Vogel, der mit IN DEN KLAUEN DER TIEFE (1956) debütiert hatte, die Regie.

Maggy: Ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, mich als erste Frau über die Antarktis zu fliegen.
Jack: Aber durchaus nicht. Wenn Sie wollen, fliege ich Sie bis zum Mond!

Das von László Görög, William N. Robson und Charles Palmer stammende Drehbuch schickt die Protagonisten in ein tropisches Tal in der Antarktis, welches aufgrund einiger physikalischer Unsinnigkeiten dort verborgen liegt. Fortan kämpfen sich die Heroen durch das Tal, haben dabei allerdings kaum etwas zu leisten. Es gibt zwar einige bedrohliche Kreaturen, aber letztlich sind die Herrschaften kaum wirklich in Gefahr. Die Aufgabe liegt eher darin, dem Tal wieder zu entkommen, wobei ein vor Jahrzehnten dort gestrandeter Wissenschaftler helfen muss. Zwar sorgt das Auftauchen dieses Dr. Hunter für ein wenig frischen Wind, doch insgesamt lässt sich konstatieren, dass die Storyline überaus belanglos und folglich überwiegend öde daherkommt – das der gesamte Film nicht einen einzigen Todesfall fordert, unterstreicht diesen Eindruck auf einer quantitativen Ebene.

Auch die Mimen reißen keine Urwaldbäume aus. Jock Mahoney gibt als Harold den stereotypen Anführer, der entweder seine Mannen umherscheucht oder die anwesende Dame dümmlich anquatscht. Jene wird in diesem Fall von Shirley Patterson gegeben, die bereits in allerlei phantastischen und abseitigen Produktionen Erfahrung gesammelt hatte; hier ist es an ihr, meist vor gefährlichen Pflanzen zu warten, ohne sich umzudrehen. William Reynolds als Pilot Jack und Phil Harvey, im gleichen Jahr auch im ebenfalls von Universal stammenden DAS GEHEIMNIS DES STEINERNEN MONSTERS (1957) zu sehen, als Maschinist Steve dienen lediglich als Stichwortgeber. Henry Brandon schließlich bleibt als bärtiger Dr. Hunter ebenfalls überschaubar, bricht aber immerhin die langweilige Konstellation der Kerngruppe kurzzeitig auf.

Maggy: Müssen wir durch diese Wolken fliegen?
Jack: Ja, leider.
Steve: Hoffentlich werden wir heil durchkommen. Ende Juni erwarten wir unser Kind.
Jack: Nur nicht aufregen, schließlich haben wir erst Anfang Februar.

Und meist ist es auch Brandons Figur, die mit den großen Pluspunkten des Films interagiert: den Urzeitwesen. Die animatronischen Darstellungen fallen zwar qualitativ recht unterschiedlich aus (der T-Rex muss auch vor 60 Jahren schon für Lachen gesorgt haben), aber insbesondere das Wasserwesen überzeugt durchweg. Dazu kommen gelungene Kulissen und eine erstklassige Arbeit der Cutter und Tricktechniker, die die verschiedenen Ebenen und Rückprojektionen erstaunlich nahtlos miteinander verbunden haben. Die tolle Mischung aus gezeichneten Leinwänden, Rückprojektionen und tatsächlichen Kulissen (sowie einigen interessanten Originalaufnahmen von Expeditionen in die Antarktis) sorgt somit dafür, dass der Streifen zumindest auf handwerklicher Ebene zu überzeugen weiß – auch wenn der Einsatz echter Warane für die Kämpfe urzeitlicher Wesen natürlich wieder mal einen äußerst bitteren Beigeschmack hinterlässt.

Inhaltlich völlig belangloser Phantastik-Streifen, der seine lahme Story aber mit einer sehr soliden handwerklichen Arbeit teilweise wieder aufwiegen kann – von den armen Waranen einmal abgesehen.

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