DEATH WISH 3 – DER RÄCHER VON NEW YORK

Death Wish 3 – Der Rächer von New York
Death Wish 3 | USA | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Paul Kersey (Charles Bronson) ist zurück in New York, um seinen alten Kumpel Charley (Francis Drake) zu besuchen. Doch bei Kerseys Ankunft wird dieser gerade derart von Gangmitgliedern vertrimmt, dass er kurze Zeit später stirbt. In der Folge beauftragt Inspektor Shriker (Ed Lauter) Kersey damit, die Unholde umzulegen, womit dieser – unterstützt durch Charleys alten Kumpanen Bennett (Martin Balsam) – auch sogleich voller Inbrunst beginnt.

Wenn man so will, zählt DEATH WISH 3 – DER RÄCHER VON NEW YORK aus dem Jahr 1985 sicherlich zu den konsequentesten Fortsetzungen jener Jahre. War EIN MANN SIEHT ROT (1974) noch ein Drama, welches seine bereits vorhandenen reaktionären Untertöne der Charakterentwicklung Kerseys unterordnete, entwickelte sich die DEATH WISH-Reihe mit DER MANN OHNE GNADE – DEATH WISH II (1982) bereits in Richtung plumpes Rache-Kino. In seiner dritten Serien-Arbeit sorgt Michael Winner dann dafür, dass Kersey vollends zu einer Parodie seiner selbst wird und wie ein erzkonservatives Abziehbildchen durch den Film spaziert. Das Skript dazu verfasste neben dem etatmäßigen Reihen-Schreiberling Brian Garfield auch Don Jakoby, der zuvor schon John Badhams DAS FLIEGENDE AUGE (1983) oder Tobe Hoopers LIFEFORCE – DIE TÖDLICHE BEDROHUNG (1985) mitverfasst hatte – letzterer sollte seinen Namen allerdings nachträglich durch ein Pseudonym ersetzen lassen.

Kersey: Was ist mit den Bullen? Unternehmen die irgendwas?
Rodriguez: Ja, die kümmern sich um die Falschparker.

Der Grund für diesen Rückzug ist bei genauerer Betrachtung des Ergebnisses nur allzu schnell zu erahnen. Michael Winner inszeniert seinen dritten Streich derart flapsig, dass schon nach wenigen Minuten klar ist, dass seine Hauptfigur nur in den Big Apple reist, um dort Unholde niederzuballern. Schon in der Eröffnung führt der Umstand, dass ein Telefongespräch abrupt unterbrochen wird, dazu, dass Kersey gleich Lunte riecht und er (natürlich vergebens) zur Hilfe zu eilen sucht. Kersey weiß es, die Zuschauenden wissen es, Winner weiß es: in diesem Film geht es nur um Rache. Und dergestalt läuft die altbekannte Geschichte dann auch ab. Überfälle und (dieses Mal erstaunlich kurze) Vergewaltigungen rechtfertigen die folgende Selbstjustiz-Show. Von einer moralischen Hürde ist jedoch nichts mehr zu sehen, Kersey ballert einfach los.

Interessant ist dabei, dass die eigentlichen Gesetzeshüter ihn dieses Mal nicht einmal mehr in seinem unredlichen Tun behindern. Denn nachdem der grinsende Bronson zweimal auf die Nase bekommen hat, schickt ihn der von Ed Lauter, der kurz zuvor als Joe Camber in Lewis Teagues CUJO (1983) mitwirkte, gegebene Inspektor Shriker sofort mit dem Auftrag los, „die Schweine umzulegen“. Mit einem derartigen Freifahrtschein ausgestattet, kauft Kersey dann auch schon mal einen Gebrauchtwagen, stellt diesen in einer dunklen Ecke New Yorks ab und erschießt die derart angelockten Autodiebe. Das macht er aber natürlich nur dann, wenn er nicht gerade Bretterfallen an Fenster bastelt, in denen dann die Zähne der potenziellen Einbrecher stecken bleiben. Ahja.

Bennett: Sind das Spezialpatronen?
Kersey: Für unsere Freunde ist nichts gut genug.

Begleitet wird Bronson dabei von Martin Balsam, dessen Mitwirken in diesem Rache-Vehikel kaum zu erklären ist. Sein Bennett unterstützt Kerseys stumpfe Rache wo es nur geht und reicht ihm final auch noch die zwei Maschinengewehre (um deren Einsatz dann grinsend am Fenster zu verfolgen). Deborah Raffin, die bereits in Michael Winners HEXENSABBAT (1977) mitwirkte und ein paar Jahre später eine Hauptrolle in Christian Duguays höchst mäßiger Fortsetzung SCANNERS II (1991) erringen sollte, ist als Love-Interest Kathryn derart flach konzipiert, dass ihr sinnfreies Ausscheiden 20 Minuten vor Ende fast schon eine Wohltat ist und Gavan O’Herlihy kann als Hauptantagonist Fraker immerhin mit seiner höchstbekloppten Frisur punkten.
Der überwiegend in (ordentlichen) Kulissen in London gedrehte Film schickt Frakers Leutchen dann allenthalben durch dunkle Gassen, wo sie zunächst Unrecht begehen, um dann um die Ecke gebracht zu werden. All das dient leidglich dazu, dass es am Ende eine große Schlacht gibt, in der Kersey mit einem Maschinengewehr durch New York wandert und Horden von Gangstern/Bandenmitgliedern/Punks umnietet – auf deren Leichen dann die gescholtenen Bürger_Innen tanzen. Und während der Zuschauer noch die erneut von Jimmy Page arrangierten Synthie-Sounds genießt (die denen des Vorgängers erstaunlich ähnlich scheinen), zückt Kersey dann auch schon den Raketenwerfer, um den Oberbösewicht rücklings aus dem Fenster zu pusten. Danach ist dann alles gut und damit ist auch alles gesagt.

Ein in seiner reaktionären Simplizität schon beinahe als Parodie zu verstehender Auftritt des berühmten Rächers Kersey. Da die Welt aber nun mal nicht so einfach ist, kann solch ein Auftritt kaum mehr als ungläubiges Kopfschütteln hervorrufen.

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2 Antworten zu “DEATH WISH 3 – DER RÄCHER VON NEW YORK

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