HILFE, DIE AMIS KOMMEN!

Hilfe, die Amis kommen!
European Vacation | USA | 1985
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Clark Griswold (Chevy Chase) und seine Familie sind wahrlich vom Glück verfolgt: In einer verdrehten Gameshow gewinnen sie doch tatsächlich eine Reise nach Europa. Doch kaum haben sich Clark und Ellen (Beverly D’Angelo) mit ihrer liebesbekümmerten Tochter Audrey (Dana Hill) und dem pubertären Sohnemann Rusty (Jason Lively) in den Flieger gesetzt, nimmt die Katastrophe auch schon ihren Lauf.

Die chaotische Durchquerung des nordamerikanischen Kontinents in DIE SCHRILLEN VIER AUF ACHSE (1983) durch die Familie Griswold, ersonnen von John Hughes und inszeniert von Harold Ramis, stellte einen der Höhepunkte des Komödienjahres 1983 dar. Also beauftragte Warner Brothers Hughes, seines Zeichens Schreiberling des US-amerikanischen Satiremagazins National Lampoon, damit, ein Drehbuch für eine Fortsetzung zu schreiben. Hughes konnte auf bereits vorhandene Konzepte zurückgreifen und formte daraus zusammen mit Robert Klane ein Buch, welches die famose Familie auf den alten Kontinent schickt. Leider gelingt es Hughes und Klane dabei nicht, den weitestgehend sinnfreien, aber doch pointierten Humor des Vorgängers mit nach Europa zu nehmen.

Ellen: Clark, können wir diese Reiseroute nicht vergessen und alles auf uns zukommen lassen wie normale Menschen?
Clark: Wir sind keine normalen Menschen, wir sind die Griswolds!

Schon die Eröffnung (die dem erneut verwendeten, großartigen Titeltrack Holiday Road aus der Feder Lindsey Buckinghams folgt), bei der die Familie in einer Gameshow in Schweinekostümen herumhampelt, lässt erahnen, wohin der Zug gehen soll. Plötzlich ist nicht mehr die Reiselust und Planungswut von Papa Clark der Antrieb des Abenteuers, sondern ein dummer Zufall. Und genauso sieht die Reise dann auch aus: zufällig, willkürlich, beliebig. In Europa angekommen präsentiert der Film eine willfährige Aneinanderreihung von Klischees. England, Frankreich, Deutschland, Italien; das Bombardement mit Vorurteil und Reduktion macht vor keinem der bereisten Länder halt.

Die Konzeption folgt der strikt episodischen Struktur des Erstlings, schafft es dabei allerdings deutlich seltener, die einzelnen Sequenzen so pointiert einem Thema oder einer Situation unterzuordnen; ein Umstand, der mitnichten der Regie von Amy Heckerling, die sich mit den namenhaft besetzten Komödien ICH GLAUB‘, ICH STEH IM WALD (1982) und JOHNNY G. – GANGSTER WIDER WILLEN (1984) für diesen Job qualifizierte, anzulasten ist. Heckerling schafft es nämlich durchaus, die Figuren geschickt in Szene zu setzen. Vielmehr sind es die fast ausschließlich auf flachen Klischees fußenden Gags, die kaum zum Zünden zu bringen sind. Lichtblicke bleiben die Szenen, in denen sich verschiedene Europäer teils derbe auf Kosten der Griswolds (die sich hier übrigens ausnahmeweise mit einem a schreiben) amüsieren, lassen sie doch ein gewisses Augenzwinkern erkennen.

Ganove: Ich sehe es nicht gerne, wenn eine hübsche Frau billigen Wein trinkt.
Ellen: Dann sollten Sie besser gehen.

Des Weiteren unterhält auch Chevy Chase in der Rolle des Clark wieder überwiegend. Zwar leidet auch seine Darbietung unter den Voraussetzungen, aber seine Kaspereien funktionieren trotzdem häufig genug. Auch Beverly D’Angelo überzeugt als humorvolles Gegenstück wieder, während die Besetzung von Dana Hill als Tochter Audrey irritierend wirkt. Irgendetwas an Hill macht es ihr unmöglich, eine in der Adoleszenz befindliche Jugendliche zu spielen. Jason Lively darf die Rolle des Rusty übernehmen und folgt Anthony Michael Hall dabei problemlos. Da das Konzept des Films auf diesen vier Figuren fußt, gibt es kaum erwähnenswerte Nebenrollen, dafür dürfen sich die Zuschauenden dieses Mal an diversen Camoes erfreuen, darunter der britische Komiker Mel Smith als schmieriger Hotelier, Monty Python-Gründer Eric Idle als blutender Radfahrer oder Frank Zappas Tochter Moon Unit als Love-Interest von Rusty.
Immerhin wird musikalisch wieder einiges geboten. Neben dem mehrfach verwendeten Holiday Road gibt es eine flotte Mischung zeitgenössischer Songs, aus denen Ca plane pour moi von Plastic Bertrand hervorsticht, welches für eine schicke Louvre-Montage verwendet wird. Doch auch das rettet HILFE, DIE AMIS KOMMEN! nicht davor, das durchaus große Kapital des Vorgängers nur unzureichend auszuschöpfen. Kein Wunder, dass der Abspann dann auch wieder den American Ways of Life feiert – der Ausflug nach Europa war halt nix.

Müde Fortsetzung, die es leider nicht schafft, in Europa etwas anderes als eine Aneinanderreihung von Klischees zu sehen – da kann selbst Chevy Chase nichts mehr rausreißen.

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