DIE SCHRILLEN VIER AUF ACHSE

Die schrillen Vier auf Achse
Vacation | USA | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Clark Griswold (Chevy Chase) will mit seiner Familie die Ferien im Freizeitpark Wally World an der Westküste verbringen. Doch anstatt dem Rat seiner Frau Ellen (Beverly D’Angelo) zu folgen und ein Flugzeug zu benutzen, plant Clark eine Autoreise mitsamt den Kindern Rusty (Anthony Michael Hall) und Audrey (Dana Barron). Doch bereits kurz nach der Abreise beginnt die Fahrt aus dem Ruder zu laufen …

1979 schrieb der US-amerikanische Autor und Mitarbeiter des Satiremagazins National Lampoon, John Hughes, eine Kurzgeschichte namens Vacation ‘58. Und da kurz zuvor John Landis‘ ICH GLAUB‘, MICH TRITT EIN PFERD (1978), der ebenfalls auf einer National Lampoon-Kurzgeschichte fußte, zu einem immensen Erfolg wurde, dauerte es nicht lange, bis Warner Brothers bei Hughes anklopfte, 15 Millionen US-Dollar auf den Tisch legte und ihn aufforderte, aus seiner Kurzgeschichte ein Drehbuch zu machen. Die Regie sollte Harold Ramis zugetragen werden, der bereits am Drehbuch zu ICH GLAUB‘, MICH TRITT EIN PFERD mitgearbeitet hatte, und der mit seinem Debüt CADDYSHACK – WAHNSINN OHNE HANDICAP (1980) sein Händchen für Komödien bereits unter Beweis gestellt hatte.

Rusty: Hast du PacMan?
Dale: Nein.
Rusty: Hast du Space Invaders?
Dale: Nein.
Rusty: Hast du Asteroiden?
Dale: Nein, aber mein Vater hat welche. Er kann manchmal kaum auf dem Klo sitzen.

Doch wichtiger noch als diese Personalien war die Verpflichtung eines weiteren National Lampoon-Mitglieds: Chevy Chase. Dieser hatte in zahlreichen Radioshows des Magazins mitgewirkt, trat im Kurzfilm NATIONAL LAMPOON’S LEMMINGS (1973) auf und war Regisseur Ramis seit CADDYSHACK – WAHNSINN OHNE HANDICAP ebenfalls bestens vertraut. Mit seiner Rolle des Clark steht und fällt dann auch der gesamte Film – mehr noch: er ist der Film. Sein unerschütterlicher Optimismus ist der Antrieb der Familie, er plant die Reise und hält trotz aller Widrigkeiten deren Konzept fest. Chase spielt die Rolle dabei wundervoll prägnant und formt sie so zu einer wahrlich eigenen Figur. Clark ist mit seiner Mimik und seinen schwungvollen Gesten immer wieder Mittelpunkt sämtlicher Lacher.

An seiner Seite ist Beverly D’Angelo als Ellen zu sehen, die einige Jahre zuvor in Miloš Formans Musical-Klassiker HAIR (1979) ihren Durchbruch feierte. D’Angelo steht zwar deutlich in Chase‘ Schatten, macht als ebenso liebevolle wie gesangsbefähigte Gattin aber trotzdem einen gelungenen Eindruck. Während Dana Barron, die Töchterlein Audrey gibt, bis heute meist auf Nebenrollen gebucht werden sollte, entwickelte sich die Karriere von Anthony Michael Hall, hier in der Rolle des pubertären Söhnchens Rusty zu sehen, in der Folge sehr erfolgreich weiter. Weitere bekannte Gesichter sind John Candy als Parkwächter Lasky und Randy Quaid als Hillbilly-Cousin Eddie. Während diese Herrschaften ihre Karrierehöhepunkte noch vor sich hatten, lagen diese im Falle von Imogene Coca bereits etwas zurück. Ihre Darbietung als Tante Edna gehört aber auch zu den schwächeren Momenten des Films.

Clark: Hey Hasenfuß, beweg‘ mal deine Froschschenkel!

Denn tatsächlich wechseln sich äußerst humorvolle und pointierte Passagen (die ihren Reiz meist aus durchaus als satirisch zu bezeichnenden Konzepten ziehen) mit eher flachen Gags ab. Da vieles sich um Clark dreht, überwiegt zwar ersteres, aber gerade die mitunter stark episodische Struktur des Ganzen hält auch so manche Minute Leerlauf parat. Denn Ramis scheut nicht davor zurück, die einzelnen Sequenzen ohne weitere Verbindung aneinanderzureihen. Hier spürt man deutlich die Kurzgeschichten- bzw. Sketch-Grundlagen des Films.
Vergessen gemacht werden die wenigen faden Momente dann aber durch die grandiose Musikauswahl von Ralph Burns. Neben einigen Eigenkreationen, mischte Burns verschiedene Rock- und Country-Klassiker zusammen und erkannte die Lindsey Buckingham-Songs Holiday Road und Dancin‘ Across the USA als perfekte Umrahmung für den Film. Dass Clark und Ellen dann noch unzählige Klassiker durch das skurrile Gefährt (welches übrigens vom Schöpfer des 1966er Batmobils, George Barris, designt wurde) schmettern, lässt es nur logisch erscheinen, dass der Streifen bis heute vier Fortsetzungen unter dem VACATION-Label erfahren sollte.

Chevy Chase ist es zu verdanken, dass der Auftakt der VACATION-Filme ein kleiner Klassiker seinen Fachs ist. Die Reise der Griswolds wird durch ihn zu dem humorvollen bis satirischen Erlebnis, für das sie Fans bis heute schätzen.

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2 Antworten zu “DIE SCHRILLEN VIER AUF ACHSE

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