KOMM GORILLA, SCHLAG ZU

Komm Gorilla, schlag zu
Tiffany Memorandum | Frankreich/Italien | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Journalist Dick Hallam (Len Clark) wird zufällig Zeuge des Mordes an einem südamerikanischen Diplomaten. Er beschließt, dem Fall nachzugehen und gerät an der Seite der undurchsichtigen Sylvie Meynard (Irina Demick) schnell in eine internationale Verschwörung rund um ein Tonbandaufnahme und allerlei Geheimdienste.

Auch wenn ihm die ganz großen Würfe etwas abgingen, kann man dem italienischen Regista Sergio Grieco doch nicht absprechen, sich aufopferungsvoll im Bereich des Eurospy-Films engagiert zu haben. Werke wie VOLLMACHT FÜR JACK CLIFTON (1965), JACK CLIFTON – MISSION BLOODY MARY (1965), IM NETZ DER GOLDENEN SPINNE (1966) oder HEIßER TATORT TRIPOLIS (1966) nehmen zwar allesamt keine herausragende Rolle im Genre ein, lassen aber zumindest erwarten, dass Grieco eine gewisse Erfahrung im Bereich der flotten Agenten-Abenteuer besitzt. Bei seinem fünften Beitrag zum Genre – und dem vierten, in dem Ken Clark die Hauptrolle übernehmen sollte – verhindert allerdings das von den durchaus namhaften Autoren Sandro Continenza und Roberto Gianviti geschaffene Drehbuch, dass Gireco seinem Portfolio einen echten Agenten-Knaller hinzufügen kann.

Hallam: Komm, raus! Sonst bring ich Ihnen die Bandscheiben durcheinander.

Die Geschichte um den per Zufall in internationale Verstrickungen hineingeratenen Journalisten Dick Hallam fällt dafür nämlich schlicht und einfach viel zu wirr und ziellos aus. Schon die Motivation Hallams, die Verfolgung des Fluchtwagens aufzunehmen, erscheint willfährig, aber spätestens, wenn ein frontaler Zusammenprall zweier (grandios dargestellter Spielzeug-) Züge die Unterredung zwischen Hallam und Meynard unterbricht, geht jegliche Logik von Bord. In der Folge versucht man als Zuschauer krampfhaft, der Geschichte voller austauschbarer Protagonisten zu folgen, die zu allem Überfluss auch noch ständig die Namen wechseln; diverse Decknamen und Doppelagenten machen die Verwirrung irgendwann gänzlich perfekt. Der doppelte Twist am Ende kann da ebenso wenig Abhilfe schaffen, wie der Versuch, Hallam als coolen Amateur-Geheimagenten zu installieren.

Denn B-Film-Fachmensch Ken Clark kommt trotz durchaus engagiertem Spiel zu keinem Zeitpunkt über den biedersten Genredurchschnitt hinaus. Jeder Situation körperlich gewachsen, fällt er ansonsten nur durch (selbst für dieses Genre) übermäßig sexistisches Gepöbel auf. Die Französin Irina Demick, die zwei Jahre später in Henri Verneuils DER CLAN DER SIZILIANER (1969) mitwirken sollte, funktioniert da als relativ starke Frauenrolle schon besser, leidet aber an der allenthalben halbgaren Charakterzeichnung. Schlimmer trifft jene aber Mimen wie Angelo Infanti als Pedro Almereyda respektive Max Schultz oder Grégoire Aslan als der Schatten, sodass selbst diese verdienten Genre-Darsteller kaum etwas von ihrem Können zeigen können.

Hallam: Ich mag nur Sekretärinnen, die keine Ahnung von Stenographie haben, und die keinen Brief schreiben können.

Immerhin bewahrt Grieco den Streifen zusammen mit Kameramann Stelvio Massi vor dem Totalausfall, indem die beiden in Paris, vor allem aber in Berlin einige wirklich stimmige Aufnahmen produzieren. Vor allem in den Nachtszenen kommt eine (insbesondere in Anbetracht des übrigen Films) erstaunlich schmissige Stimmung auf, die Starkomponist Riz Ortolani auch noch mit schwungvollen Klängen unterlegt. Es sind diese wenigen Momente, in denen KOMM GORILLA, SCHLAG ZU dann doch so etwas wie gelungenes Eurospy-Flair entwickelt – aber leider kommen die viel zu selten vor.

Ein durch und durch unterdurchschnittlicher Eurospy-Beitrag, dessen wenige inszenatorische Höhepunkte den Mangel an Story und Charakterzeichnung zu keinem Zeitpunkt aufzuwiegen vermögen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s