DJANGO – KREUZE IM BLUTIGEN SAND

Django – Kreuze im blutigen Sand
Cjamango | Italien | 1967
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Just hat Django (Ivan Rassimov) mal ein wenig Geld gewonnen, nimmt es ihm der Bandenanführer Don Pablo (Livio Lorenzon) auch schon wieder ab. Bei dem Versuch, seine Kohle wiederzubekommen, gerät Django dann zwischen die Fronten von Don Pablo und dessen Widersacher El Tigre (Piero Lulli) – und zu allem Übel will ihm die undurchsichtige Pearl Hernandez (Hélène Chanel) nicht helfen, während der kleine Manuel (Valerio Fioravanti) seiner Hilfe umso stärker bedarf.

Edoardo Mulargia hatte mit den beiden frühen Italowestern JETZT SPRECHEN DIE PISTOLEN (1965) und VAJAS CON DIOS, GRINGO! (1966) bereits einiges an einschlägiger Erfahrung gesammelt, als Sergio Corbucci seinen meisterlichen DJANGO (1966) in die Kinos brachte. Mulargia erkannte das enorme Potenzial dieses Charakters und ging daran, eine Figur namens Cjamango in die Italowesternwelt zu entsenden. Die phonetische und schriftbildliche Ähnlichkeit (auf einigen Plakaten ist selbst die Schriftart eine äußerst ähnliche) sollte sich dann auch in der recht düsteren und abweisenden Konzeption der Hauptfigur widerspiegeln (die deutschen Verleiher in ihrem Django-Wahn benannten bekanntlich ohnehin jede Figur nach Corbuccis klassischem Rächer).
Und wenn man schon mal dabei ist, sich Ideen von Genregrößen zu leihen, dann ist es doch eigentlich unnötig, nach nur einer entliehenen Facette damit aufzuhören. Also warfen Mulargia und Produzent Vincenzo Musolino noch einen Blick auf Sergio Leones FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR (1964) und befanden die Geschichte der zwei zerstrittenen Bandoberhäupter für einfallsreich genug, um bei ihrem Projekt eine erneute Umsetzung zu erfahren. Musolino schrieb dann mit Fabio Piccioni ein Drehbuch, welches sich eng am großen Vorbild orientiert, dessen Schwung und Spannung allerdings über weite Strecken vermissen lässt.

Django: Wo hab ich denn Ihr dämliches Gesicht schon mal gesehen?
Clinton: Weiß ich, wo Sie sich rumtreiben?

Die Geschichte schreitet schlicht zu langsam fort, es ist kaum eine Entwicklung zu erkennen. Wo Leone ein spannendes Wechselspiel inszeniert, bleibt Mulargias Film eine bloße Konfrontation dreier Parteien – ein Verbünden mit- oder gar Ausspielen gegeneinander ist kaum auszumachen. Und auch die eigenständigen Elemente, die Musolino und Piccioni ins Drehbuch geschrieben haben, vermögen an diesem Umstand etwas zu ändern. Weder der vorgebliche Spirituosenhändler Clinton, der am Ende auch für den höchst mäßigen Finaltwist verantwortlich zeichnet, noch der kleine Manuel, der immer wieder das Herz des beinharten Django/Cjamango zu erweichen vermag, verleihen der Geschichte den entscheidenden Drive – aber immerhin ermöglichen es diese beiden Figuren, mit Muskelmensch Mickey Hargitay, der zuvor schon in DIE LIEBESNÄCHTE DES HERKULES (1960) oder SCARLETTO – SCHLOß DES BLUTES (1965) auftrumpfte, und dem 9-jährigen Valerio „Giusva“ Fioravanti, der nach kurzer Schauspielkarriere im rechtsterroristischen Untergrund vergehen sollte, zwei interessante Darsteller zu besetzen.

Doch auch Ivan Rassimov, der hier nach dem Mitwirken in Mario Bavas PLANET DER VAMPIRE (1965) sein Westerndebüt gibt, macht seine Sache als Django sehr ordentlich. Zupass kommen ihm dabei sicherlich die großartig miesen Widersacher El Tigre und Don Pablo, die von den beiden italienischen Genrefilmgrößen Piero Lulli und Livio Lorenzon mehr als nur gelungen dargestellt werden. Abgerundet wird das Aufgebot durch die ebenfalls Genre-erfahrene Französin Hélène Chanel, der hier als Pearl Hernandez die Rolle zukommt, eine starke Frauenfigur inmitten all der Haudegen abzugeben.

Django: Kann ich bei dir was zu essen kriegen?
Sancho: Aber gern. Ich habe eine herrliche Bohnensuppe heute, ganz dick eingekocht.
Django: Lieber nicht, ich hab die dünnen, abgewetzten Hosen an.

Und es bleibt nicht nur die Besetzung, die dem inhaltlich etwas mauen Film Kontur verleiht. Mulargia inszeniert über weite Strecken solide und Kameramann Vitaliano Natalucci fängt die Sets immer wieder gelungen ein. Leider wurde kaum in tatsächlicher Landschaft gedreht, sondern fast ausschließlich in Cinecittà, aber Natalucci geht mit den bisweilen etwas artifiziell anmutenden Bauten geschickt um. Felice De Stefano unterlegt das Ganze dann noch mit einem stimmigen bis schmalzigen Soundtrack und wie so oft ließen sich die deutschen Verleiher nicht lumpen und schenkten der deutschen Verleihfassung eine Synchronisation aus dem Hause Rainer Brandt. Diese fällt jedoch recht gediegen aus, sodass der Streifen mitnichten zum bloßen Kalauer-Klopper verkommt.

Obwohl es Edoardo Mulargia nicht gelingt, bei den großen Vorbildern so geschickt zu klauen, dass sein Werk ebenfalls vorbehaltlos zu überzeugen vermag, gelingt ihm doch, einen sauber inszenierten und vor allem trefflich besetzten Italowestern abzuliefern, der Genrefreuden ohne weiteres einen unterhaltsamen Abend beschert.

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