GERN HAB ICH DIE FRAUEN GEKILLT

Gern hab ich die Frauen gekillt
Le carnaval des barbouzes | Frankreich/Italien/Österreich | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ein Einbrecher bemächtigt sich Professor Aldens (Richard Münch), doch da eine Flucht erst am nächsten Morgen sinnvoll erscheint, müssen die beiden die Nacht wachend verbringen. Im Zuge dieser skurrilen Konstellation erzählt Alden drei Geschichte von verschiedenen Agenten, die Abenteuer auf der ganzen Welt erleben.

Pierre Brice, Lex Barker, Karin Dor, Stewart Granger. All diese Personen waren ab dem Anfang der 60er Jahre in den diversen KARL MAY-Verfilmungen präsent und brachten es (spätestens) so zu großer Bekanntheit im Kinogewerbe. Eine Zusammenführung in einem Film – der aktuellen Mode folgend natürlich einer kriminalistischer Natur – erschien dem österreichischen Produzenten Karl Spiehs dementsprechend folgerichtig. Die Verbindung sollte allerdings nur partiell gelingen, stellt GERN HAB ICH DIE FRAUEN GEKILLT doch einen Episodenfilm dar, der die drei oben genannten Herren in drei verschiedenen Episoden auftreten lässt. Ersonnen hat das ein Team aus Drehbuchautoren, darunter auch der deutsche Exploitation-Fachmann Rolf Olsen oder die italienische Autorenlegende Ernesto Gastaldi.

Brad: Woher wissen Sie eigentlich, dass es Barmädchen sind?
Cassidy: Ich kenne alle Barmädchen in der Stadt soweit sie es wert sind.

In der ersten Episode darf Stewart Granger als Privatdetektiv einen Mord an einem Kriminellen aufklären. Er durchforstet dazu die Wiener Unterwelt und trifft auf Robert Favart als Sergej oder den guten alten Herbert Fux. Die Geschichte überzeugt vor allem durch die stimmigen Bilder von Wiener Gassen und einige pointierte Dialoge. Der US-Amerikaner Sheldon Reynolds lässt hier durchaus größere Regie-Kompetenzen erahnen, als es seine ansonsten fast ausschließlich auf das Fernsehen fixierte Karriere vermuten lässt.

Und wo Grangers Auftritt schon das ein oder andere Augenzwinkern erahnen lässt, trumpft die zweite Episode vollends auf. Unter der Regie von Alberto Cardone, der neben zahlreichen Regieassistenzen im gleichen Jahr auch den Klassiker SARTANA (1966) abliefern sollte, wird Pierre Brice hier als Agent Brice zu einer tollen Persiflage stereotyper Agentenfiguren. Neben Brice‘ gelungenem Spiel sind es vor allem die ironischen bis zynischen Off-Kommentare, die diese Episode zum Glanzstück des Films machen. Sämtliche Klischees des Genres werden gekonnt persifliert und obendrein gibt es auch noch einen Folterkeller und Flakgeschütze in Heuballenattrappen zu sehen. Darüber hinaus funktioniert auch die tolle Margaret Lee, die in Streifen wie MARRAKESCH (1966) oder dem großartigen UNSER MANN IN RIO (1966) gerade einschlägige Genreerfahrungen sammelte, als Reminiszenz an alle Doppelagentinnen ebenfalls erstklassig.

Erzähler: Von einem Agenten wird nahezu Unmenschliches verlangt – zum Beispiel gesunder Menschenverstand.

Die dritte Episode unter Regie des Engländers Robert Lynn, seines Zeichens ebenfalls ein äußerst renommierter Second Unit Director, führt dann Lex Barker und Klaus Kinski ins Rennen, fällt jedoch im Gegensatz zu den beiden ersten etwas ab. Dafür gibt es aber einige tolle Aufnahmen von Rio (inklusive Helikopterflug) zu sehen. Und am Ende der Episode schließt sich die Rahmenhandlung noch mit einem netten, wenn nicht ganz logischen Twist.
Da  alle Episoden schmissige Musik und eine flotte Inszenierung aufweisen, kommt nie Langeweile auf, auch wenn das Ende wie erwähnt etwas hinkt. Als augenzwinkerndes Häppchen zwischendurch funktioniert der Film aber allemal und die zahlreichen bekannten Gesichter erfreuen darüber hinaus. Für Freunde des Genre somit eine nette Abwechslung.

Auch wenn nicht alle Episoden gleichermaßen unterhalten, so funktioniert der Streifen als Gesamtwerk trotzdem. Neben zahlreichen bekannten Mimen ist vor allem die zweite Episode eine wirklich gelungene Genreparodie, die bei Fans des Eurospy-Kinos für das ein oder andere Grinsen sorgen dürfte.

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