FAHRSTUHL DES GRAUENS

Fahrstuhl des Grauens
De Lift | Niederlande | 1983
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nach einigen irritierenden Unfällen im Fahrstuhl eines Hochhauses wird der Liftmechaniker Felix Adelaar (Huub Stapel) hinzugezogen. Doch kurz nach dessen Überprüfung kommt er erneut zu Todesfällen im Aufzug. Zusammen mit der Reporterin Mieke (Willeke van Ammelrooy) macht sich Felix daran, die Machenschaften jener Firma aufzudecken, die die Fahrstühle mit der Steuerelektronik versorgt; und stößt dabei auf ein unglaubliches Geheimnis …

Nach diversen Fingerübungen in Form von Kurzfilmen sollte der niederländische Regisseur Dick Maas 1983 zu seinem Spielfilmdebüt kommen. Von Matthijs van Heijningen mit rund 350.000 US-Dollar ausgestattet, konnte es – den Sujets seiner frühen Kurzwerke folgend – nur ein Horrorfilm werden, der dem Namen Maas größere Bekanntheit verschaffen sollte. Und da gute Horrorfilme (fast) nie als Selbstzweck funktionieren, sondern stets einer zweiten Ebene bedürfen, baute auch Maas eine solche in das von ihm persönlich verfasste Skript ein; und was böte sich da zu Beginn der 80er Jahre besser an, als Kritik an der stetig fortschreitenden Übernahme mechanischer oder menschlicher Belange durch den Siegeszug der Elektronik?

Felix: Der Lift macht Sachen, die er gar nicht machen dürfte.
Mieke: Das mache ich auch gelegentlich …

Konkretisiert wird das in Form eines Fahrstuhls, der hier ein mörderisches Eigenleben entwickelt. Der Ursprung desselben wird lange nicht – und letztlich höchst eigenwillig – erklärt, tut aber letztlich auch gar nichts zur Sache. Ob nun Blitz, Zufall oder verdrehte Forschergedanken, letztlich ist das Warum weniger wichtig als das Wie. Dementsprechend lässt sich Maas allerlei skurrile Attacken des vertikalen Beförderungsmittels einfallen, die allenthalben einfallsreich und gekonnt dargeboten werden. Grundsätzlich zählen die Einstellungen in der Nähe des Gefährts deshalb zu den Stärken des Films, nicht nur wegen ihrer schönen Bild- und Farbgestaltung.

Dazwischen entfaltet sich eine wenig treibende Geschichte um jenen Liftmechaniker, der hier als letzte Verteidigungslinie gegen den elektronischen Wahnsinn antritt. Leider bleibt die Geschichte um verrückte Wissenschaftler und die zerrütteten Familienverhältnisse Felix‘ aber höchst blass, sodass die Zuschauenden so manches Mal die nächste Elevator-Einstellung herbeisehnen. Denn die Kriminalgeschichte mitsamt ihrer blassen Kritik am unreflektierten Umgang mit Technologie bleibt über weite Strecken des Films schlicht zu fad. Daran kann auch der engagierte Huub Stapel nichts ändern, der hier mit Willeke van Ammelrooy eine taffe Partnerin zur Seite gestellt bekommen hat.

Saskia: Bei Tisch wird nicht gelesen, das kannst du in der Schule tun.
Sohn: Aber Papi liest doch auch.
Saskia: Der geht auch nicht mehr zur Schule!

Letztlich reichen das originelle Setting und die einfallsreichen Meucheleien dann aber doch aus, um Maas‘ Debüt zu einem irgendwie unterhaltsamen Werk werden zu lassen. Die gelegentlichen Längen werden immer gerade rechtzeitig von etwas Neonlicht und Kunstblut abgelöst und hier und da erkennt man bereits jene Handschrift, die einige Jahre später in Form von EINE FAMILIE ZUM KNUTSCHEN (1986) und VERFLUCHTES AMSTERDAM (1988) ihre Vollendung erfahren sollte.

Netter kleiner Horrorstreifen, der zwar sowohl seine Kriminalgeschichte als auch seine Technologiekritik allzu blass darbietet, dafür aber mit ebenso schön gestalteten wie inszenierten Mordszenen rund um das namensgebende Beförderungsmittel aufwarten kann.

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2 Antworten zu “FAHRSTUHL DES GRAUENS

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