DER CITY HAI

Der City Hai
Raw Deal | USA | 1986
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Ex-FBI-Agent Mark Kaminsky (Arnold Schwarzenegger) lebt als Kleinstadtsheriff ein beschauliches Leben. Doch als Gangster den Sohn seines alten Freundes Harry (Darren McGavin) umbringen, muss Kaminsky noch mal ran. Er wird in die Organisation des zwielichtigen Luigi Patrovita (Sam Wanamaker) und dessen rechter Hand Paulo Rocca (Paul Shenar) eingeschleust, um den Urheber des feigen Mordes dingfest zu machen.

Regisseur John Irvin verbrachte die gesamten 60er Jahre mit der Herstellung diverser Dokumentarfilme (der Kurzfilm MAFIA NO! (1967) sollte ihm sogar eine Nominierung für einen Academy Award einbringen), bevor er ab den frühen 70er Jahren auch Spielfilme realisierte. Sein größter Wurf sollte die Frederick Forsyth-Verfilmung DIE HUNDE DES KRIEGES (1980) werden, bevor er Mitte der 80er Jahre den italienischen Erfolgsproduzenten Dino De Laurentiis traf, Der dem jungen Arnold Schwarzenegger gerade per CONAN – DER BARBAR (1982) und CONAN – DER ZERSTÖRER (1984) zu massivem Ruhm verholfen hatte. Camerons TERMINATOR (1984) brachte den Österreicher schließlich an die Weltspitze und De Laurenttis plante weitere Conan-Filme. Da man aber auch kleine Summe nie verschmäht, erklärte sich De Laurenttis trotzdem bereit, seinen Star in einem vergleichsweise kleinen Streifen mitwirken zu lassen – quasi als Zwischeneinkunft. Die namhaften italienischen Autoren Luciano Vincenzoni und Sergio Donati hatten zusammen mit den US-Amerikanern Gary DeVore und dem ebenso genialen wie tragischen Norman Wexler ein Skript verfasst, welches zwar nicht dazu beitragen sollte, die Figur Schwarzenegger weiter auszuformen, sich allerdings schamlos ihrer vordergründigsten Merkmale bediente.

Typ: Was kann ich für Sie tun?
Kaminsky: Ich will Mr. Rocca einen Augenblick sprechen.
Typ: Das ist nicht möglich.
Kaminsky: Sagen Sie ihm, ich bin der derjenige, der Lamanski in den Arsch tritt!

Arnold tritt hier als stereotyper Ex-FBI-Agent Kaminsky auf, dessen Charakterzüge allerdings zu keiner Zeit stimmig gezeichnet werden. Anfangs noch mitfühlender Ehemann und gerechter Gesetzeshüter, meuchelt er schon Minuten später (nachdem er mal eben irgendeine Fabrik in dem Bestreben gesprengt hat, seinen eigenen Tod vorzutäuschen), Dutzende von Widersacher mit einem schiefen Lächeln dahin. In weiteren Verlauf folgt man einem miesen Law-and-Order-Typen, dessen flotte Oneliner nur teilweise über sein unsympathisches und reaktionäres Auftreten hinwegtäuschen können. Immerhin gelingt es Irvin, die Action brachial genug zu inszenieren, um die inkonsequente Charakterzeichnung überwiegend vergessen zu machen.

Denn die zahlreichen Baller- und Kloppereien kommen allesamt angenehm physisch daher und übertragen einiges an Wucht auf den Zuschauer. Nachvollziehbar blutige Einschüsse, kräftige Hiebe, allerlei Kleinholz; so lässt sich Actionkino schon ganz gut genießen. Dazu gibt es eine schöne Reminiszenz an Arnies Vorgängerwerk PHANTOM KOMMANDO, in der mal wieder allerlei Waffen startklar gemacht werden. In Verbindung mit dem treibenden Metal-Soundtrack gibt es am vordergründigen Unterhaltungswert des Films kaum etwas auszusetzen – Interesse an Entsprechendem vorausgesetzt.

Max: Ich bin der Beste, den er kriegen kann.
Kaminsky: Max, wenn Sie sich für den Besten halten, dann wäre das Rad nie erfunden worden.

Etwas irritierend kommt Kaminskys Beziehung zur von Kathryn Harrold gegebenen Monique daher, mag das ganze Freundschafts-Geschwafel doch so gar nicht zum toughen Draufgänger passen. Sam Wanamaker und Paul Shenar liefern als Patrovita und Rocca absolute Durchschnittskost ab, während Robert Davi als Max den vollendeten Unsympath mimen darf. US-Altstar Darren McGavin bleibt als väterlicher Freund Harry völlig im Hintergrund, was die grenzenlos kitschige Schlussszene umso unmöglicher macht. Die bereits erwähnt inkonsistente Charakterzeichnung findet hier ihren absurden Höhepunkt.
So ist es letztlich wenig verwunderlich, dass DER CIYT HAI lediglich eine Randnotiz im Schaffen Schwarzeneggers darstellt. Umgeben von Meisterwerken wie CONAN – DER BARBAR (1982), TERMINATOR (1984), PREDATOR (1987) oder DIE TOTALE ERINNERUNG – TOTAL RECALL (1990) bleibt für diesen zwar durchaus unterhaltsamen aber letztlich völlig belanglosen Actionstreifen einfach kein Platz. Und wenn schon hirnloses Arnie-Geballer, dann doch lieber PHANTOM KOMMANDO

Obwohl der Film durchaus seine Momente hat, geht er schlicht und einfach zwischen all den Meisterwerken in Schwarzeneggers (Früh-)Werk unter. Zudem raubt der Law-and-Order-Unterton dem Film einiges an Sympathiepunkten.

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Eine Antwort zu “DER CITY HAI

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