VERFLUCHTES AMSTERDAM

Verfluchtes Amsterdam
Amsterdamned | Niederlande | 1988
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ein maskierter Mörder terrorisiert Amsterdam: Er taucht durch die Grachten und meuchelt allerlei Unschuldige. Bulle Eric Visser (Huub Stapel) versucht das Rätsel mit seinem Kollegen John (Wim Zomer) zu lösen, verliebt sich jedoch in Taucherin Laura (Monique van de Ven), die schon bald zum Ziel des Mörders wird …

Nach seinem augenzwinkernden Horror-Debüt FAHRSTUHL DES GRAUENS (1983) und seiner von Laurens Geels produzierten epochalen Sozialparodie EINE FAMILIE ZUM KNUTSCHEN (1986) ging der niederländische Regisseur Dick Maas zusammen mit Geels 1988 daran, die niederländische Hauptstadt zum Schauplatz einer weiteren, der Konzeption seines Debüts grob folgenden Mixtur aus Horror und Augenzwinkern zu machen. Natürlich schrieb er das Skript auch wieder selbst und ließ sich dabei nicht unerheblich von all den Slashern inspirieren, die Mitte der 80er Jahre die Kinos überschwemmten. Mörder aller Arten kreuchten in jenen Tagen durch Wälder, Häuser und auch (Groß-)Städte und was läge da näher, als auch einen jener Unholde durch die weltberühmten Grachten Amsterdams tauchen zu lassen?

Bürgermeister: Die Grachten wurden vom Sperrmüll befreit, jetzt sind die voller Leichen.

Und tatsächlich gelingt es Maas von Beginn an, dieses Konzept spannend und ernsthaft darzubieten. Mit einer ebenso einfallsreichen wie spannenden Inszenierung lässt Maas zu keinem Zeitpunkt zu, dass der Film ins Alberne abdriftet; wohl aber erlaubt er ihm immer wieder, dem Slasherfilm mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Klassische Genremotive werden gekonnt auf die Schüppe genommen, die Szene, in der die Leiche einer Dame ein Ausflugboot verunstaltet, gelangte über den Film hinaus zu Bekanntheit. Aber auch die Reminiszenz an NIGHTMARE – MÖRDERISCHE TRÄUME (1984), in der die Klinge diesmal nicht aus der Badewanne kommt, sondern ein Plastikbötchen durchstößt, belegt die zahlreichen Anspielungen des Films überdeutlich.
Dass der Film aber nie zu einer platten Anekdotensammlung verkommt ist dem Umstand zu verdanken, dass mit Huub Stapel ein ernsthaft agierender Hauptcharakter in eine ordentliche Ermittlungsstory geschmissen wird. Zwar bedient sich auch die Kriminalgeschichte der üblichen Mechanismen, aber der bärbeißige Stapel, mit dem Maas bereits bei seinen zwei vorherigen Werken zusammenarbeitete, präsentiert den stereotypen Bullen Eric Visser hier angenehm ungezwungen. Und genau deshalb bleibt die Hatz nach dem Verbrecher (die zudem mal wieder maßgeblich von den von Maas selber komponierten Sounds getragen wird), trotz wenig wirklich aktiver Momente der Protagonisten, stets flott und unterhaltsam.

Neben Stapel gibt es mit Monique van de Ven jene Dame zu sehen, die bereits 1973 in Paul Verhoevens Frühwerk TÜRKISCHE FRÜCHTE mit von der Partie war. Als Laura überzeugt sie allenthalben, ohne sich zu sehr in die Rolle der damsel in distress zu ergeben; ganz im Gegenteil darf sie am Ende sogar selber per Paddelattacke für Ruhe im Karton sorgen. Klasse auch Serge-Henri Valcke, der hier als Bullenoberhaupt Vermeer das krasse Gegenteil seiner Darbietung in EINE FAMILIE ZUM KNUTSCHEN, wo er den planlosen Sozialarbeiter gab, zeigt. Hidde Maas als heilloser Unsympath Ruysdael und Wim Zomer als ordentlicher Sidekickbuddy John runden den gelungenen Cast ab.

Typ: Ich dachte, Polizeibeamte dürfen im Dienst nicht trinken?
Eric: Ich war noch nie ein guter Beamter.

Und diese Besetzung schickt Maas dann in allerlei Situationen hinein, die dem Teilaspekt des Streifens, ein Horrorfilm zu sein, überaus gerecht werden. Spannend inszenierte Szenen enden immer wieder mit expliziten Brutalitäten, welche dann sogleich wieder ironisch gebrochen werden. Diverse abgetrennte Gliedmaßen und Verletzungen erfreuen die Augen von Effektfreunden und stellen den humorvollen Szenen angenehm ernsthafte Momente gegenüber. Darüber hinaus sorgt die an Geoffrey Reeves DIE RATTEN VON AMSTERDAM (1971) angelehnte Bootverfolgungsjagd trotz ihrer auffälligen Länge für viel Freude. Das Ende stellt dann einen ebenso sinnfreien wie konsequent augenzwinkernden Abschluss des Streifens dar.
Und dass bis zum Abspann vor allem beste Unterhaltung geboten wird, sahen auch die meisten Kinobesucher so, denn bis heute ist VERFLUCHTES AMSTERDAM einer der erfolgreichsten niederländischen Filme überhaupt. Maas und Stapel erlebten in jenen Tagen folglich auch die Höhepunkte ihrer Karrieren und für beiden sollte es 1992 dann über den großen Teich gehen, um in New York für EINE FAMILIE ZUM KNUTSCHEN IN MANHATTAN zu drehen.

Flott, abwechslungsreich und stets mit einem Augenzwinkern versehen: Maas‘ humorvoller Horrorkrimi macht alles richtig und zählt so zu den ganz großen Klassikern des modernen niederländischen Kinos. Amsterdamned!

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Eine Antwort zu “VERFLUCHTES AMSTERDAM

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