FREIBEUTER DER MEERE

Freibeuter der Meere
Il corsaro nero | Italien/Spanien | 1971
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der berühmte Pirat Blackie (Terence Hill) will zusammen mit seinem frisch gewonnenen Kumpanen Don Pedro (George Martin) eine riesige Menge spanisches Gold in seinen Besitz bringen. Dazu bringt er unter anderem Isabella (Silvia Monti), die Frau des spanischen Vizekönigs, in seine Gewalt, muss sich jedoch ebenso schnell der drei Piraten Skull (Bud Spencer), Montbarque (Luciano Pigozzi) und De Lussac (Carlo Reali) erwehren.

Noch während Produzent Roberto Palaggi und Regisseur Enzo Barboni an VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA (1971), der Fortsetzung des Riesenerfolgs DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS (1971) arbeiteten, gingen der Produzent Gabriele Silvestri, der unter anderem an Luchino Viscontis SEHNSUCHT (1954) beteiligt gewesen war, und der Regisseur und Drehbuchautor Lorenzo Gicca Palli, der unter anderem an den Büchern zu Mario Bavas DER RITT NACH ALAMO (1964) oder Maurizio Lucidis wenig rühmlichem Zusammenschnitt DIE HERAUSFORDERUNG DES HERKULES (1965) mitgewirkt hatte, daran, das seit kurzem für Prügel und Kurzweil bekannte Duo in ein Piratenabenteuer zu führen. Und das, obwohl jüngeren italienischen Produktionen wie Luigi Capuanos DER ABENTEURER VON TORTUGA (1965) oder Antonio Mollicas DER GRÖßTE ALLER FREIBEUTER (1970) kein allzu großer Erfolg beschieden gewesen war und Sergio Sollimas überaus gelungener DER SCHWARZE KORSAR (1976) noch etwas auf sich warten lassen sollte.

Don Pedro: Das ist absolut seriös. Wir sind anständige Piraten!

Und tatsächlich schafft es das von Palli unter Mitarbeit von Darsteller George Martin geschaffene Drehbuch auch von Beginn an kaum, dem Genre neue Impulse zu verleihen. Trotzdem entfaltet sich die altbekannte Geschichte um goldjagende Piraten recht gefällig, größere Längen treten kaum auf. Hauptverantwortlich dafür ist neben der durchaus soliden Inszenierungsarbeit Pallis vor allem die tolle Ausstattung, die der Film allenthalben aufbietet. Sowohl die diversen Kostüme als auch Setbauten sehen klasse aus, die Mixtur aus Farbenpracht und Realismus überzeugt stets. Auch die Aufnahmen von und auf den unterschiedlichen Wasserfahrzeugen wissen durchweg zu gefallen, sodass es vor allem diese Schauwerte sind, die dem Streifen sein Kurzweil verleihen.

Die zweite Stärke des Streifens ist dann zweifelsohne seine Besetzung. Terence Hill und Bud Spencer treten hier entgegen ihrer Etablierung als vollkommene Widersacher auf, was wiederum zu einigen überaus stimmigen und atmosphärischen Dialogen führt. Italowestern-Recke George Martin steht etwas hinter Hill, der mit Abstand die meiste Screentime erhält, zurück, ist in den entscheidenden Momenten jedoch gewohnt stark zur Stelle. Silvia Monti als stolze Isabella und Diana Lorys als resolute Wirtin Manuela bieten zwei angenehm starke weibliche Rollen auf, während Luciano Pigozzi und Carlo Reali als Montbarque und De Lussac für etwas klassisches Freibeuterflair sorgen. Und wem das noch nicht reicht, der darf auch noch dem Stuntfachmann Salvatore Borghese beim Herumhampeln zusehen.

Vizekönig: Bevor du stirbst: Sag mir, was zwischen dir und Isabella gewesen ist.
Blackie: Nur ein paar nette Stunden …

Das alles macht FREIBEUTER DER MEERE zwar nicht zu einem großen Wurf, sorgt aber allemal für ordentliche Unterhaltung. Es dürfte letztlich der geringe Anteil an Prügel- und Sprücheklopferei sein, der den Film zu einer Randnotiz der Spencer/Hill-Filmographie macht. Wer jedoch Interesse an solider Piratenunterhaltung hat, der kann sich dieses etwas ungewöhnliche Werk der beiden Herren bedenkenlos zu Gemüte führen.

Abseits der üblichen Spencer/Hill-Strukturen bietet Pallis Beitrag zum Piratenfilm durchaus ordentliche Unterhaltung; auch wenn diese sich eher aus der tollen Ausstattung und den engagierten Darstellern speist als aus einer innovativen Geschichte.

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2 Antworten zu “FREIBEUTER DER MEERE

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