GRIZZLY

Grizzly
Grizzly | USA | 1976
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ein riesiger Grizzlybär tötet mehrere Besucher eines US-amerikanischen Nationalparks. Parkranger Michael Kelly (Christopher George) stellt sich dem Ungetüm gegenüber, wird dabei jedoch von Parkmanager Charley Kittridge (Joe Dorsey) torpediert, der ein paar besoffene Hobbyjäger anheuert, um den Bären zu erledigen. Ganz zum Unmut von Arthur Scott, einem naturverbundenen Verhaltensforscher, der Kelly und dessen Kumpel Don Stober (Andrew Prine) bei der Suche nach dem Bären unterstützt.

Nach Steven Spielbergs DER WEißE HAI (1975) wollte auch der Produzent Edward L. Montoro vom aufkommenden Tierhorror-Boom profitieren. Zuvor hatte er ein paar italienische Produktionen angeleiert, darunter HÜGEL DER BLUTIGEN STIEFEL (1969), DAS NACKTE CELLO (1971) oder DER CLAN DER KILLER (1973), nun sollte also eine waschechte US-Produktion anstehen. Gleichzeitig war klar, dass das Unternehmen kostengünstig vonstatten würde gehen müssen, insgesamt standen nur rund 750.000 US-Dollar zur Verfügung. Die Autoren David Sheldon, der in zuarbeitender Funktion an Genre-Perlen wie BLACULA (1972), DER MAFIABOSS – SIE TÖTEN WIE SCHAKALE (1972), FRAUEN IN KETTEN (1973) oder DER PATE VON HARLEM (1973) beteiligt war, und Harvey Flaxman schrieben dann ein Skript, welches gar nicht erst versucht, den Einfluss des großes Vorbilds zu leugnen. Viel mehr werden die bekannten Konzepte und Versatzstücke von Spielbergs Welterfolg hier weitgehend beibehalten; lediglich das Setting wechselt von der Küste in die Backwoods.

Allison: Ich werde euch begleiten.
Kelly: Da draußen geht’s zu wie auf’m Schlachtfeld, das wär‘ zu viel für dich!
Allison: Glaubst du?
Kelly: Na schön, dann wär’s vielleicht für mich zu viel.
Allison: Ich geh dir ja aus dem Weg …

Mit der Umsetzung wurde dann Regisseur William Girdler beauftragt, der mit Streifen wie THREE ON A MEATHOOK (1972), ASYLUM OF SATAN (1972) oder ABBY (1974) bereits belegt hatte, dass er mit kostengünstigen Genreproduktionen umzugehen vermag. Dass dabei in der Regel keine innovativen Wunderwerke herauskommen belegt zwar auch GRIZZLY, aber eine solide Inszenierung der bekannten Elemente kann man Girdler keineswegs absprechen. Er macht aus den überschaubaren Ressourcen das Möglichste, an der fehlenden Interaktion zwischen Bär und Protagonisten kann er aber leider auch nicht ändern. Da eine bereits angefertigte animatronische Bärenattrappe nicht den Ansprüchen der Produzenten genügte, muss Girdler leider auf den Trick zurückgreifen, den echten Bär und die (ebenfalls echten) Darsteller abwechselnd in unterschiedlichen Aufnahmen zu zeigen. Das raubt dem Film freilich ein wenig Intensität und Unmittelbarkeit, ist letzten Endes aber zu verkraften – vor allem, weil sämtlich Übergriffe des Bären in äußerst blutigen Darstellungen münden. Auch wenn es nur eine Fellpranke ist, die die Darsteller letztlich trifft, sorgt diese für massig Leichen und Verstümmelungen. Dass sogar der kleine Bobby ein Bein lassen muss unterstreicht noch einmal die bereits erwähnte Fähigkeit Girdlers, günstige Produktionen mit entsprechenden Schauwerten zu versehen.

In der Hauptrolle gibt es mit Christopher George einen echten Genrefachmann zu sehen, der in den nächsten Jahren per DER EXTERMINATOR (1980) und EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980) zu großem Ruhm kommen sollte. Sein Ranger Michael Kelly erfüllt als stereotyper Waldbursche (der selbstverständlichen sämtlichen Reichtum für ein Leben in der Wildnis aufgegeben hat) ihren Zweck, Joan McCalls Darbietung als Love-Interest Allison Corwin gelingt das hingegen eher nicht. Andrew Prine bleibt als Kumpel Don erstaunlich blass, Richard Jaeckels Interpretation des Naturhippies Scotty krankt stellenweise an klischeehafter Überzeichnung. Die Leistung der Darsteller ist es also wahrlich nicht, die dem Film seinen immensen kommerziellen Erfolg bescherte.

Don: Hast du mal zehn Cent für mich? Ich will seine Mutter anrufen. Es interessiert mich, ob sie weiß, dass du hier draußen in den Wäldern rumkriechst, versuchst dich wie ein Bär zu benehmen, auf dem Boden rumschnüffelst und was weiß ich noch alles. Ich meine, hat sie eine Ahnung davon, dass ihr Junge hier im Wald mit einem entsetzenverbreitenden Supermonstrum Verstecken spielen will? Deine Mutter wär ein bisschen enttäuscht, fürchte ich.
Scotty: Wär möglich, aber nicht annährend so enttäuscht, wie sie gewesen wäre, wenn sie dich als Sohn gehabt hätte, Junge.

Viel mehr ist dieser schlicht und einfach darauf zurückzuführen, dass der Streifen eben den Nerv der Zeit traf. So spielte das Werk beim Tierhorror-hungrigen Publikum ein Vielfaches seines Budgets ein und avancierte zum erfolgreichen Independentfilm des Jahres 1976. Produzent Montoro und die Autoren Flaxman und Sheldon gerieten daraufhin in Streitigkeiten über die Verteilung der Beute und letztlich konnte erst ein Gericht für Ruhe sorgen. Wohl auch ein Grund dafür, dass trotz des Erfolgs jahrelang keine Fortsetzung folgte. Wirklich schlimm ist das aber letztlich auch nicht, denn einen tatsächlichen Grund für den finanziellen Erfolg des Films gibt es bei näherer Betrachtung eigentlich kaum.

Eher dröger Tierhorror-Durchschnitt, der aufgrund seiner wohlkalkulierten Produktionen zu einem großen finanziellen Erfolg wurde.

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