JIM CARROLL – IN DEN STRAßEN VON NEW YORK

Jim Carroll – In den Straßen von New York
The Basketball Diaries | USA | 1995
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Eigentlich ein aufstrebender junger Basketballspieler mit einem Stipendium für eine katholische Schule rutscht der junge Jim (Leonardo DiCaprio) zusammen mit seinen Freunden Mickey (Mark Wahlberg) und Pedro (James Madio) in einen tiefen Sumpf aus Drogen und Kriminalität. Unfähig, sich selbst aus dieser Situation zu befreien, verlieren die Kids schließlich Ausbildung, Obdach und jeglichen sozialen Halt.

Nachdem sich der US-amerikanische Regisseur Scott Kalvert vor allem mit der Herstellung von Musikvideos und Dokumentationen über Bands einen Namen gemacht hatte (unter anderen arbeitete er mit Guns N‘ Roses oder Cyndi Lauper zusammen), wagte er sich 1995 auch an den Regiestuhl eines Spielfilms heran. Chris Blackwell und Dan Genetti produzierten für Island Pictures gerade eine Verfilmung von Jim Carrolls Tagebuchnotizen namens The Basketball Diaries. Der TV-Autor Bryan Goluboff wurde mit der Verfassung eines Drehbuchs beauftragt und sah sich somit der nicht ganz einfachen Aufgabe gegenüber, die überaus fragmentarischen Notizen eines heroinabhängigen Jungen in den Lebensjahren 12 bis 16 in ein Spielfilmskript zu überführen.

Jim: Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug, wenn man jung ist und sich einen runterholt.

Und tatsächlich gelingt ebendas auch nur in Ansätzen. Goluboff baut die Struktur der Geschehnisse ähnlich episodisch auf, wie es die Vorlage tut, doch gelingt es trotz zahlreicher Voice-Overs und deutlich markierten Zeitsprüngen nur bedingt, die wirsche und zugleich stringente Form von Carrolls Werk einzufangen. Kalverts Inszenierung lässt seine Musikvideoherkunft darüber hinaus deutlich erkennen und so wirkt der Film häufig wie eine Aneinanderreihung einzelner Schnipsel. Auch ein sehr reduziertes Narrativum sorgt dafür, dass der Film per inhaltlichen Aspekten nur bedingt zu unterhalten vermag. Da ist es schon eher die sorgfältige Musikauswahl, die dafür sorgt, dass der Streifen es mitunter schafft, das Zeitkolorit der New Yorker 90er an seinen Zuschauer weiterzugeben.

Und so hätte der Streifen, dessen Drogengeschichte den einzig erwartbaren Ausgang erfährt, wahrscheinlich kaum größere Beachtung erringen können, wenn nicht der junge Leonardo DiCaprio hier gezeigt hätte, welch großes Schauspieltalent in ihm schlummert. Der 21-jährige mimt als Jim Carroll äußerst intensiv – auch wenn er dabei manches Mal die Grenze zur Übertreibung nur knapp verfehlt. Sowohl in guten wie in schlechten Zeiten nimmt man ihm den zerrütteten Jungspund ab, da verzeiht man die ein oder andere überzählige Heul- und Rotzszene gnädig. Daneben gibt auch Mark Wahlberg sein Debut in einer Hauptrolle und auch er überzeugt als Unsympath Mickey ohne weiteres. James Madio darf als Pedro seine Hispanic-Standardrolle bekleiden, während mit Bruno Kirby als Trainer Swifty ein durchaus renommierter Darsteller mitwirkt. Gleiches gilt für Juliette Lewis, die in jenen Tagen mit NATURAL BORN KILLERS (1994) und FROM DUSK TILL DAWN (1996) riesige Erfolge feiern konnte, hier jedoch nur in einer kleinen Nebenrolle auftritt.

Neutron: Früher wollten wir high sein und Basketball spielen, heute willst du nur noch high sein.

Der Streifen spielte mit knapp drei Millionen US-Dollar durchaus ordentlich ein, erhielt seinen großen Schub allerdings erst, nachdem Hauptdarsteller DiCaprio per ROMEO + JULIA (1996) und TITANIC (1997) zum Superstar und Mädchenschwarm avanciert war. Plötzlich war der Absturz des jungen Basketballers neues Futter für junge Mädels und deren Kinderzimmerwände. Und wenn man voraussetzen möchte, dass diese Anhimmelei der tollen schauspielerischen Leistung DiCaprios in diesem Frühwerk galt, dann hingen all die Bilder und Poster auch zu Recht an all diesen Wänden …

Inhaltlich wie formal äußerst durchschnittliches Werk, welches dank der außerordentlichen schauspielerischen Leistung DiCaprios allerdings seine Daseinsberechtigung erfährt. In seiner Funktion als Zeitkolorit der 90er Jahre in New York darüber hinaus durchaus brauchbar.

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