HÜGEL DER BLUTIGEN STIEFEL

Hügel der blutigen Stiefel
La collina degli stivali | Italien | 1969
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem Cat Stevens (Terence Hill) von einigen Halunken um den zwielichtigen Finch (Glauco Onorato) angeschossen wird, findet er bei den Zirkusleuten um Direktor Mamy (Lionel Strander) und Artist Thomas (Woody Strode) Unterschlupf. Doch als Thomas‘ Zögling Joe (Maurizio Manetti) von Finchs Leuten getötet wird, schwört dieser Rache. Zusammen mit Cat, der von den finsteren Machenschaft von Finchs Chef Honey Fisher (Victor Buono), der mit seiner Minengesellschaft redliche Schürfer terrorisiert, gehört hat, und dessen alten Kumpel Hutch Bessy (Bud Spencer) gedenkt Thomas dann, das Recht in die eigenen Hände zu nehmen.

Giuseppe Colizzis GOTT VERGIBT – DJANGO NIE! (1967) und VIER FÜR EIN AVE MARIA (1968) hatten den Grundstein für die Zusammenarbeit von Bud Spencer und Terence Hill gelegt; und da insbesondere VIER FÜR EIN AVE MARIA ein echter Kracher war, sollte 1969 gleich der nächste Auftritt der beiden Herren folgen. Und da man an bewährten Konzepten – aus rein ökonomischer Sicht – keine tiefgreifenden Änderungen vornehmen soll, legte Colizzi, der erneut als Regisseur und Drehbuchautor in Personalunion fungierte, den Film als abschließenden Teil der lose miteinander verbundenen Trilogie an. So treten Spencer und Hill erneut in den Rollen Hutch Bessy und Cat Stevens auf, auch wenn die Ereignisse des Vorgängers, von einigen kurzen Sequenzen während des Titels abgesehen, kaum eine Rolle spielen.
Tatsächlich rücken die beiden Hauptdarsteller über weite Strecken des Films sogar deutlich in den Hintergrund, es gibt mehrere Passagen des Films, in denen der Zuschauer lange Zeit ohne das Duo auskommen muss. Stattdessen treiben dann Zirkusdirektor Mamy, schmissig gegeben vom renommierten US-Darsteller Lionel Stander, und Artist Thomas die Handlung voran. Letzter ist mit Woody Strode ebenfalls namhaft besetzt, was dessen zurecht hohe Screentime erklärt. Und auch wenn man Eli Wallach nach seinem grandiosen Auftritt im Vorgänger hier und da vermissen mag, so bleibt die Ergänzung der Hauptfiguren um diese beiden doch erneut eine treffliche Entscheidung, die zudem dafür sorgt, dass der Film einige neue Impulse erhält.

Cat Stevens: Mach’s dir gemütlich und lass bloß die Pfoten von deinem Colt, sonst bist du ‘nen Sieb ohne zu merken, woher du die Löcher hast.

War es im Vorgänger noch das Casino-Setting, welches für Abwechslung in der Wüstenei sorgte, übernehmen nun Artisten und Narren das Zepter. Das Zirkus-Ambiente funktioniert erstaunlich gut und driftet – anders als etwa bei Giulio Petronis eher mäßigem AMIGOS (1968) – nie in übermäßige Albernheiten ab. Ganz im Gegenteil: In der zweiten Hälfte, wenn der Film seinen zugegebenermaßen etwas behäbigen Anfang hinter sich gebracht hat, dient die Manege als kongenial genutzter Raum für die Entlarvung des Bösewichts unter den Augen des Gesetzes. Das toll geschnittene Kabarett, welches die Machenschaften Fishers offenlegt, funktioniert prächtig, die Raketen, die für jeden getöteten Schürfer in den Zelthimmel geschossen werden, jagen einem Schauer über den Rücken. Colizzi zeigt hier zusammen mit Kameramann Marcello Masciocchi großes Können, was das Timing der Inszenierung anbelangt. Zusammen mit einigen zünftigen Klopper- und Schießereien sowie diversen wohlformulierten Dialogsequenzen entsteht so ein trotz der anfänglichen Längen höchst flotter und abwechslungsreicher Italowestern. Der Soundtrack von Carlo Rustichelli sorgt mit seiner Mixtur aus klassischen Westernklängen und jazzigen Zirkusnummern für eine passende Untermalung desselben.

Neben Spencer, Hill und Strode befindet sich auf Seiten der Guten auch noch George Eastman, der hier als grinsend-dümmlicher und taubstummer Babydoll allerdings eher am Rande bleibt. Auffälliger ist da schon Altstar Eduardo Ciannelli, der als Regierungsbeamter Moore hier das Gesetz verkörpert. Ihm gegenüber steht mit Victor Buono als Honey Fisher ein ordentlicher, wenn auch letztlich etwas blasser Antagonist. Die Stuntleute Alberto Dell’Acqua und Nazzareno Zamperla vervollständigen eine Besetzung, die bezüglich ihrer Weiblichkeit leider äußerst unauffällig ausfällt.
Das konnte die deutschen Verleiher allerdings nicht davon abhalten, auch diesen Streifen nach dem großen Durchbruch des Duos Spencer/Hill mit einer Comedy-Synchronisation zu versehen und ihn 1978 unter dem Titel Zwei hau’n auf den Putz erneut ins Kino zu bringen. Leider sorgte diese Maßnahme auch dafür, dass die Originalsynchronisation heute nicht mehr aufzutreiben ist, vermutlich wurden sämtliche Kopien bei der Wiederaufführung mit der neuen Tonspur ausgestattet. Immerhin schuf die DEFA 1983 eine eigene Synchro-Fassung für das DDR-Fernsehen, welche sich diversen Quellen zufolge eng an das Original von 1969 anlehnte. So ist es Fans auch heute noch möglich, den gelungenen Abschluss der frühen Italowestern-Trilogie der beiden späteren Klopperei-Heroen in seinem intendiert ernsten Duktus zu erleben – nur ein Jahr später sollte mit DIE RECHTE UND DIE LINKE HAND DES TEUFELS (1970) ja ohnehin Schluss mit der Ernsthaftigkeit sein.

Gelungener Abschluss der frühen Italowestern-Trilogie des berühmten Darstellerduos, der sich nach einem etwas behäbigen Start einem toll gespielten und inszenierten Finale entgegensteigert.

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3 Antworten zu “HÜGEL DER BLUTIGEN STIEFEL

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