DAS GEHEIMNIS DES DR. Z

Das Geheimnis des Dr. Z
Miss Muerte | Frankreich/Spanien | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem Dr. Zimmer (Antonio Jiménez Escribano) einen Mediziner-Kongress darüber in Kenntnis gesetzt hat, dass er mittels skurriler Techniken den menschlichen Geist zu beeinflussen vermag, schlägt ihm pures Entsetzen entgegen. In der Folge stirbt Zimmer an einem Herzinfarkt, beauftragt jedoch seine Tochter Irma (Mabel Karr) noch schnell mit der Fortführung seiner Geschäfte. Und diese nutzt die Technologie des Papa sogleich, um sich mittels der Nachtclubtänzerin Nadia (Estella Blain) an den diversen Widersachern ihres Vaters zu rächen. Der mit beiden Frauen bekannte Philippe (Fernando Montes) sucht das zu verhindern.

1965 fuhr der Spanier Jess Franco mit DR. ORLOFF’S MONSTER einen beachtlichen Erfolg ein und schon in den frühen Jahren seiner Karriere schlummerte in dem späteren Vielfilmer wohl jener Geist, der ihn eine rentable Idee stets mehrfach nutzen ließ. So ähnelt das zusammen mit Jean-Claude Carrière geschriebene Drehbuch zu DAS GEHEIMNIS DES DR. Z in seiner Grundkonzeption erstaunlich dem des kurz zuvor veröffentlichten Werkes (zu Beginn wird sogar direkt darauf Bezug genommen), es werden nur kleinere Modifikationen vorgenommen. Grundsätzlich bleibt es aber bei einer flotten Mischung aus Horror- und Krimifilm, die mit einigen phantastischen Elementen angereichert wird.
Die Storyline stellt sich dabei als überwiegend stimmig und einfallsreich heraus, die großen Logiklöcher, die spätere Produktionen Francos ja durchaus einmal aufweisen sollten, sucht man hier vergebens. Stattdessen wird die Geschichte im besten Sinne konventionell vorgetragen. Die Exkurse in Richtung Phantastik und Science-Fiction halten sich im engen Rahmen, die stereotype Mad Scientist-Behausung wird keineswegs ausgeschlachtet. Stattdessen überzeugt der Streifen mit abwechslungsreichen Settings und viel Bewegung.

Dr. Zimmer: In Zusammenarbeit mit meiner Tochter Irma ist es mir gelungen, die Zentren genau zu lokalisieren, die das seelische Verhalten des Menschen in jeder Hinsicht beeinflussen können. Damit ist es mir als praktisch möglich, operativ Einfluss auf den Charakter zu nehmen.

Obwohl der deutsche Verleihtitel anders suggerieren mag, haucht Antonio Jiménez Escribano sein Leben als Dr. Zimmer respektive Zarowski recht schnell aus und seine Tochter Irma, gegeben von Mabel Karr, übernimmt den Familienbetrieb. Die Argentinierin Karr, die neben diversen Genreproduktionen auch in Leones DER KOLOß VON RHODES (1961) mitwirkte, macht ihre Sache als tieftraurige Rächerin dann sehr gut, man nimmt ihr Schmerz und Wut jederzeit ab. Gleiches gilt für Estella Blain, die als flotte Nachtclubtänzerin Nadia des Zuschauers Sympathien auf sich vereint; Blains erster Auftritt als Miss Death genannte Tänzerin im Spinnennetz gehört übrigens zu den schönsten Szenen des Films. Fernando Montes bleibt als Philippe recht unbedeutend, da ist Genrefachmann Howard Vernon als erstes Opfer Dr. Vicas schon interessanter. Mit Marcelo Arroita-Jáuregui und Cris Huerta müssen noch zwei weitere spanische Genremimen dran glauben, das darstellerische Hauptaugenmerk liegt aber jederzeit auf den beiden Damen.

Und die profitieren darüber hinaus massiv von Francos souveräner Inszenierung und Alejandro Ulloas prächtiger Kameraarbeit. Die beiden, Ulloa sollte in gleichen Jahr ja auch seine große Karriere als Kameramann bei zahlreichen großartigen Italowestern beginnen, schaffen zusammen eine wundervoll düstere Atmosphäre voller Unbehagen und Zwielicht. Mittels starker Kontraste und einfallsreicher Perspektiven eröffnen sie dem Zuschauer einen spannenden und jederzeit abwechslungsreichen Blick auf die Rachegeschichte der Frau Zimmer/Zarowski. Das erwähnte Labor sieht klasse aus, die diversen Innen- und Außensets werden stimmig eingefangen und als Krönung gibt es eine geniale Verfolgungsjagd in den nebligen Gassen einer Altstadt.

Inspektor: Kommen Sie mit!
Philippe: Sagen Sie, muss das sein?
Inspektor: Wir wollen Sie zum Essen einladen.
Philippe: Achso …

DAS GEHEIMNIS DES DR. Z wird so zu einem wunderbaren Beleg für die verschiedenen Gesichter des Jess Franco. Im Gegensatz zu seinen späteren Werken, die aufgrund ihrer inflationären Produktion und ihren häufig geradezu metaphysisch-unzugänglichen Konzeptionen (manche Menschen mögen auch unfreundlichere Formulierungen finden) eine ebenso große Zahl an Freunden wie an Feinden haben, gibt dieses Frühwerk den Blick auf einen anderen Filmemacher frei: einen detailverliebten Handwerker, der es versteht, aus kleinen Geschichten heraus große Stimmungen zu erzeugen. Klasse!

Äußerst stimmiges Franco-Frühwerk, welches seine solide Story in wundervollen Bildern vorträgt. Dazu noch zwei tolle Hauptdarstellerinnen und fertig ist der höchst unterhaltsame Grusel-Krimi.

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