VERDAMMT IN GRÜNER HÖLLE

Verdammt in grüner Hölle
Terror in the Jungle | USA | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nach einem Flugzeugabsturz muss sich der kleine Henry Clayton Jr. (Jimmy Angle) selber durch den brasilianischen Regenwald schlagen. Sein Vater sucht zwar schon nach ihm, aber der Dschungel ist groß. Stattdessen landet Henry bei einer indigenen Bevölkerungsgruppe, welche den Kleinen wie einen Gott verehrt.

Der argentinische Produzent Enrique Torres Tudela produzierte Anfang der 60er Jahre einigte Folgen der argentinischen TV-Serie OBRAS MAESTRAS DEL TERROR, bevor er kurze Zeit später die Edgar Allan Poe-Verfilmung MASTER OF HORROR (1965) anleierte. Derart im Filmbusiness angekommen, sollte sein nächstes Projekt ein größeres werden und so engagierte Tudela den 29-jährigen Absolventen der UCLA, Tom DeSimone. Tudela begann zusammen mit seinem Kumpel Richard Ogilvie ein Skript zu verfassen, kam damit jedoch nicht so richtig vorwärts und schließlich begannen die Dreharbeiten zu den Prä-Dschungel-Sequenzen ohne ein fertiggestelltes Drehbuch.

Reporterin: Das Gericht hat Sie freigesprochen, jetzt können Sie mit der Wahrheit rausrücken!

Dafür gab es aber eine riesige Zahl an Darstellern, die jedoch durch die Bank über keinerlei Erfahrung verfügten. Bei den meisten gilt es gar zu bezweifeln, dass es sich um Mimen irgendeiner Art handelte, da quasi keiner der Beteiligten je in einem anderen Film zu sehen war. Dementsprechend fallen die Darbietungen dann auch aus, es handelt sich schlicht um ein Laientheater. DeSimone dirigiert selbiges dann durch eine Flugzeugattrappe und stellt den Betrachtern dabei knapp ein Dutzend Rollen vor – die samt und sämtlich nach zwanzig Minute sterben. Denn ein Flugzeugabsturz beendet das bis dato fröhliche Beisammensein abrupt. Und da DeSimone bis dahin bereits knappe 90 Minuten gedreht hatte, Tudela aber nur 20 davon verwenden wollte, verließ ersterer das Projekt noch vor dem Abflug der gesamten Crew in Richtung peruanischem Dschungel.

Stattdessen übernahm Kameramann Andrew Janczak die Geschicke hinter der Kamera und kam so zu seiner ersten und einzigen Regiearbeit. Es folgt eine unfassbar unzusammenhängende und sinnbefreite Aneinanderreihung von Urwald-Sequenzen, die mal den kleinen Henry, mal die indigene Bevölkerung (deren Tänze nicht ganz zufällig eher an US-amerikanische Nachtclubs denn an lateinamerikanische Urwälder erinnern) oder mal einen völlig unbekannten Herr mit Geldkoffer zeigen. Boten DeSimones Szenen wenigstens noch eine heillos-überzeichnete – und deshalb durchaus unterhaltsame – Katastrophensituation (die in ihrer kompletten Fassung eventuell sogar funktioniert hätte), so sorgt Janczaks Arbeit leider nur für gähnenden Langeweile. Da verwundert es kaum, dass auch er bei der Rückkehr nach Los Angeles von Bord ging und ein gewisser Alex Graton die finalen Aufnahmen rund um den Tempel in einem örtlichen Park runterkurbelte. Dass unter diesen Produktionsbedingungen kaum ein schlüssiges Gesamtwerk entstehen kann, muss nicht weiter ausgeführt werden.

Typ: Wenn etwas noch schlimmer ist als Pornografie, ist es schlecht geschriebene Pornografie.

Stattdessen bietet der Streifen eine skurrile Aneinanderreihung von wahnwitzigen Geschehnissen dar: Dem wilden Gezappel im Flugzeug folgt eine Sequenz, in der die Passagiere aus dem brennenden Flieger von Helfern in einen von Krokodilen bewohnten Tümpel gestoßen werden, wo sie ein erwartbares Schicksal ereilt. Ein kleiner Jungte überlebt, der nachher nicht nur zum Gott wird, sondern dessen Plüschtiger auch die Fähigkeit besitzt, kurzzeitig lebendig zu werden. Ein nicht näher benannter Mann schleppt einen Geldkoffer umher um dann von einem ebenfalls unbekannter Typen umgelegt zu werden und neben all diesem Nonsens findet ein missionarischer Pater seinen Glauben wieder. Letztlich bleibt der Streifen trotz einiger skurriler Momente eine überwiegend langweilige Angelegenheit, die ihren größten filmhistorischen Wert darin birgt, dass sie den Karrierebeginn des Schmuddel- und Pornofilmers Tom DeSimone darstellt – und wer trotzdem Interesse an der Kind-im-Dschungel-Thematik hat, der guckt sich besser EIN MÄDCHEN KÄMPFT SICH DURCH DIE GRÜNE HÖLLE (1974) an.

Recht öde Aneinanderreihung von uninspiriert gefilmten Katastrophen- und Abenteuerversatzstücken, deren Produktionsgeschichte deutlich interessanter ist als der Film selbst; vor allem, da Tom DeSimone hier seine ersten Schritte vollführte.

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