DIE MACHT DER FÜNF

Die Macht der Fünf
Force: Five | USA | 1981
IMDb, OFDb, Schnittberichte

William Stark (Michael Prince) will seine Tochter Cindy (Amanda Wyss) aus den Fängen des religiösen Fanatikers Reverend Rhee (Bong Soo Han), der vor allem am Geld seiner reichen Schützlinge interessiert ist, befreien. Dazu heuert er den Kampfsportfachmann Jim Martin (Joe Lewis) an, der flugs seine fünf besten Mitstreiter herbeizitiert und sich auf den Weg zur Insel macht.

Nachdem der US-amerikanische Regisseur Robert Clouse mit dem Bruce Lee-Klassiker DER MANN MIT DER TODESKRALLE (1973) einen riesigen Erfolg gefeiert hatte, war seine Marschrichtung für die nächsten Jahre praktisch vorgegeben. Neben dem Tierhorror-Streifen DIE MEUTE (1977) sowie dem Agentenfilmchen JAMES JR. SCHLÄGT ZU (1979) bedeutete das vor allem Kampfsport und Martial Arts. 1980 drehte er mit DIE GROßE KEILEREI einen der ersten in den USA produzierten Jackie Chan-Streifen, bevor er sich ein Jahr später dann inhaltlich wieder seinem großen Lee-Klassiker nähern sollte. Denn erneut schickt Clouse‘ Drehbuch, welches in Zusammenarbeit mit Stuntman Emil Farkes und Autorenneuling George Goldsmith, der drei Jahre später das Skript zu Fritz Kierschs KINDER DES ZORNS (1984) liefern sollte, eine Gruppe erfahrenen Kämpfer auf eine von einem moralischen Sumpf überzogene Insel.

Jim: Ich werde ihnen helfen.
Stark: Wie viele Männer würdest du brauchen? Er hat ein Wachpersonal von ungefähr 50 Mann.
Jim: Fünf!

Dieses Mal ist dafür Reverend Rhee verantwortlich, der vom nur in wenigen Filmen aufgetretenen Hapkido-Meister Bong Soo Han gegeben wird. Neben seinen Kampffertigkeiten ist der vor allem an der Mehrung seines weltlichen Besitzes interessiert, was all seine reichen Gläubigen jedoch nicht ahnen. Als rechte Hand fungiert Bon Schott als blonder Hüne Carl. Rhee und seine Mannen werden mittels einiger Grausamkeiten zügig charakterisiert und so sind die Rahmenbedingungen für die folgende Search-and-Rescue-Aktion schnell abgesteckt.

Die Bande der Heroen wird von Joe Lewis als Jim Martin angeführt. Der hatte kurz zuvor in JAGUAR LEBT (1979) sein Leinwanddebut gefeiert und verdingte sich ansonsten als American Kickboxing-Fachmensch. Das merkt man seiner Darbietung dann auch an, abgesehen von gekonnten körperlichen Zurschaustellungen gibt es nämlich nicht viel zu sehen. Aber zu Lewis‘ Glück besteht seine fünfköpfige Crew ebenfalls aus eher dem Sport denn der Schauspielerei zugeneigten Personen. Vor allem Benny Urquidez als Billy Ortega kann seinen Hintergrund als Kampfsportler kaum verhehlen, aber auch Sonny Barnes‘ Lockjaw befriedigt keinerlei darstellerischen Anspruch. Mit Richard Norton mischt dann immerhin ein bekanntes Genre-Gesicht in der Rolle des Ezekiel mit, während Noname Pam Huntington neben etwas Sexappeal noch einige ungelenke Tritte und Schläge austeilen darf. Ron Hayden verweist als verrückter Hubschrauberpilot Willard schließlich am deutlichsten darauf, dass die Truppe erstaunliche Ähnlichkeiten zum drei Jahre später aus der Taufe gehobenen A-TEAM aufweist. Wer weiß, was sich deren Schöpfer Stephen J. Cannell und Frank Lupo damals so im Kino (oder auf VHS) angesehen haben.

Stark: Wo hat man Sie bloß so schrecklich ramponiert, Becker?
Becker: Oh, beim Frühstück.

Leider gelingt es Clouse dann nur in Teilen, die grundsätzlich ordentlichen Grundlagen auch zu einem konsistenten Filmerlebnis zu verquicken. Während die Exposition, das Casting von Martins Truppe und die ersten Schritte auf Rhees Insel sich durchaus unterhaltsam anlassen, verfällt der Film ab der Halbzeit leider in eine gewisse Lethargie. Die sechs Protagonisten hampeln dann nämlich meist separiert voneinander über die Insel und kloppen sich mit diversen Schergen Rhees. Dank ordentlich choreografierter Kämpfe kann das zwar leidlich unterhalten, der rote Faden ist aber allzu häufig nur sehr schwierig zu erkennen. Dass manches Teammitglied quasi die gesamte Spielzeit im beschädigten Helikopter hockend verbringt, verstärkt den Eindruck, dass es Clouse, Farkes und Goldsmith nicht gelungen ist, alle sechs Protagonisten zu einer funktionierenden Einheit zu machen. Schade.

Goutierbares aber keineswegs überdurchschnittliches Martial Arts-Filmchen, welches mit schmissiger Musik, netten Charakteren und einem grundsätzlich belastbaren Story-Gerüst zwar alle nötigen Zutaten mitbringt, diese dann aber nicht zu einem stringenten Filmerlebnis zu verweben vermag. Für Genrefreunde sicherlich trotzdem ein ordentliches Kampfsport-Vehikel.

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