THE LOST BOYS

The Lost Boys
The Lost Boys | USA | 1987
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Die frisch geschiedene Lucy Emerson (Dianne Wiest) zieht mit ihren Söhnen Sam (Corey Haim) und Michael (Jason Patric) in das kalifornische Nest Santa Carla. Dort verliebt sich Michael schnell in die hübsche Star (Jami Gertz), ihres Zeichens Freundin des Gangleaders David (Kiefer Sutherland), der eine Jugendbande von Vampiren anführt. Da trifft es sich gut, dass Sam zeitgleich die Bekanntschaft der jugendlichen Vampirjäger Edgar (Corey Feldman) und Alan Frog (Jamison Newlander) gemacht hat. Zusammen versuchen Sam, Edgar und Alan, den bereits vampirierten Michael aus den Krallen der Blutsauger zu befreien.

Schon Tom Hollands FRIGHT NIGHT – DIE RABENSCHWARZE NACHT (1985) und Kathryn Bigelows NEAR DARK – DIE NACHT HAT IHREN PREIS (1987) hatten gekonnt belegt, dass eine Verquickung der klassischen Vampir-Thematiken mit den Formen und Ideen der 80er Jahre gut zu funktionieren vermochte. Also wollte auch Richard Donner, der zwei Jahre zuvor mit DIE GOONIES (1985) einen großen Hit gelandet hatte, dieser Konzeption folgen. Er beauftragte Jan Fischer und James Jeremias mit der Kreation eines Drehbuchs, welches sich an der kindgerechten Auslegung des Erfolgsfilms orientieren sollte, und die beiden kamen auf eine ebenso simple wie geniale Idee: Die von James Matthew Barrie kreierte Romanfigur Peter Pan stand dem Vampirmythos mit Eigenschaften wie der Fähigkeit zu fliegen, keinerlei Alterserscheinungen und einigen anderen so nahe, dass eine Verbindung nur folgerichtig erschien. In den nächsten Monaten bastelten Fischer und Jeremias ein Skript, welches sich per Handlungssträngen und Namensgebung eng an die Welt von Peter Pan anlehnte.

Edgar: Töte deinen Bruder, dann geht es dir besser!

Diverse Problemchen und Uneinigkeiten sorgten dann jedoch dafür, dass diese Konzeption mehr und mehr verworfen wurde und gleichzeitig nahm die Vorproduktion des Films mittlerweile so viel Zeit in Anspruch, dass Richard Donner sich gegen den Posten des Regisseurs entschied. Er wollte sich lieber seinem Großprojekt ZWEI STAHLHARTE PROFIS – LETHAL WEAPON (1987) widmen und schlug stattdessen Mary Lambert vor, die zwei Jahre später die gelungene King-Verfilmung FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE (1989) vorlegen sollte. Jedoch scheiterte auch die Kollaboration und so nahm schließlich Joel Schumacher auf dem Stuhl der Stühle Platz. Jener hatte sich mit der Schrumpf-Komödie DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DER MRS. K (1981) oder der Actionkomödie DIE CHAOTENCLIQUE (1983) einen kleinen Namen erarbeitet.

Bei THE LOST BOYS zeigt Schumacher dann, wo seine Qualitäten als Regisseur liegen. Er inszeniert schnörkellos und direkt, jederzeit zügig und unumwunden. Unter seiner Ägide wird aus Santa Carla eine Light-Version von Walter Hills New York aus DIE WARRIORS (1979). Glückspiel und Neonlicht, Gewalt und Rowdytum beherrschen die Nächte. Die fiktive Ortschaft mit den meisten Morden der USA wirkt wie eine andere Welt inmitten all der stereotypen kalifornischen Kleinstädte. Schumacher fängt die teils überbordenden Bilderwelten zusammen mit Kameramann Michael Chapman, der neben den Scorsese-Knallern TAXI DRIVER (1976) und WIE EIN WILDER STIER (1980) auch Philip Kaufmans Gang-Klassiker THE WANDERERS (1979) fotografiert hatte, klasse ein und sorgt so ein ums andere Mal dafür, dass der Film seine Stimmung vor allem über die tollen Bildkompositionen erzeugt.

Sam: Du hast also doch ‘nen Fernseher?
Grandpa: Nein, ich lese nur gern das Fernsehprogramm. Denn wenn du das gelesen hast, brauchst du keinen Fernseher mehr.

Dem gegenüber bieten Handlungsverlauf und Dramaturgie bestenfalls Durchschnittskost. Die Geschichte lässt sich innerhalb der tollen Optik sehr langsam an und bietet keinerlei Innovationen auf. Die Entfaltung der Figurenkonstellation ist ebenso prototypisch wie die Offenlegung der Vampiraktivitäten. Erst gen Ende kommt die Handlung etwas in Schwung und bietet die eine oder andere originelle Idee. Letztlich bleibt aber zu konstatieren, dass es wahrlich nicht der Inhalt ist, der diesen Film zu einem gelungenen Aushängeschild der 80er Jahre macht.

Diese Aufgabe übernimmt – neben all dem Qualm und dem Neonlicht – viel eher die Besetzung, die eine Vielzahl an Jungstars dieser Epoche auffährt. Corey Haim, bekannt aus der King-Verfilmung WERWOLF VON TARKER MILLS (1985), als Sam und Jason Patric geben ein tolles Brüderpaar ab, während Jami Gertz, Fachleuten aus ihrem Auftritt in Amos Poes Neon-Kracher ALPHABET CITY (1984) ein Begriff, ein treffliches Love-Interest abgibt. Kiefer Sutherland, der schon in Rob Reiners STAND BY ME – DAS GEHEIMNIS EINES SOMMERS (1986) zusammen mit Corey Feldman, seit seinem Mitwirken in der FREITAG DER 13.-Reihe sowie in GREMLINS – KLEINE MONSTER (1984) und natürlich DIE GOONIES (1985) eine Marke, vor der Kamera stand, gibt einen höchst ungewöhnlichen Vampir, der mit blondierten Haaren und starrendem Blick sowohl für Freude als auch Ablehnung seitens des Publikums sorgen dürfte – und in dessen Gang auch Alex Winter einen Platz inne hat, der kurz darauf mit den beiden BILL & TED-Filmen zu Berühmtheit kommen sollte.

Edgar: Was is’n das? Ein Hemd oder ein Testbild?

Leider behält sich das Skript aber vor, diesen Cast in Humor und Horror aufzuteilen. Während die Auftritte von Sutherland, Patric, Gertz und Konsorten eher düster daherkommen, offenbaren Haim, Feldman, Newlander und auch Wiest einen überdeutlichen Hang zum Genre Teenie-Komödie. Tatsächlich erinnern diese Sequenzen sehr stark an DIE GOONIES und stehen somit in einem krassen Kontrast zum düster-ernsten Flair der anderen Filmhälfte. Am Ende treffen diese beiden Konzeptionen dann aufeinander und es kommt zu einem Finale, in welchem juvenile Kampfmittel wie Wasserpistolen und Knoblauchfallen plötzlich zu Splatter-gleichen Effekten führen. Was ein wenig inkonsistent wirken mag, bietet den Effekt- und Makeup-Spezialisten wenigsten noch einmal ausreichend Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Eigenwillige Mixtur aus Vampir-Action und Kinder-Abenteuer, die dank ihrer flotten Inszenierung und der tollen Optik überwiegend zu unterhalten weiß. Die namhafte Besetzung belegt darüber hinaus noch einmal den Stellenwert dieses Films als zeitgeschichtliches Dokument der 80er Jahre.

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3 Antworten zu “THE LOST BOYS

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