AUSTIN POWERS IN GOLDSTÄNDER

Austin Powers in Goldständer
Austin Powers in Goldmember | USA | 2002
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als Austin Powers (Mike Myers) von seinem Vater Nigel (Michael Caine) bei seiner Ernennung zum Ritter versetzt wird, ist die Enttäuschung Austins fast übermächtig. Doch als der Bösewicht Goldständer (Mike Myers) Nigel 1975 im Auftrag von Dr. Evil (Mike Myers) entführt, naht für Austin die Chance, sich die Anerkennung seines Vaters zu verdienen – und nebenbei erneut die Welt zu retten. Zur Seite steht dem smarten Geheimagenten dabei die Disco-Schönheit Foxxy Cleopatra (Beyoncé Knowles).

Während AUSTIN POWERS – DAS SCHÄRFSTE, WAS IHRE MAJESTÄT ZU BIETEN HAT (1997) vornehmlich auf dem Heimkinomarkt Erfolge verbuchen konnte, schlug der Nachfolger AUSTIN POWERS – SPION IN GEHEIMER MISSIONARSSTELLUNG (1999) auch an den Kinokassen ein. Wenig erstaunlich also, dass New Line Cinema den Schöpfer, Produzent und mehrfachen Hauptdarsteller der Filmserie, Mike Myers, erneut mit der Weiterführung der Abenteuer der Agenten-Parodie beauftragte; und das Budget erneut auf nun 63 Millionen US-Dollar verdoppelte. Erneut holte sich Myers Michael McCullers als zweiten Autoren ins Boot und erneut ließen die beiden die bekannten (und neuen) Figuren in einer anderen Zeit auftreten. Dieses Mal dienen die 70er als Hintergrund für die bekannten Zoten und Albernheiten.

Austin: Du bist vielleicht ein kundiger Linguist, dafür bin ich ein scharfer Züngler.

Eine zentrale Rolle nimmt dabei Beyoncé Knowles als Foxxy Cleopatra ein, deren Namensgebung bereits auf die Klassiker des mit weiblichen Hauptrollen ausgestatteten Blaxploitationkinos, FOXY BROWN (1974) und EIN FALL FÜR CLEOPATRA JONES (1973) verweist. Drumherum gibt es eine schmissige 70ies-Disco-Atmosphäre zu sehen, die einen angenehmen Kontrast zu den bereits zweimal durchexerzierten Jahrzehnten 60 und 90 bietet. Foxxy beerbt dabei Elizabeths Hurleys Vanessa aus dem ersten Film, da sie erneut eine starke weibliche Figur abgibt, während Heather Grahams Felicity als dem zweiten Teil ein eher blasse Love-Interest gab. Neben dieser Disco-/Blaxploitation-Konzeption wird das Potenzial der 70er leider nur in Ansätzen genutzt, hier wäre stellenweise deutlich mehr möglich gewesen.

Dafür erfährt Hauptfigur Austin durch das Auftreten seines Vaters Nigel einiges an weiterer Ausformulierung. Michael Caines Interpretation der Vaterfigur dient allerdings vor allem dazu, Austins Sexismus und seine sonstigen Charakterzüge in der Familie zu verorten. Ansonsten wirkt die teils etwas rührselig vorgetragene Familiengeschichte doch etwas deplatziert. Vor allem, wenn am Ende auch Antagonist Dr. Evil miteinbezogen wird, entsteht der Eindruck, dass dem Franchise die Ideen ausgehen. Myers nun vierte Figur (der fiese Fettsack darf natürlich auch wieder mit diversen Ekeleien auffallen), der Niederländer Goldständer, bleibt folglich auch eher blass, hat er doch außer einem übertriebenen Akzent und einigen Genitalwitzen kaum etwas zu bieten. Verne Troyers Mini-Me darf als seitenwechselnder Opportunist eine neue Facette zeigen, der übrige Cast bietet die bekannten Qualitäten erneut auf.

Austin: Wenn diese Lippen sprechen könnten …

Und während es in Sachen Humor und Handlung ebenfalls bei der mittlerweile etablierten Mixtur aus pubertären Späßen, sexistischem Getue und teilweise wiederum gelungenen Pointen bleibt, weben Myers und McCullers eine Metaebene in ihr Drehbuch ein, die die Entwicklung der Filmreihe recht trefflich beschreibt. Sowohl in der Eröffnung als auch im Finale gibt es eine Film-im-Film-Sequenz zu sehen, die – neben der erneut exorbitanten Zahl an Gastauftritt – die Mechanismen der Reihe gekonnt auf die Schüppe nimmt. Dabei wird nicht nur endlich die Konkurrenz zu der das Genre zeitgleich modernisierenden MISSION: IMPOSSIBLE-Reihe persifliert, sondern auch die mittlerweile erfolgte Etablierung der AUSTIN POWERS-Filme belegt.
So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass der Film mit der Verbrüderung der einstigen Widersacher endet und die Filmreihe – trotz eines Cliffhangers, der eine Anschlussmöglichkeit böte – so quasi geschlossen wird. Die bekannten Mechanismen wurden nun zu Genüge durchexerziert, Myers hat seiner Schöpfung nichts mehr hinzuzufügen. Die Geschichten der Figuren sind erzählt, alles Weitere bliebe bloße Dreingabe. Die Kinokassen vermeldeten erneut knappe 300 Millionen an Einspielergebnis und so konnten alle Beteiligten einen zufriedenen Schlussstrich unter die AUSTIN POWERS-Filme ziehen. Gerüchte um eine Fortsetzung blieben zwar lange bestehen, scheinen jedoch aufgrund der inhaltlichen Erschöpfung der Reihe nicht unbedingt sinnvoll.

Obwohl der Abschluss der Reihe das Potenzial der 70er Jahre kaum ausschöpft, gelingt es ihm doch auch im dritten Anlauf, für solide, wenn auch erneut recht flache Unterhaltung zu sorgen. Der Film erzählt die Geschichten der Hauptfiguren zu Ende, nimmt sich selbstreflexiv auf die Schüppe und stellt somit einen befriedigenden Schlussstrich dar.

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2 Antworten zu “AUSTIN POWERS IN GOLDSTÄNDER

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