BRIDES OF BLOOD

Brides of Blood
Brides of Blood | Philippinen/USA | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Dr. Paul Henderson (Kent Taylor) reist mit seiner Frau Carla (Beverly Powers) und dem Anthropologen Jim Farrell (John Ashley) auf eine philippinische Insel, um dort Forschungen bezüglich einer eventuellen atomaren Verseuchung des Eilands anzustellen. Sie werden neben der höchst seltsame Riten praktizierenden indigenen Bevölkerung auch vom mysteriösen Esteban Powers (Mario Montenegro) empfangen, der die Besucher über die skurrilen Ereignisse auf der Insel in Kenntnis setzt.

1959 hat der philippinische Ausnahme-Regisseur Gerardo de Leon, der das Kino des westpazifischen Inselstaats seit Jahrzehnten mittels Action- und Kriegsfilmen prägte (die bereits seit einiger Zeit in teils enger Kooperation mit US-amerikanischen Finanziers entstanden), mit TERROR IS A MAN die Zeit des philippinischen Horrorkino eingeleitet. Die schmissige DR. MOREAU-Adaption bewies ihrerzeit, dass Gruselkino einen durchaus einträglichen Zweig der insularen Filmindustrie darstellen konnte. Das erkannte auch der US-Amerikaner Kane W. Lynn, der mit seiner Produktionsfirma Hemisphere Pictures die treibende Kraft hinter dem Projekt gewesen war, sodass er in den nächsten Jahren zahlreiche exploitative Produktionen anleierte. Kernkompetenz der philippinisch-amerikanischen Koproduktionen war dabei meist die kostengünstige Erzeugung ausbeuterischer Schauwerte der Kategorien Natur, Gewalt und Nacktheit.
Als Protegé Leons trat in dieser Zeit auch Eddie Romero auf den Plan und zusammen legten die beiden Regisseure/Produzenten/Autoren dann ab 1968 mit BRIDES OF BLOOD den Grundstein für die BLOOD ISLAND-Filme – denn obwohl auch TERROR IS A MAN auf einer derart betitelten Insel spielt, weist er doch nicht jene verbindenden Elemente auf, wie es die ab 1968 folgenden Filme tun; auch wenn diese wiederum nur recht lose aufeinander aufbauen. Immerhin kann man, bei Bedarf, das Auftreten des US-Amerikaners John Ashley als Gemeinsamkeit der drei BLOOD ISLAND-Filme BRIDES OF BLOOD, MAD DOCTOR OF BLOOD ISLAND (1968) und DRAKAPA, DAS MONSTER MIT DER KRALLENHAND (1971) anführen. Ergänzt wird diese Trilogie durch Al Adamsons Anhängsel BRAIN OF BLOOD (1971) sowie einige philippinisch-amerikanische Produktionen, die ebenfalls auf der Blutinsel spielen.

Paul: What time it is?
Carla: It’s about 4:30. Too early for a sunset … but there it is.

Der Auftakt BRIDES OF BLOOD orientiert sich bezüglich seiner Geschichte, das Drehbuch schrieb Cesar Amigo, vor allem an klassischen Inhalten des britischen und amerikanischen Horrorkinos. Eine Insel, auf der die heranwachsende Damenwelt einem Monstrum zur freien Verfügung gestellt wird, erinnert nicht ganz zufällig an KING KONG UND DIE WEIßE FRAU (1933), der auf selbigem Eiland lebende verrückte Wissenschaftler ist freilich erneut H. G. Wells phantastischem Romanklassiker entliehen. Angereichert wird diese Konzeption mit äußerst vordergründiger Kritik an Atomversuchen, was jedoch nur der Legitimation dient; denn so ist der Streifen in der Lage, neben einem äußerst skurrilen Monstrum auch eine wahrlich um sich greifende Flora anzubieten.

Das sorgt dann für eine gelungene Form der Dschungel-Unterhaltung, wenn unschuldige Äste und Wurzeln plötzlich Menschen zu erwürgen versuchen. Mittels recht netter Effekte dargeboten, lockert Derartiges die teils etwas zu dialoglastige Struktur des Films auf, denn auf das eigentliche Monster muss die geneigte Zuschauerschaft sehr lange warten. Dafür gibt es dann in kurzen Sequenzen einen beeindruckenden Klumpen zu sehen, der zwar nicht zu den größten Errungenschaften der Latex-Feinarbeit zählt, der aber zumindest in einer wirklich gelungenen Transformation gezeigt wird.

Paul: It seems that some living organisms on this island are undergoing drastic mutation.

Der Charakter des erwähnten US-Amerikaners John Ashley, Jim Farrell, mutierte im Verlaufe des Films ebenfalls, nämlich zur Hauptrolle. Ashleys Ehe war kurz zuvor in die Brüche gegangen und die Arbeit auf den Philippinen (welche er aufgrund einer während der Dreharbeiten entstandenen Freundschaft zu Eddie Romero auch noch viele Jahre fortsetzen sollte) war ihm eine willkommene Ablenkung. Dementsprechend motiviert stapft Ashley durch die Dschungel und rettet dabei mehrfach seine holde Alma, gegeben von Eva Darren. Daneben gibt der etablierte B-Darsteller Taylor Kent einen stereotypen Forscher Henderson, der der ihn umgebenden Welt mit der üblichen Hochnäsigkeit des vermeintlich kulturell Höhergestellten begegnet. Beverly Powers, die 1961 in Blake Edwards Klassiker FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY als Stripperin mitmischen durfte, rumpelt sich als Hendersons Gattin Carla durch den Film und ist dabei maßgeblich für den lasziven Aspekt desselben verantwortlich. Mit andauerndem Schlafzimmerblick und allerlei vokalen Avancen sucht sie so nahezu jeden männlichen Darsteller im Film zu umgarnen. Mario Montenegro rundet den Cast als Mad Scientist Estaban Powers ab, präsentiert dabei jedoch eine überwiegend hölzerne Darbietung.
Letztlich ist BRIDES OF BLOOD trotz einiger – durch die erwähnte Menge an Dialogen entstehenden – Längen ein schmissiges Horrorvergnügen, welches völlig zurecht die oben erwähnten BLOOD ISLAND-Fortsetzungen erfahren sollte. Die Mixtur aus naivem Grusel und durchaus beachtlichen Explizitäten funktioniert ganz prächtig, auch wenn die Entscheidung Leons/Romeros, den Film mit einem fünfminütigen, gänzlich unkommentierten Fruchtbarkeitstanz zu beenden, doch fraglich erscheinen mag. Den faden Nachgeschmack, den diese Entscheidung hinterlässt, hat der Film nämlich keineswegs verdient.

Stellenweise etwas langatmiger Horror-Insel-Exploiter, der aber mittels einiger netter und einiger skurriler Ideen durchaus zu unterhalten vermag – immer vorausgesetzt, dass man den Produktionsumständen kostengünstiger philippinisch-amerikanischer Koproduktionen zugetan ist.

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2 Antworten zu “BRIDES OF BLOOD

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