DAS STEINZEITSYNDROM

Das Steinzeitsyndrom
Women of the Prehistoric Planet | USA | 1966
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als das Raumschiff Cosmos 3 auf einem unbekannten Planeten abstürzt, entschließt sich Admiral David King (Wendell Corey), Kommandeur der Cosmos 1, umzukehren, um die befreundete Mannschaft zu retten. Doch da die Cosmos 1 nahezu mit Lichtgeschwindigkeit fliegt, vergeht die Zeit außerhalb des Raumschiffs schneller und die Crew erreicht erst 18 Jahre nach dem Absturz der Cosmos 3 den unbekannten Planten. Es beginnt eine geheimnisvolle Suche.

Der Regisseur Arthur C. Pierce hat in den 50er Jahren einige Horror- und Sci-Fi-Drehbuch verfasst und war ab der Mitte der 60er Jahre auch als Regieassistent tätig. Als solcher hat er Hugo Grimaldi zweimal assistiert und bei den Werken SS-X-7 – PANIK IM ALL (1965) und FBI JAGT PHANTOM (1965) Erfahrung sammeln können. Deshalb entschied sich die Standard Club of California Productions ein Jahr später dazu, Pierce die Verantwortung für einen eigenen Spielfilm zu übergeben. Und aus Kostengründen schrieb dieser das Drehbuch auch gleich selbst.

Farrell: Scott ist schon ‘nen Kerl, Bradley. Wird mal ‘nen toller Flottenchef, sobald er zu sich selbst gefunden hat.
Bradley: Aber was für’n miserabler Ort, um nach sich zu suchen …

Das Ergebnis ist eine recht überschaubare Mixtur aus Science-Fiction und Vorzeit-Abenteuer. Obwohl der Originaltitel es suggeriert, gibt es dabei keinen von prähistorischen Damen bewohnten Planeten zu sehen, sondern einen quasi unbewohnten Himmelskörper, der den zeitgenössischen Dschungel-und-Sumpf-Look bietet. Auf diesem streift dann ein testosteronschwangerer Rettungstrupp umher und kämpf gegen eine ansässige Fauna, die deutlich weniger gefährlich scheint als es die Protagonisten gerne hätten. Obendrein stellen sich die Herren derart dämlich an, dass es selbst für den naiven Duktus jener frühen Sci-Fi-Filme eine wahre Pracht ist. Den Höhepunkt stellt sicherlich der Moment dar, in dem die vierköpfige Expeditionsmannschaft per Seilbrücke und Baumstamm einen Tümpel aus kochendem Erdöl, der wiederum nur zwei Meter weiter endet, zu überwinden versucht. Anstatt also gemütlich am Ufer entlang zu spazieren, riskiert man lieber Leib und Leben; was dann natürlich zu dem erwartbaren Ausgang führt.

Neben derlei Üblichkeiten versucht sich der Film noch an der Skizzierung eines Konflikts zwischen unterschiedlichen Lebewesen, indem er seine Protagonisten in Menschen und Centaurer einteilt. Dummerweise nutzt er für letztere ausschließlich asiatische Darsteller und erreicht somit genau das Gegenteil. Allenthalben werden dümmlich rassistische Klischee abgefeuert, denen Pierce dann eine Holzhammer-Moral entgegenzusetzen sucht. Das funktioniert aber de facto nie, sodass die meisten Situationen, in denen das Verhältnis der beiden Gruppen thematisiert wird, den latenten Rassismus der US-amerikanischen Gesellschaft der 60er Jahre überdeutlich offenlegen.

Bradley: Sie kennen mich, ich bringe Frohsinn ins Zimmer … einfach indem ich rausgehe!

Hauptziel ist meist Irene Tsu in der Rolle der Linda. Dass diese nachher in dem von Robert Ito gegebenen Tang endlich einen angemessenen Partner findet, untermauert die obige Feststellung bzgl. des Weltbilds, das der Film vermittelt. Auf Seiten der „Menschen“ gibt Wendell Corey, seit seinem Auftritt in DAS FENSTER ZUM HOF (1954) durchaus eine Bekanntheit, den starrköpfigen Admiral King, Keith Larsen den uncharmanten Draufgänger Scott und TARANTULA-Hauptrolle John Agar den gesetzten Dr. Farrell. Paul Gilbert versucht sich darüber hinaus als Ulknudel, scheitert aber neben den rassistischen Ressentiments auch am unverhohlenen Sexismus seiner Rolle.
So bleibt letzten Endes noch die nette Pappmaschee-Optik des Filmchens zu nennen, bei der sich auch schon mal die Studiobeleuchtung im See spiegelt. Einige nette Miniaturbauten, eine Handvoll Archivaufnahmen des unvermeidlichen ausbrechenden Vulkans sowie einige Latex-Viecher runden den mäßigen Gesamteindruck ab. Da kann die durchaus originelle Wendung am Ende, die den Zuschauer zumindest mit einem Schmunzeln in den Abspann entlässt, auch nicht mehr viel rausreißen.

Ein durch und durch belangloses Sci-Fi-Filmchen, welches sich zudem durch einen enervierenden rassistischen Unterton auszeichnet.

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Eine Antwort zu “DAS STEINZEITSYNDROM

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