SHANGOS LETZTER KAMPF

Shangos letzter Kampf
Shango, la pistola infallibile | Italien | 1970
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Eigentlich sollte der Nordstaaten-Ranger Shango (Anthony Steffen) kurz nach dem US-amerikanischen Sezessionskrieg die letzten versprengten Truppen beider Seiten über das Kriegsende informieren, doch der in einem abgelegenen Dorf residierende Konföderierten-Major Droster (Eduardo Fajardo) nimmt ihn kurzerhand gefangen. Droster hat nämlich zusammen mit dem mexikanischen Banditen Martinez (Maurice Poli) eine gute laufende Schreckensherrschaft errichtet, die er sich nicht von einem etwaigen Ende des Bürgerkriegs zerstören lassen möchte.

1965 hatte der Regisseur Edoardo Mulargia den damaligen Italowestern-Neuling Anthony Steffen per JETZT SPRECHEN DIE PISTOLEN in das staubige Genre eingeführt, was dem Mimen bekanntlich zu einer großen Karriere verhelfen sollte. Mit seinen schauspielerisch meist sehr reduzierten (böse Zungen möchten sagen limitierten) Darbietungen sicherte sich Steffen einen Platz in der zweiten Garde des Genres und kann somit auch auf einige durchaus gelungene Beiträge zum selben zurückblicken. Einer davon ist SHANGOS LETZTER KAMPF, bei dem Mulargia und Steffen nach fünf Jahren wieder zusammenfanden; diesmal jedoch ließ sich letzterer nicht mehr nur führen, sondern er arbeitete auch hinter der Kamera mit: so ist das Drehbuch eine Koproduktion der beiden, was natürlich dafür sorgt, dass die Rolle des Shango Steffen wie auf den Leib geschnitten ist.
Bevor das deutlich wird, gibt es allerdings eine durchaus ungewöhnliche Eingangsszene zu begutachten. Shango sitzt geradezu apathisch in einem Käfig und wird erst nach geraumer Zeit durch den zwielichtigen Droster befreit. Erst danach verwandelt er sich in den ebenso kaltblütigen wie zielsicheren (der italienische Originaltitel kündigt es bereits an) Pistolero. In der Folge gibt Steffen den altbekannten Rächer der Armen, der hier allerdings mit erstaunlicher Kaltblütigkeit vorgeht und auch nicht davor zurückschreckt, Feuerschutz hinter jener Dorfbevölkerung zu suchen, deren Freiheit zu erstreiten er doch eigentlich angetreten ist. Es folgt Schusswechsel auf Schusswechsel, die Enden sind vorhersehbar. Das macht das Narrativ an mancher Stelle etwas zäh, vor allem, weil Steffens Shango jedwede charakterliche Entwicklung vermissen lässt.

Martinez: Ihr merkwürdigen Südstaatler, ihr habt schon immer wenig über die Raffinessen der Mexikaner gewusst.
Droster: Ich würde sagen, wir haben nur wenig Vertrauen zu euch.

Dafür lockern allerdings einige Rückblenden die Geschehnisse auf, die von Mulargia und Kameramann Gino Santini, der schon Alberto Cardones SARTANA (1966) fotografierte, recht sparsam umgesetzt werden. Mehr als ein paar Weichzeichner und schnelle Zooms gibt es nicht zu sehen. Dafür dreht die Inszenierung ab der Filmmitte ordentlich auf und schmeißt plötzlich mit tollen Einstellungen um sich. Herausragend die Szene, in der Droster die Frauen des Dorfes bis zum Halse eingraben und dann von brennendem Öl bedrängen lässt. Aber auch die finale Feier der Dorfbewohner sowie deren rabiate Unterbrechung sind wahrlich einen zweiten Blick wert. Klassische Nahaufnahmen runden die (trotz des augenscheinlich geringen Budgets) gelungene Optik ab – auch wenn die eine oder andere Lira mehr das oftmals apokalyptische Flair des Films noch besser hätte transportieren können.

Einen weiteren dicken Pluspunkt heimst die Besetzung ein, die gleich zwei tolle Widersacher aufbietet. Der Spanier Eduardo Fajardo darf hier als Major Droster seine Rolle aus Sergio Corbuccis DJANGO (1966) novellieren, während der Franzose Maurice Poli, der ein Jahr zuvor in Siro Marcellinis Großstadt-Western QUINTERO – DAS AS DER UNTERWELT (1969) gegen Klaus Kinski antreten durfte, als Bandit Martinez auftrumpft. Zusammen bilden die beiden ein mehr als potentes Antagonisten-Paar, zumal sie Shango in Sachen Brutalität locker übertrumpfen. Da werden Männer zum Spaß hingerichtet, Frauen gequält und Kinder in den Rücken geschossen. Dorfbewohner werden gleich reihenweise niedergemäht, in der Hoffnung, deren Widerstand zu brechen. Shangos einzigen Beistand gibt Attilio Dottesio als Fernandez. Dessen später per Schuss in den Rücken niedergestreckten Sohnemann Pedrito mimt der spätere neofaschistische Terrorist Giusva Fioravanti (den man hier schon beim Waffenschmuggel beobachten kann).

Shango: Der Krieg ist vorbei, Fernandez.
Fernandez: Ja, vielleicht ist er ja für die Nordstaaten und für die Südstaaten vorbei, aber in diesem gottverlassenen Wüstenland ist der Krieg noch lange nicht zu Ende, Shango.

Gianfranco Di Stefano komponierte dazu einen sehr reduzierten Soundtrack, der sich vor allem durch die Verwendung von When Johnny Comes Marching Home auszeichnet. Di Stefano lässt das bekannte Bürgerkriegsthema allerdings singen und verleiht ihm so eine eigene Ausformung. Diese sollte man im Deutschland der 70er Jahre allerdings nie zu Gehör bekommen, denn der Film erfuhr hierzulande leider keine Leinwand-Veröffentlichung. In Anbetracht der unverkennbaren Stärken des Films sicherlich zum Bedauern der damaligen Kinogänger.

Edoardo Mulargias zweite Zusammenarbeit mit Anthony Steffen ist ein zwar inhaltlich recht überschaubarer, dafür aber in der zweiten Hälfte toll fotografierter Italowestern der härteren Gangart. Da den diversen Brutalitäten aber mit Steffen, Fajardo und Poli drei toll aufspielende Mimen gegenüberstehen, gibt es daran nichts zu auszusetzen; im Gegenteil!

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