HIGHWAY HEAT

Highway Heat
The Chase | USA | 1994
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als der flüchtige Straftäter Jack Hammond (Charlie Sheen) beim Einkauf in einer Tankstelle zufällig von ein paar Cops überrascht wird, sieht er seine einzige Fluchtmöglichkeit in der neben ihm stehenden Natalie Voss (Kristy Swanson). Also kidnappt er diese kurzerhand und flieht mit ihre in ihrem roten BMW. Doch da Natalie die Tochter des Milliardärs Dalton Voss (Ray Wise) ist, ist den beiden schon bald die gesamte Polizei von Kalifornien auf den Fersen.

Einige Monate bevor Jan de Bonts Action-Thriller SPEED (1994) an den Kinokassen ordentlich aufräumen sollte, ging Adam Rifkin mit einer recht ähnlichen Konzeption, aber einer gänzlich anderen Ausführung an den Kinostart. Zuvor war er vor allem durch B-Horror-Werke wie DAS SERUM DES GRAUENS (1990) oder PSYCHO COP 2 (1993) aufgefallen. Hatten auch schon seine früheren Werke häufig komische Elemente enthalten, so sollte sich Rifkin 1994 mit HIGHWAY HEAT, dessen Drehbuch er gänzlich selbst verfasste, auf das gefährlich dünne Eis der Satire begeben; denn um nichts anderes handelt es sich bei dem allzu häufig als flache Action-Komödie abgetanen Streifen.
Hinter der Fassade der Sonntagnachmittag-Unterhaltung verstecken sich demzufolge zahlreiche offene und verdeckte Anspielungen und Entlarvungen, von denen die meisten den moralfreien Morast der US-amerikanischen Medien- und Gesetzeslandschaft betreffen. Die geifernde Gier, mit der sowohl Reporter als auch Bullen, Anwälte und letzten Endes sogar Privatpersonen (verkörpert durch den grandiosen Cameoauftritt der Red Hot Chili Peppers-Mitglieder Anthony Kiedis und Michael Balzary) den vermeintlichen Straftäter jagen, springt einem an allen Ecken und Enden ins Auge und entlarvt so immer wieder ein System, dass sich seine Opfer selbst kreiert. Dabei sind es eben jene Vertreter von Medien und Exekutive, die sich in Wahrheit auf moralischem Glatteis bewegen, wie zahlreiche – mal augenzwinkernde, mal äußerst direkte – Seitenhiebe darlegen. Rifkin formuliert hier häufig rigoros, jedoch nie ohne ein Augenzwinkern.

Jack: Weißt du, bis gestern war das Schlimmste, was ich je getan habe, in einem Biologietest zu schummeln.

Denn er verpackt die deutliche Gesellschaftskritik in eine bewusst locker-leichte Form. Was auf den ersten Blick als durchschnittliche Action-Inszenierung daherkommt, entpuppt sich häufig als wohldurchdachtes Konzept. So überlässt es Rifkin häufig der Kamera der Reporter, die die Bullen begleiten, oder der des TV-Helikopters, wackelige Aufnahmen voller Authentizität zu liefern. So zwingt er den Zuschauer immer wieder dazu, durch die Augen der gieren Glotzer blicken, nur um diese Eindrücke dann mit absichtlichen Brüchen zu konterkarieren. Höhepunkt dieser Entwicklung ist sicherlich die Liebesszene zwischen Jack und Natalie, die den Zuschauer zunächst ob ihrer Irrwitzigkeit vor den Kopf stößt, dann jedoch mit einem verträumten Wolkenhintergrund sämtliche rationale Betrachtungsweisen für unzulässig erklärt.

Im Gegensatz zu Bonts SPEED kümmert sich Rifkin nicht darum, seinem Film mittels eines Sideplots Entschleunigung zu Teil werden zu lassen. Die augenblicklangen Sequenzen im Fernsehstudio oder dem Polizeihauptquartier dienen viel mehr dem oben beschriebenen Zweck. Stattdessen hält sich der Film ständig in der Nähe seiner Hauptprotagonisten auf. Charlie Sheen macht seine Sache angenehm abgeklärt und wird dabei von einer tollen Kristy Swanson, die schon drei Jahre zuvor in HIGHWAY ZUR HÖLLE (1991) mit den Gefahren der Straße klarkommen musste, flankiert. Die beiden tragen den Film mühelos, was jedoch nicht den Blick auf die trefflich besetzen Nebenrollen verstellen darf. Neben den weiter oben bereits Erwähnten unterhalten Ray Wise als Widerling Dalton Voss und Josh Mostel als Unsinn-plappernder Cop Figus. An der Seite des letzteren lenkt niemand anderes als Black Flag-Frontmann Henry Rollins den Wagen, was die reaktionären Sprüche seiner Rolle Dobbs natürlich umso skurriler wirken lässt.

Jack: Halt mal die Klappe, deine superätzende Stimme raubt mir noch den letzten Nerv.
Natalie: Du findest meine Stimme also superätzend. Entschuldige bitte meine unvollkommene Haltung als Geisel.

Komponist Richard Gibbs entschied sich gegen das Komponieren und verpasste dem Streifen einfach einen Soundtrack aus einem Duzend bekannter Punksongs von Bands wie NOFX, The Offspring, Bad Religion oder Rancid. Dass der Film heutzutage in langweiliges Dasein in den Nachmittagsprogrammen diverser Privatsenders fristet, wird ihm also wahrlich nicht gerecht, eine Neuinterpretation dieses Werkes täte auf breite Front not. Leider sind seine Form und sein Ruf aber wohl zu abschreckend, als dass wirklich jemand dazu bereit wäre, den durchdachten, witzigen und nicht zuletzt offensiv kritischen Hintergrund des Films zu beleuchten. Schade.

Hinter der Fassade einer durchschnittlichen Action-Komödie verbirgt sich ein ebenso witziger wie durchdachter Seitenhieb auf das niederträchtige Zusammenspiel von Medien und Exekutive. Flott vorgetragen und schmissig vertont hätte dieser Streifen wahrlich mehr Aufmerksamkeit (und eine angemessenere Rezeption) verdient.

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