DIE MUMIE

Die Mumie
The Mummy | USA | 1999
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Auf der Suche nach der geheimnisvollen, altägyptischen Stadt Hamunaptra engagiert das britische Geschwisterpaar Evelyn (Rachel Weisz) und Jonathan (John Hannah) Carnahan den US-Amerikaner Rick O’Connell (Brendan Fraser), der diesen mystischen Platz bereits einmal bereist hat. Sie wollen dort ein sagenhaftes Buch bergen, doch schnell treten Konkurrenten im Kampf um dieses wertvolle Relikt auf den Plan – darunter auch eine jüngst auferstandene Mumie.

Die Produzenten Sean Daniel und James Jacks, die zusammen unter anderem das Jean-Claude Van Damme-Vehikel HARTE ZIELE (1993) oder den Carpenter-Streifen DAS DORF DER VERDAMMTEN (1995) realisiert hatten, kamen Mitte der 90er Jahre auf die Idee, Universal ein Konzept für eine Neuauflage des hauseigenen Horrorklassikers DIE MUMIE (1932) anzubieten. Und tatsächlich war man diesem Gedanken im Hause Universal nicht grundsätzlich abgeneigt und stellte ein Budget von zehn Millionen US-Dollar in Aussicht. Das war zu jenem Zeitpunkt allerdings auch nicht mehr allzu viel Geld, sodass sich die Herren Daniel und Jacks im Bereich der bekannten Genreregisseure nach möglichen Realisateuren umsahen. Namen wie Clive Barker, George A. Romero, Joe Dante und Wes Craven streiften im Laufe der Jahre die Produktion, doch stets war die jeweilige Vision zu düster oder die veranschlagten Produktionskosten fielen zu hoch aus.
Und so sah es auch um Stephen Sommers, der sich mit dem launigen OCTALUS – DER TOD AUS DER TIEFE (1998) einen Namen gemacht hatte, zunächst nicht gut aus. Dieser hatte Universal gerade ein Skript vorgelegt, welches das Mumien-Konzept in einer Mischung aus INDIANA JONES und JASON UND DIE ARGONAUTEN (1963) umsetzen wollte. Von denen hohen Kosten zunächst erneut abgeschreckt, entschied man sich bei Universal schließlich doch für diesen Entwurf, nachdem George Millers SCHWEINCHEN BABE IN DER GROßEN STADT (1998) – immerhin mit 80 Millionen US-Dollar Budget ausgestattet – an den Kinokassen grandios gefloppt war. Also drückte man Daniel, Jacks und Sommers ebenso 80 Millionen US-Dollar in der Hoffnung in die Hand, diese würden mit einem guten alten Universal-Horror-Konzept die Kassen klingeln lassen.

Beni: Es ist besser die rechte Hand des Teufels zu sein als ihm im Weg zu stehen.

Zusammen mit den Autoren Lloyd Fonvielle, der neben dem Sting-Horrorschinken DIE BRAUT (1985) auch Melanie Griffiths Endzeit-Auftritt CHERRY 2000 (1987) geschrieben hatte, und Kevin Jarre, der am Skript zu RAMBO II – DER AUFTRAG (1985) beteiligt war, nahm sich Sommers dann das 1932er Drehbuch zur Brust und transportierte die klassische Horrorstory in die Neuzeit. Dabei bleibt – von dem Grundgerüst der auferstandenen Mumie, die ihre große Liebe wiederzuerwecken sucht – nicht viel übrig. Einige Namen und Anspielungen sind zwar im Skript enthalten, aber zu keinem Zeitpunkt lassen sich klare inhaltliche Parallelen ausmachen. Stattdessen schufen die drei Herren eine flotte Popcorn-Storyline, die allenthalben genug Raum für zünftige Action und (teils überbordende) Alberei lässt.

Die Action lebt dabei sicherlich vom großen Budget und der folglich umfangreichen Ausstattung des Films. Obschon längst im Zeitalter der computergenerierten Effekte angekommen, bietet der Streifen doch auch eine erquickliche Zahl an handgemachten Effekten auf, die vor allem in den Szenen innerhalb des Grabmals angenehm auffallen. Zahlreiche Requisiten und Höhlengebilde sorgen hier für heimeliges Abenteuerflair. Neben den (Berichten zufolge äußerst strapaziösen) Dreharbeiten in der Sahara dienten hier vor allem die britischen Shepperton Studios als Ort des Geschehens. Die trotzdem keineswegs geringe Zahl an CGI-Effekten verwehrt dem Film zwar ein allzu euphorisches Zeugnis bezüglich seiner Optik, aber in Relation betrachtet haben die 90er Jahre doch einige sehr viel schlimmer zu betrachtende Werke hervorgebracht.

Rick: Ich wird‘ dich jetzt abknallen!
Beni: Bitte denk‘ an meine Kinder.
Rick: Du hast doch überhaupt keine, Benny.
Beni: Vielleicht später mal.

Die zweite Ingredienz des Films, der Humor, wird dann mit einem sehr dicken Pinsel aufgetragen, was stellenweise leider arg auf die Atmosphäre drückt. Vor allem, da der Film sich punktuell auch durchaus an einer dem Horror nahestehenden Stimmung versucht, wirken viele Gags schlicht deplatziert, sorgen sie doch immer wieder für einen deutlichen Dämpfer. Vor allem sobald John Hannah als Jonathan eine Szene betritt, kann man sich des gänzlichen Verlustes von Ernsthaftigkeit sicher sein. Die teils sehr flachen Witze gilt es dann häufig einfach zu durchstehen, um sich danach wieder an der gelungenen Abenteuer-Action erfreuen zu können.

Denn tatsächlich gelingen die Einstellungen, in denen sich Sommers samt und sämtlich dem Eskapismus widmen kann, überwiegend gut. Tolle Aufnahmen der Sahara, von Sandstürmen oder alten Tempelanlagen erzeugen Atmosphäre, die Innenräume sehen wie erwähnt klasse aus und auch der anheimelnde Charme einer verstaubten Bibliothek lässt das große Vorbild INDIANA JONES an allen Ecken und Enden erkennen. Krabbeltiere und mystische Geschehnisse, Fallen und unverhoffte Geheimtüren runden das gelungene Bild ab, welches der Streifen als Abenteuerfilm macht – ohne dass er dem erwähnten, übergroßen Vorbild auch nur zu einer Sekunde das Wasser reichen könnte.

Evelyn: Das einzige was mich erschreckt, Mr. O‘Connell, sind Ihre Manieren.

Ein Grund dafür, dass das nicht gelingt, ist sicherlich auch Brendan Fraser, dessen Indy-Kopie bestenfalls notdürftig ausfällt. Zu uneigenständig, zu generisch spult dieser das Programm des Abenteurers runter, ohne dabei bleibenden Eindruck zu hinterlassen. John Hannah ist als Comic Relief wie erwähnt eher ärgerlich und auch Rachel Weisz schafft es nur selten, ihre Evelyn überzeugend vorzutragen; zu deutlich sind all diese Rollen mit der Umsetzung der Komik beauftragt. Arnold Vosloo gibt als Imhotep einen netten, aber ebenfalls allzu generischen Antagonisten und Kevin J. O’Connor darf als Beni die gesammelte Abneigung des Publikums auf sich vereinen.
Aber letztlich konnten und können diese Ungereimtheiten nichts daran ändern, dass DIE MUMIE eine gelungen flotte Wiederbelebung des alten Klassikers darstellt. Universal wird es vor allem gefreut haben, dass das Ding weltweit über 400 Millionen US-Dollar einspielte, und die Kinogänger zeigten sich augenscheinlich von der unkomplizierten Popcorn-Unterhaltung überzeugt. Für Fraser und Weisz stellte der Streifen den Durchbruch dar und natürlich sollte mit DIE MUMIE KEHRT ZURÜCK (2001) alsbald eine Fortsetzung erscheinen. Und neben dem weiteren Ableger DIE MUMIE – DAS GRABMAL DES DRACHENKAISERS (2008) entstand mit THE SCORPION KING (2002) sowie dessen diversen Nachfolgern auch noch ein umfangreiches Spin Off.

Auch der äußerst flache Cast und die teilweise überbordenden Albernheiten können dem Konzept nichts anhaben; Sommers inszeniert kurzweilig und stimmig und sorgt so für äußerst solide Abenteuer-Unterhaltung.

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