HEXEN HEXEN

Hexen hexen
The Witches | Großbritannien/USA | 1990
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der kleine Luke Eveshim (Jasen Fisher) wurde von seiner Oma Helga (Mai Zetterling), die nach dem Tode seiner Eltern für ihn sorgte, immer bestens mit Informationen über die Welt der Hexen versorgt. Und als die beiden eines Tages Urlaub in einem britischen Seebad machen, stößt der Jüngling doch glatt auf eine internationale Hexenkonferenz. Unter Führung der Oberhexe Eva Ernst (Anjelica Huston) plant man dort, sämtliche Kinder der Erde in Mäuse zu verwandeln.

Der britische Schriftsteller Roald Dahl ist neben seinen obskur-makabren Werken vor allem für seine zahlreichen Kinderbücher bekannt. Bereits 1971 verfilmte Mel Stuart in Form seines CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK den gleichnamigen Roman Dahls (Tim Burton wiederholt diesen Vorgang bekanntlich im Jahre 2005) und auch in den folgenden Jahren sollten diverse Adaptionen folgen. 1990 erkannte dann der US-amerikanische Puppenfachmann Jim Henson das Potenzial des Romans The Witches von 1983 und sicherte sich mit seinen diversen Produktionsfirmen die Rechte daran. Er engagierte den britischen Regisseur Nicolas Roeg, der schon in den 70er Jahren mit Filmen wie WALKABOUT (1971) oder WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (1973) für Furore sorgte. Roeg adaptierte den Roman zusammen mit dem Drehbuchautoren Allan Scott, der neben WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN auch das Buch zu Roegs CASTAWAY – DIE INSEL (1986) mitverfasst hatte.
Ungewohnt war für die beiden dabei sicherlich die Anforderung, einen kindgerechten Stoff auch ebenso auf die Leinwand zu transportieren, ohne dabei jedoch den künstlerischen Anspruch allzu weit hintenanzustellen. So entschied man sich schließlich dazu, dem Film vor allem per Kameraarbeit (Harvey Harrison leistet hier erstaunlich flexible und einfallsreiche Arbeit) und Tricktechnik (wie bei einem Henson-Film nicht anders zu erwarten) auch Schauwerte für erwachsene Betrachter mitzugeben. So entsteht letztlich eine Mixtur aus lockerer Story und durchaus gruseligen Szenen; die jedoch – stets mit dem Blick auf das höchst juvenile Publikum – immer wieder rechtzeitig von unverfänglichen Späßen unterbrochen werden. Richtig Angst muss man hier nie haben, auch wenn so manche Maske durchaus dazu angetan ist, einige schlaflose Nächte zu bereiten.

Eva Ernst: Wo immer ich hinsehe, zeigt sich mir die widerliche Ansicht von hunderten, von tausenden aufsässiger, kleiner Kinder.

Denn wenn Jim Henson (der leider noch vor der Veröffentlichung des Films verstarb – ebenso wie Roald Dahl) einen Film produziert, dann sind liebevolle Trick- und Maskeneffekte nicht weit. In diesem Falle sind das vor allen die diversen Masken und Entstellungen der Hexen, sowie die animatronischen Mäuse. Das sieht dann durchweg ordentlich aus, reißt jedoch keine Bäume aus. Ein Effektspektakel wie bei DER DUNKLE KRISTALL (1982) oder DIE REISE INS LABYRINTH (1986) sollte man folglich nicht erwarten.

Stattdessen gibt es eine sehr kindgerechte (und somit überwiegend spannungsarme) Geschichte zu sehen, die von Roeg und Harrison zwar schmissig dargeboten wird, die es aber letztlich kaum schafft, der Grundschule entwachsene Zuschauer zu begeistern. Die wenigen Momente, in denen der Film sich auch (meist per Witz) an ein erwachseneres Publikum wendet, verpuffen leider viel zu schnell und so bleibt inhaltlich nicht allzu viel haften – was aber bei einem Kinderfilm kein großes Manko sein muss.

Mr. Stringer: Ratten? Es gibt keine Ratten in diesem Hotel!
Helga: Heute Morgen sah ich eine auf dem Gang laufen, in Richtung Küche.
Mr. Stringer: Madame, Sie sind doch in diesem Hotel erst heute Nachmittag angekommen.

Die stereotyp mutige und aufrechte Hauptrolle Luke wird dann vom 10-jährigen Jasen Fisher gegeben, der ein Jahr später auch in der Kinderbande aus HOOK (1991) rumwuseln durfte – bevor seine Karriere den Bach runterging. Seine Klischee-Oma Helga bietet Mai Zetterling dar, die Filmfreunden vor allem aus diversen Werken der 40er und 50er Jahre bekannt sein dürfte. Hier gibt sie das gutmütige Großmütterchen in Perfektion und stellt als solche die Gegenspielerin der Antagonistin Eva Ernst (der Name entlarvt schon die in der Originalsynchronisation toll dargestellt deutsche Herkunft der Oberhexe) dar. Anjelica Huston, bekannt aus WENN DER POSTMANN ZWEIMAL KLINGELT (1981) oder THIS IS SPINAL TAP (1984), grimassiert sich als jene durch den Film und wird in Verbindung mit der erwähnten Maskenarbeit zum Highlight des Films. In Nebenrollen gibt es dann bekannte Gesichter wie Jim Paterson zu sehen und obendrein darf Rowan Atkinson, der im gleichen Jahr seine Erfolgsserie MR. BEAN startete, als überforderter Hotelchef unterhalten.
HEXEN HEXEN wird so letztlich zu einem Film, der seine Zielgruppe sicher bedient. Kinder werden bei den Geschehnissen große Augen bekommen, müssen sich jedoch aufgrund der erwähnten humorvollen Entlastungen nie wirklich ängstigen. Leider gelingt es dem Streifen aber nicht – wie es Richard Donners ähnlich gearteter DIE GOONIES (1985) bravourös vormachte – auch ein erwachsenes Publikum für sich einzunehmen. Zu blass bleibt die Welt, zu vorhersehbar die Geschichte. Das machte den Film nun nicht schlecht – schränkt die erwähnte Zielgruppe aber doch deutlich ein.

Eine gelungene Mixtur aus Fantasy- und Horrormärchen, die vor allem jüngere Zuschauer begeistern dürfte – auch, weil der Film bei allzu schaurigen Momenten stets mit etwas Humor gegensteuert. Ältere Zeitgenossen werden allerdings an der flachen Geschichte und der letztlich zu blassen Darbietung zu knabbern haben.

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