FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN

Frauen hinter Zuchthausmauern
Women in Cages | Philippinen/USA | 1971
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Nachdem ihr zwielichtiger Freund (und Drogendealer) ihr ein unlauteres Päckchen zugesteckt hat, landet die etwas naive Carol (Jennifer Gan) in einem miesen Dschungelknast. Die Zelle teilt sie sich mit der drogenabhängigen Stoke (Roberta Collins), der lasziven Sandy (Judith Brown) sowie mit frt undurchsichtigen Theresa (Sofia Moran). Letztere pflegt ein intimes Verhältnis zu der sadistischen Gefängnisvorsteherin Alabama (Pam Grier), die alle anderen Gefangenen grausam traktiert. Es bleibt als nur das Ausbruch …

Der US-amerikanische Erfolgsproduzent Roger Corman erkannte die seit den späten 60er Jahren aufkommende Strömung der Women In Prison-Filme zügig als eine weitere willkommene Möglichkeit, kostengünstig den Publikumsgeschmack zu bedienen. Des Weiteren erkannte er die Philippinen als ebenso sparsamen Drehort und so entsandte Corman Jack Hill, um dort THE BIG DOLL HOUSE (1971) zu realisieren. Schnell zeichnete sich der Erfolg des Films ab und so durften die Darstellerinnen Pam Grier, Roberta Collins und Judith Brown noch im gleichen Jahr eine weitere Produktion im tiefsten Ostasien antreten. Anstelle des US-Amerikaners Hill sollte dieses Mal aber der philippinische Regisseur Gerardo de Leon das Zepter schwingen. Der hatte bei Werken wie THE BLOOD DRINKERS (1966), CURSE OF THE VAMPIRES (1966) oder MAD DOCTOR OF BLOOD ISLAND (1968) bereits Erfahrung mit US-amerikanisch-philippinischen Koproduktionen gesammelt und stelle folglich eine höchst unkomplizierte Wahl dar.
Das Drehbuch fertigte der Nebenrollenschauspieler David Osterhout in Zusammenarbeit mit James H. Watkins an, hielt sich dabei allerdings strikt an die bekannte Aktstruktur des WIP-Genres. Nach einer ebenso kurzen wie sinnbefreiten Exposition landet die Hauptdarstellerin im Knast, wo ihr diverse Grausamkeiten zuteilwerden, bevor sie mit einigen Mitgefangenen die Flucht plant und realisiert. Osterhout und Watkins vermögen dieser Rezeptur nichts Neues hinzuzufügen, was irritiert, da Beginn und Finale des Films eine nette Bordellschiff-Idee offenbaren. Tatsächlich hätte die Geschichte um Hochsee-Prostitution und Drogenhandel einiges an Reizen bieten können, aber dieses Potenzial bleibt leider ungenutzt.

Carol: Die sehen ganz menschlich aus.
Sandy: Was hast du erwartet? Gorillas?

Stattdessen gibt es mit Pam Grier als mieser Sadistin Alabama den aufsteigenden Stern des Exploitation-Himmels zu sehen. Nach dem erwähnten THE BIG DOLL HOUSE überzeugt Grier hier zum zweiten Mal mit einer schmissigen und freizügigen (wenn auch nicht in dem Maße, wie in anderen Werken) Darbietung, bevor sie einige Jahr später vor allem dank ihrer Beiträge zum Blaxploitation-Kino noch größere Beachtung erfahren sollte. Daneben gibt es mit Judith Brown und Roberta Collins die erwähnten Gesichter zu sehen, die durch die Philippinerin Sofia Moran ergänzt werden. Und obwohl sich die Damen redlich mühen, scheitern ihre Darbietungen doch meist ebenso am fehlenden Talent wie auch an der genrekonform holzschnittartigen Charakterzeichnung.

Aber schließlich erwarten die wenigsten Zuschauer von einem Frauenknastfilm, dass er seine Figuren übermäßig virtuos zeichnet, vielmehr stehen handfeste Schauwerte im Vordergrund. FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN bietet auf diesem Gebiet eher biederen Durchschnitt an, kommt es doch kaum zu nennenswerten Verstößen gegen den guten Geschmack. Ein paar nackte Mädels und einige Marter, aber insgesamt hält sich das Gebotene in überschaubaren Grenzen – kein Vergleich zu dem, was die Italiener in jenen Tagen so im Bereich des ähnlich gearteten Lager- und Naziploitationfilms geboten haben.

Alabama: Theresa, wie wär’s, willst du heute deine Sünden beichten?
Theresa: Ja, Oberaufseherin.
Alabama: Du solltest damit vorsichtig sein, Gottes Strafen könnten schlimmer sein als meine.

Stattdessen folgt der Zuschauer den zwar recht kurzweilig inszenierten, aber letztlich doch auffallend belanglosen Geschehnissen weitestgehend unberührt. Um dieser Gefahr vorzubeugen, versah der deutsche Verleiher Alois Brummer vom AB Filmverleih den Streifen für seine deutsche Veröffentlichung auch mit einigen expliziten Hardcore-Schnipseln und dem Titel Sexfieber. Bereits drei Jahre später flogen die Schnipsel wieder raus und wurden für die Wiederaufführung stattdessen durch etwas Schlüsselloch-Softcore ersetzt. Deutlich später flogen diese Zusätze dann für die VHS-Fassung auch wieder aus dem Film, dafür erstellte Carrera Topline allerdings eine höchst mäßige Neusynchronisation und verpasste dem Film den Titel Pridemoore II, in Anlehnung an den 1986 erschienenen Streifen PRIDEMOORE (mit dem er freilich nichts zu tun hat). Das alles ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN einen ganz und gar durchschnittlichen WIP-Beitrag innerhalb der corman’schen Philippinen-Produktionen darstellt.

Ein WIP-Film von der Stange, derer Corman Anfang der 70er Jahre gleich vier auf den Philippinen drehen ließ. Vor allem der nur durchschnittliche Gehalt expliziter Szenen sowie die Nichtnutzung der durchaus vorhandenen inhaltlichen Grundlagen verwehren dem Film höhere Weihen.

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2 Antworten zu “FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN

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