DEADPOOL

Deadpool
Deadpool | USA | 2016
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als Wade Wilson (Ryan Reynolds) an inoperablem Krebs erkrankt, scheint sein Leben, das gerade erst durch die Liebe zu der wie Wade selbst äußerst durchgeknallten Vanessa (Morena Baccarin) an Qualität gewonnen hat, dahin. Doch ein mysteriöses Projekt unter Leitung des zwielichtigen Ajax (Ed Skrein) rettet Wade schließlich doch vor dem sicheren Tod – und macht ihn zu einem Mutanten mit Regenerationskräften. Fortan ficht Wade als Deadpool einen aberwitzigen Kampf gegen Ajax, von dem er eine Wiederherstellung seiner Schönheit erwartet, sowie um das Herz von Vanessa, von der er sich nicht mehr geliebt fühlt.

Bereits 2004, als die riesige Erfolgsgeschichte von Superhelden-Filmen noch in den Kinderschuhen steckte, wollte man ihm Hause New Line Cinema eine filmische Umsetzung der Marvel-Comicfigur Deadpool anleiern, doch aufgrund diverser rechtlicher Unklarheiten und Auseinandersetzungen wurde das Projekt, bei dem Ryan Reynolds von Anfang an als Hauptdarsteller eingeplant war, auf Eis gelegt. 2009 waren die Rechte dann bei 20th Century Fox gelandet und die Produzentin Lauren Shuler Donner nahm sich der Angelegenheit an. Sie engagierte die Drehbuchautoren Rhett Reese und Paul Wernick, die 2009 zusammen das Skript für die erfolgreiche Zombie-Komödie ZOMBIELAND geschrieben hatten, und machte 2011 auch den Creative Director des Projekts, Tim Miller, zum Regisseur. Dumm nur, dass kurz darauf die DC-Verfilmung GREEN LANTERN (2011), mit Reynolds in der Hauptrolle, an den Kinokassen mit Pauken und Trompeten unterging. Fox zog die Mittel wieder ab und erst ein zufällig veröffentlichter Texttrailer konnte 2014 eine derart große Menge an Euphorie und Interesse generieren, dass man die Produktion doch wieder aufnahm.

Weasel: Du bist hinreißend. Als hätte ‘ne Avocado Sex mit einer älteren Avocado gehabt.

Ähnlich wie auch Matthew Vaughns KICK-ASS (2011) oder James Gunns SUPER (2011) ist DEADPOOL dabei im Bereich der Parodie respektive Satire angesiedelt. Dabei geht das Konzept jedoch einen Schritt weiter und bezieht den Zuschauer auch in die Auseinandersetzung mit ein. Denn die Figur Deadpool spricht den Zuschauer nicht nur unmittelbar an, was bereits für zahlreiche humorvolle Momente sorgt, sondern weiß darüber hinaus auch, dass sie eine fiktive Rolle ist, die von Schauspieler Ryan Reynolds gespielt wird. So entstehen zahllose selbstreferenzielle Kommentare und bissige Vergleiche, denen samt und sämtlich zu folgen schon eine gehörige Portion Aufmerksamkeit voraussetzt. Das betrifft übrigens nur die Figur Deadpool, deren Alter Ego Wade Wilson ist hingegen eine klassische Filmfigur, die fest innerhalb ihrer Welt verankert ist.
Diese Prämisse liefert Regiedebütant Miller natürlich zahlreiche Anlässe, Deadpool mit dem Publikum spielen zu lassen. Der Film vollzieht einige Zeitsprünge, die stets von der Hauptfigur kommentiert und eingeordnet werden und ein Sprung geht glatt zu weit nach vorne, was umgehend vor den Augen des Zuschauer korrigiert wird. Derartige Späße sind zwar wahrlich keine neuen Elemente im komischen Kino, in Verbindung mit der offensiv agierenden Hauptfigur aber durchaus mit einem eigenen Charme versehen.

Leider fallen zahlreiche Gags aber auch äußerst pubertär aus, was der Vorlage eventuell recht wird, den Film aber letztlich etwas flach verlaufen lässt. Denn nach einer halben Stunde ist das System aus regelmäßiger Sprücheklopferei in unpassendsten Situation bekannt und verbraucht. Es wird schlicht zu vorhersehbar, dass auf jede – aber auch wirklich jede – einzelne dramatische Szene eine vermeintlich humorvolle Brechung folgt. Hier wäre weniger mehr gewesen. So verbraucht sich das – generell gute gemeinte – Konzept doch etwas zu schnell.
Immerhin kredenzt der Streifen dafür regelmäßig launige Action-Sequenzen, die den bewusst reduzierten Stil des Films gelungen fortführen. Denn die Angst Fox‘ vor einem finanziellen Flop stattete die Produktion mit begrenzten Mitteln aus, was glücklicherweise dafür sorgt, dass der Zuschauer weitestgehend von unübersichtlichen CGI-Schlachten verschont bleibt. Stattdessen gibt es straight inszenierte, meist überraschend harte Action zu sehen, die hin und wieder auch einige Brutalitäten nutzt, um niedere Schauwerte zu erzeugen. Zwar bricht sich auch hier hin und wieder der arg juvenile Humor Bahn, aber insgesamt bietet sich hier doch eine solide Mischung der bekannten Elemente dar.

Dopinder: Wieso der fesche, rote Anzug, Mr. Pool?
Deadpool: Weil Weihnachten ist, Mr. Dopinder, und ich bin hinter jemandem her, der sehr unartig war.

Ryan Reynolds geht in der Rolle des Wade sichtbar auf und kann hier mit seiner Mischung aus Hochmut, Stolz und Großmäuligkeit glänzen; im (wohl tatsächlich kaum digital nachbearbeiteten) Kostüm des Deadpool macht Reynolds ebenfalls eine gute Figur. Morena Baccarin, die ihre Karriere bis dato in TV-Gefilden verbrachte, kann als toughe Vanessa ebenfalls unterhalten und T.J. Miller streicht als (im augenzwinkernden Vorspann schon als solcher angekündigter) unvermeidlicher Geek ebenfalls einige Lacher ein. Ed Skrein gibt mit Ajax einen netten, aber letztlich austauschbaren Antagonisten und mit Leslie Uggams gibt es gar einen echten alten Motown-Star in ungewöhnlicher Rolle zu sehen.
Es ist aber letztlich die allzu motivationslose Geschichte, die nach Filmende dieses flaue Gefühl hinterlässt. Die – wie erwähnt überwiegend gelungenen – Späße und die teilweise wirklich großartig genutzte Perforierung der Wand zwischen Zuschauer und Figuren vollziehen sich dadurch viel zu häufig im luftleeren Raum. Jede gute Komödie braucht eben auch ein Narrativ, welches Grundlage des Humor ist. Und wenn der Hauptgrund, warum der Sprücheklopfer/Draufgänger/Antiheld Wade respektive Deadpool nicht zu Vanessa zurückkehrt, darin verborgen liegt, dass er Angst vor einer eventuellen Zurückweisung aufgrund seines Äußeren hat, dann bricht das nicht nur empfindlich mit der sonstigen Charakterzeichnung, sondern eben auch mit der inhaltlichen Grundlage. Das macht DEADPOOL sicherlich nicht zu einem schlechten Film, aber es verhindert eben doch, dass er sich irgendwelche besonders positiven Auszeichnungen verdient.

Insbesondere, wenn die Figur Deadpool auf die Immanez pfeift und den Zuschauer anspricht, aber auch in vielen anderen humorvollen Szenen, zeigt der Film einiges an Potenzial. Diverse pubertäre Übertreibungen und vor allem die unerklärlich dünne Story sorgen letztlich aber dafür, dass den wirklich guten Gags der Unterboden fehlt und der Streifen so über kurzweilige Unterhaltung nicht hinauskommt. Das ist nicht Schlechtes, relativiert aber die Lobpreisungen der gemeinen Kritik eventuell ein wenig.

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