BLACK MOON

Black Moon
Black Moon Rising | USA | 1986
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Quint (Tommy Lee Jones) ist ein außergewöhnlich begabter Einbrecher, der sein Können in die Dienste des Regierungsbeamten Johnson (Bubba Smith) gestellt hat. Doch nachdem Quint eine hochgeheime Diskette gestohlen hat, muss er diese im Black Moon, einem experimentellen Supersportwagen, verstecken. Dieser wird wiederum von Nina (Lina Hamilton) geklaut, die für den schwerreichen Autoschieber Ed Ryland (Robert Vaughn) arbeitet. Also muss Quint nun in dessen Hauptquartier bestehend aus zwei Hochhaustürmen einsteigen, um den Wagen und die Diskette wiederzubeschaffen.

Bereits Mitte der 70er Jahre schrieb John Carpenter das Drehbuch zu Black Moon Rising, jedoch sollte es noch über eine Dekade dauern, bis dieses auch seinem tatsächlichen Zweck zugeführt werden sollte. Denn erst als HALLOWEEN – DIE NACHT DES GRAUENS (1978) und DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) den Namen der Independent-Ikone vollends berühmt gemacht hatten, zeigte die Firma New World Pictures mitsamt der Produzenten Douglas Curtis und Joel B. Michaels wieder Interesse an dem schon lange in einer Konzernschublade schlummernden Stoff. Curtis und Michaels hatten 1984 den ebenfalls nach einem Carpenter-Drehbuch verfilmten DAS PHILADELPHIA EXPERIMENT produziert und so hoffte man nun allenthalben auf die nächste Möglichkeit, mit dem Werk des selber gerade mit dem Kracher BIG TROUBLE IN LITTLE CHINA (1986) beschäftigten Carpenter Geld zu verdienen.
Wie viel Carpenter allerdings wirklich in dem Skript steckt, ist durchaus umstritten, wurde es doch den Autoren Desmond Nakano und William Grey zur Revision vorgelegt. Herausgekommen ist dabei ein inhaltlich durchaus löchriges Endergebnis, welches dem Zuschauer eine unausgegorene Geschichte und um Autodiebe und Meistereinbrecher vorsetzt. Dabei sind die Zusammenhänge und Folgerung häufig höchst willkürlich und ein Spannungsbogen entsteht letztlich nur, weil von Anfang an klar ist, dass der Film auf einen groß angelegten (und dafür letztlich reichlich unspektakulären) Einbruch hinausläuft.

Marvin: Meinen Glückwunsch, Quint. Für’n Dieb bist du als Stuntman gar nicht übel.

Dieses Manko aufzuwiegen tritt dann allerdings die Form des Films an, denn Regisseur Harley Cokeliss, der sich nach THE GLITTERBALL (1977) und DER KAMPFLKOLOSS (1982) zum dritten Mal der Sci-Fi-Action zuwendete, schafft es über weite Strecken, eine stimmige Atmosphäre auf die Leinwand zu zaubern. Etwas technischer Schnickschnack, einige Laser und natürlich massig Neonlicht und Wave-Musik machen aus dem Film ein charmantes 80er-Spektakel. Ausgestellte Schulterpolster und Dauerwellen lassen aus den mimenden Damen wahre Blickfänger werden und schlecht sitzende Anzüge und geschmacklose Pullover sorgen dafür, dass die Herren da kaum hinterherhinken. Darüber hinaus verleiht das namengebende Gefährt mit seiner extravagant-eckigen Optik dem Film einen weiteren Schauwert, der so wohl nur in diesem Jahrzehnt funktionieren konnte.

Folglich sehr viel mehr von Stimmung und Stil als von Spannung und Inhalt lebend, steht Cokeliss aber immerhin ein namhafter Cast zur Verfügung, der ebenfalls dazu befähigt ist, über so manche Schwäche hinwegzutrösten. So darf man einem noch recht jungen Tommy Lee Jones folgen, der sich hier mit eiserner Miene die Karriereleiter empormimt. Seine Rolle ist vielleicht eines der augenscheinlichsten Erbstücke von Carpenter, entspricht sie doch exakt dem von diesem stets so geliebten einsamen Antihelden-Typus. Linda Hamilton war zwei Jahre nach ihrem Durchbruch in TERMINATOR (1984) ohnehin auf das Genre Sci-Fi-Action gebucht und fügt sich folglich gelungen in das Werk ein (von einigen allzu wagemutigen Perücken-Experimenten einmal abgesehen). Robert Vaughn gibt den klassischen 80ies-Antagonisten, während Bubba Smith, seit 1984 fester Bestandteil der POLICE ACADEMY-Reihe, als schmieriger Regierungsvertreter überzeugt. Mit Herrschaften wie Lee Ving oder Dan Shor sind auch die Nebenrollen fein besetzt, sodass es hier letztlich nichts zu meckern gibt.

Ryland: Interessante Maschine. Was ist das?
Nina: Eine interessante Maschine.

Dass trotz einige meckern werden, liegt letztlich sicherlich daran, dass BLACK MOON inhaltlich bestenfalls Standardkost darstellt. Unzählige Thriller dieses Jahrzehnts bringen da ähnliches oder besseres zustande. Aber wer in seinem Herzen einen Platz für oberflächliche Action-Thriller hat und wem bei strahlendem Neonlicht und wummerndem New-Wave sofort das Herz aufgeht, der wird diesem kleinen Streifen durchaus etwas abgewinnen können. Und ich hoffe, es gibt derlei Menschen noch da draußen.

Kein großer Wurf, aber gerade für Freunde der 80er sicherlich einen Blick wert. Denn ohne groß von Inhalt und Zusammenhängen ablenkt zu werden, kann man sich hier vollends von der schillernden Neonoptik und den schmissigen New-Wave-Tracks mitreißen lassen.

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