DIE BESTIEN

Die Bestien
Blackout | Frankreich/Kanada | 1978
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als in New York eines Tages die Stromversorgung samt und sämtlich ausfällt, nutzen das ein paar kriminelle Gesellen rund um den verrückt-gefährlichen Christie (Robert Carradine), um aus ihrem Gefangenentransport auszubrechen. Sie suchen Zuflucht in einem Hochhaus, dessen Bewohner sie sogleich zu terrorisieren beginnen. Einzig der einsame Cop Dan Evans (James Mitchum) ist in dieser Dunkelheit zur Stelle und stellt sich den finsteren Halunken in den rabenschwarzen Untiefen des Hochhauses entgehen.

Der 25 Stunden währende Stromausfall im New York des Jahres 1977 ist heute legendär. Meist beruht seine Bekanntheit jedoch auf dem Umstand, dass rund neun Monate nach diesem 13./14. Juli eine Unzahl an Neugeborenen die Entbindungsstationen des Big Apple bevölkerte. Weniger häufig wird erwähnt, dass die seit Beginn der 70er Jahre ohnehin von Kriminalität zerrüttete Stadt in dieser Nacht vollends ins Chaos stürzte. Diebstahl und Raub bestimmten das Straßenbild in den ärmeren Vierteln und allenthalben wurden Brände gelegt; über 1.000 einzelne Brandherde soll es gegeben haben, von sonstigem Vandalismus ganz zu schweigen. Als am nächsten Tag der Strom zurückkehrte, blickten die Bewohner der Stadt auf teils völlig zerstörte Straßenzüge, der Pöbel war allerdings wieder in seine Höhlen zurückgekehrt.

Christie: Ich behandele dich viel besser als New York mich behandelt hat.

Diese Nacht blieb dem französischen Filmemacher Eddy Matalon, der 1977 mit CATHYS FLUCH seinen ersten Film auf kanadischen Boden inszeniert hatte, allerdings derart im Gedächtnis haften, dass es wenige Monate später mit der Produktion eines Spielfilms begann, der diese Nacht zum Mittelpunkt seiner Handlung sollte. Und da sich ein Filmdrehbuch auch gemütlich zu dritt schreiben lässt, holte sich Matalon umgehend zwei Kumpanen ins Boot: Kanadier John Dunning, der als Produzent gerade die Cronenberg-Frühwerke PARASITEN-MÖRDER (1975) und RABID – DER BRÜLLENDE TOD (1977) realisiert hatte, und John C.W. Saxton, der (S)Exploitation-Freunden vor allem durch seine Drehbucharbeit an ILSA – DIE HÜNDINNEN VOM LIEBESLAGER 7 (1975) bekannt sein dürfte.
Das von diesen Dreien Geschaffene stellt sich dann als flotter Action-Thriller heraus, der vor allem mit einer gelungenen Atmosphäre punkten kann. Das düstere Hochhaus mit seinen unübersichtlichen Fluren, die beengten Wohnräume sowie die schattigen Treppenhäuser sorgen für eine stilvoll-schmuddelige Umgebung. Da ist es dann auch hinfällig, dass das Drehbuch sich weniger darauf konzentriert, Spannung zu erzeugen (tatsächlich sind die diversen Geschehnisse durchweg äußerst vorhersehbar), als vielmehr das Vorhaben verfolgt, die im Zentrum stehende Verbrechergruppe als möglichst niederträchtig ins Bild zu fassen.

Dazu nutzt Matalon verschiedene Grausam- und Abscheulichkeiten, darunter Vergewaltigung, Folter und Mord. Beatmungsgeräte werden abgestellt und Kunstwerke verbrannt, diese Bösewichte machen vor gar nichts halt. Der Film bedient sich dabei durchaus einigen brutaler Spezialeffekte, es bleibt jedoch stets die morsch-brutale Stimmung, die das eigentliche Grauen erzeugt. Diese geht von jenen zerrütteten Gestalten aus, für deren Besetzung Matalon sogar einige durchaus namhafte Persönchen engagieren konnte.

Mutti: Aber eines muss klar sein, ich werde nicht einen dieser griechischen Tänze tanzen. Ich meine die mit dem Taschentuch …

Der noch recht junge Robert Carradine darf als Hauptantagonist voll und ganz freidrehen und sich eine Boshaftigkeit nach der nächsten überlegen. Er bestimmt das Bild der Kriminellen, während Don Granberry als Chico eher für den enervierenden Teil der Besetzung verantwortlich ist. James Mitchum darf als aufrichtiger Bulle Dan für Ordnung sorgen und nebenbei auch Annie Gallo, gegeben von Belinda Montgomery, aus den Krallen der Bestien befreien. Und obendrein gibt es noch den US-Altstar Ray Milland zu sehen, der hier als empörter Kunstliebhaber die Bourgeoisie vertreten darf. Keiner der Erwähnten mimt sich dabei allzu tief ins Herz des Zuschauers, aber einen soliden Job liefern doch fast alle ab.
Letztlich erstaunt es fast, dass der Film sich für ein (halbwegs) positives Ende entscheidet und wahrscheinlich ist es auch das, was ihn von ähnlich gelagerten Werken der späten 70’er wie JUNGE MÄDCHEN ZUR LIEBE GEZWUNGEN (1978) oder HORROR-SEX IM NACHTEXPRESS (1979) unterscheidet: DIE BESTIEN ist nicht ganz so finster und nihilistisch wie mancher Genrekonkurrent, aber nichtsdestotrotz ein gelungener, da unkompliziert wütenden Exploitation-Reißer. Wahrscheinlich war das auch der ausschlaggebende Grund, der den Filmverleih Beate Uhse dazu bewog, sich der bundesdeutschen Auswertung des Streifens anzunehmen.

Gelungener B-Thriller, der gar nicht erst versucht, mehr zu sein, als er tatsächlich ist: ein halbseidenes Exploitationfilmchen mit einer angemessenen Portion Sex und Gewalt.

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