DIE MÄDCHENHÄNDLER

Die Mädchenhändler
Die Mädchenhändler | Schweiz | 1972
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Ein schmieriger Mädchenhändler (Rolf Häubi) organisiert in Berlin die „Miss Busen“-Wahl, nur um die Gewinnerinnen gleich nach dem Wettbewerb zu entführen und an diverse Etablissements zu veräußern. Doch auch zwischen der Kidnapper-Bande und den diversen Schönheiten kommt es zu zahlreichen sexuellen Austäuschen.

Seit den späten 60er Jahren und dem riesigen Erfolg von DIE NICHTEN DER FRAU OBERST (1968) hatte der schweizerische Schmuddel-König Erwin C. Dietrich sich mit seinen diversen Filmgesellschaften einen Namen im Bereich der günstigen Sexploitation-Filmchen gemacht. Insbesondere seine Ingrid Steeger-Vehikel wie ICH – EIN GROUPIE (1970) oder DIE STEWARDESSEN (1971) räumten richtig ab, was Dietrich jedoch nicht davon abhielt, diese in Fachkreisen recht renommierten Werke mit einer riesigen Anzahl von ungleich günstigeren Schmuddelfilmchen zu unterfüttern. Zusammen mit seinem etatmäßigen Kameramann Peter Baumgartner entstand 1972 – neben einem halben Dutzend ähnlicher Streifen – auch DIE MÄDCHENHÄNDLER, der dem altbekannten Konzept etwas der in den 70er Jahren aufkeimenden Gewaltfaszination beizumischen suchte.

Typ: Oh, da läuft’s mir aber warm die Schenkel runter!

Also werden die Damen hier, freilich erst nachdem sie ihre Körperlichkeit hinreichend in die Kamera gehalten haben, entführt und in ein düsteres Verlies gesperrt. Diverse Herren grabbeln sodann ein wenig an der Damenschaft herum, bevor die Mädels dann diversen Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Eine richtige Handlung gibt es dabei natürlich nicht und so richtig gehandelt wird auch nicht. Immerhin eine Dame verschlägt es in einen offenkundig orientalischen Landstrich, was Dietrich dann dazu befähig, günstig eingekaufte Archiv-Aufnahmen aus irgendeiner Dokumentation in sein Werk hineinzuschneiden. Der ruppige Schnittwechsel von den verwaschenen Doku-Aufnahmen hinein in den mit vermeintlich authentisch anmutenden Schriftzeichen geschmückten Kellerraum einer schweizerischen Produktionsstube sorgt immerhin für herzhaftes Lachen beim Betrachter.

Ansonsten fallen selbst die wenigen angedeuteten Vergewaltigungen und sonstigen Misshandlungen auffällig handzahm aus, sodass der Film seinem Titel kaum zu größerer Ehre gereicht. Dafür schmuddelt das Ding aber nach Herzenslust vor sich hin, sodass es quasi ständig entblößte Körper zu sehen gibt. Männlein wie Weiblein halten dabei ihre Pracht in die Linse (und kratzen sich teilweise auch höchst ungeniert) und erzeugen so die Hauptschauwerte des Films. Trotz diverser Beischlaf-Sequenzen wird hier übrigens auf nachträglich produzierte Hardcore-Schnipsel verzichtet, es bewegt sich alles im überschaubaren Rahmen.

Mädel: Wie viele Freier haste gehabt?
Freundin: Drei Mal von hinten, drei Mal von vorne und vier Mal im Auto.

Mit Christa Free gibt es neben zahlreichen eher unbekannten Gesichtern eine der bekannteren Vertreterinnen der Dietrich-Factory zu sehen, allerdings kann auch das keineswegs überspielen, dass die Darstellerschaft hier erwartungsgemäß austauschbar ausfällt. Der Film überzeugt stattdessen eher mit seinen zahlreichen Kalauern und sonstigen verbalen Ergüssen, die so manche plumpe Entkleidung doch noch zum Erlebnis machen. Grenzenlose Naivität und allerlei Szenen, die das Konzept dieses Films nur allzu charmant offenlegen, sorgen zusammen mit der schmissigen Musik dafür, dass Freunde von leichter Sexploitation-Unterhaltung hier voll auf ihre Kosten kommen. Gen Ende vergisst der Film dann leider, was er eigentlich vorhatte und dümpelt stattdessen in einem Bordell vor sich hin, wo vor allem die Darbietungen von Nadine De Rangot im Gedächtnis belieben –dienten sie doch ein paar Jahre später als Vorlage für das Filmplakat zu FRAUEN DIE FÜR SEX BEZAHLEN (1974).

Gerade wegen seiner charmanten Unbeschwertheit und den zaghaften Versuchen, neben nackten Menschen auch etwas Gewalt zu zeigen, kann sich DIE MÄDCHENHÄNDLER durchaus aus der Masse der ähnlich gelagerten ECD-Filmchen hervortun. Äußerst solide Schmuddel-Unterhaltung!

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