GRAF DRACULA IN OBERBAYERN

Graf Dracula in Oberbayern
Graf Dracula in Oberbayern | Deutschland | 1979
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Fotograf und Unternehmer Stan (Gianni Garko) möchte im oberbayrischen Schloss seiner Vorfahren eine Diskothek einrichten. Zunächst lässt sich dieses Vorhaben auch ganz gut an, doch dann erwacht im Kellergewölbe des Schlosses der blutsaugende Graf Stanislaus (Gianni Garko) mitsamt seiner holden Gräfin Olivia (Betty Vergès). Die beiden machen sich über die Partygäste, darunter auch die hübsche Mausi (Bea Fiedler), her und schließlich ist es an dem dusseligen Leopold (Tobias Meister), den Unholden Einhalt zu gebieten.

Seit Mitte der 70er Jahre verdingte sich der schweizerische Filmemacher Carl Schenkel mehr und mehr als Regieassistent. Er begleitete Sigi Rothemund bei dessen Werken DREI BAYERN IN BANGKOK (1976) oder GRIECHISCHE FEIGEN (1977) und arbeitete auch mit Franz Josef Gottlieb an SUNNYBOY UND SUGARBABY (1979), bis er 1979 dann schließlich sein eigenes Regiedebut in Angriff nahm. Und so vermag es auch nur höchst wenig zu erstaunen, dass sich dieser erste Gehversuch in Sachen Regiestuhl ebenfalls im Metier Schmuddel und Komödie abspielen sollte.

Mädel: Dein Bruder ist vielleicht ein Arsch.
Mausi: Er ist ein Idiot, aber das liegt bei uns in der Familie.

Das Drehbuch verfasste der gute Carl höchstselbst und er bediente sich dazu der klassischen Vampir-Geschichte. Das Ziel, einen Film zu kreieren, der die Lachmuskeln seiner Betrachter fordert, sorgte aber sogleich dafür, dass die stoker’schen Grundelemente hier nach Herzenslust verballhornt werden. Stanislaus und Olivia, äußerlich ganz dem Vorbilde entsprechend, residieren in einem hübschen Kellergewölbe – und werden dort von Ralf Wolter als verdrehtem Diener Boris umhegt – aber sobald sie selbiges verlassen, haben sie sich ganz und gänzlich der Komödie unterzuordnen. Die Übergriffe der Blutsauger werden somit zu wahlweise dem Slapstick zugehörigen oder sonstwie veralberten Auftritten. Da taucht der Graf dann auch schon mal hinter dem Duschvorhang auf, während der Soundtrack eine Hommage an DER WEIßE HAI (1975) zelebriert. Aufgrund der familiären Hintergründe gleichen sich Hauptrolle Stan und Graf Stanislaus wie ein Ei dem anderen (Gianni Garko mimt sich hier mit einem selten gesehenen Overacting durch seine Doppelrolle), was ebenfalls für zahlreiche gelungene bis dümmliche Scherze sorgt. Und während der Film zu Beginn noch das Vorhandensein eines ernsthaften Plots suggeriert, zeigt sich bereits nach wenigen Minuten, dass hier einfach verschiedene Episoden von Vampir-Übergriffen und Schmuddel-Attacken aneinandergereiht werden.

Immerhin finden diese Üblichkeiten aber innerhalb der stimmigen Mauern der schweizerischen Burg Hohenwerfen statt, die in ihrem Inneren zahlreiche schöne Räumlichkeiten zu bieten hat (weshalb sie auch 1968 als Drehort für Brian G. Huttons Agentenkriegsfilm AGENTEN STERBEN EINSAM diente). Neben holzgetäfelten Sälen und modrigen Gemäuern gibt es dann auch genügend Platz für die Kellerdisko Drop In, die natürlich aus Tummelplatz all der modischen und akustischen Zeugnisse jener Epoche dient. Das zeitgenössische Duo Mokka bietet seinen eigens geschriebenen Hit Rock me Dracula dar, während der Raum erfüllt ist von Haarspray und Schulterpolstern. Klasse!
Abseits dieser Schauwerte liegt das Augenmerk Schenkels neben dem erwähnten Garko vor allem auf Bea Fiedler, die hier tut, was sie in Filmen stets zu tun pflegte. An ihrer Seite gibt es mit Giacomo Rizzo einen Mimen der zweiten Garde zu sehen und mit Alexander Grill tritt auch der Inbegriff des bayrischen Seppels auf; eine Rolle, die Grill in mehreren Dutzend ähnlich gelagerter Werke zur Schau stellen durfte. Erwähnenswert ist darüber hinaus natürlich noch Tobias Meister. Der spätere bekannte Synchronsprecher (die Herren Brad Pitt, Kiefer Sutherland oder Forest Whitaker sabbeln im Deutschen mit seiner Stimme) darf hier als Jogginghosen-Proll Leopold durch den Film wanken und im Finale als Vampirjäger-Kasper für einige Lacher sorgen.

Typ: Die Fotos sind sehr schön, mi gefällt vor allem ihr humorvoller Sadismus.

Das Finale hält übrigens auch eine Überraschung bereit, die den Film angenehm vom Gros seiner Genrekollegen abzuheben vermag. Denn während nur allzu viele Schmuddelfilme dieser Machart irgendwann im Sumpf aus Blödelei und nackten Tatsachen versinken, schafft es Schenkels Werk mit einem geschickten Kniff, diesem (zu gewissen Zeitpunkten durchaus drohenden) Schicksal zu entgehen. Die Anstellung der lebenssaftsaugenden Herrschaften als Attraktion eines Burghotels verleiht dem Film auf den letzten Metern noch mal neuen Schwung und sorgt gar für einige hintergründige Formulierungen. Darin nun ein Statement bezüglich dessen platten Ausverkaufs klassischer Horrortraditionen zu sehen, wäre sicherlich eine allzu weitgehende Interpretation, aber eine nette Abwechslung stellt der Showdown, mitsamt seiner Montage von malochenden und Zähne putzenden Vampiren, dann doch dar.

Überwiegend gelungene Schmuddel-Horror-Mixtur, die sich aufgrund einiger guter Ideen und einer engagierten Besetzung durchaus aus dem Gros der ähnlich gelagerten Produktionen erheben kann. Sicherlich kein Meisterwerk, aber doch solide Unterhaltung mit all den Ecken und Kanten (aber auch Vorteilen), die deutsche Genrefilme jener Tage nun einmal aufweisen.

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