COFFY – DIE RAUBKATZE

Coffy – Die Raubkatze
Coffy | USA | 1973
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Da miese Dealer ihrer kleinen Schwester Drogen verabreicht haben, begibt sich Coffy (Pam Grier) auf einen Rachefeldzug gegen die örtlichen Drogenhändler. Als auch noch der Coffy eng verbundene Bulle Carter (William Elliott) von den Gangstern zusammengeschlagen wird, nimmt sich Coffy vor, die ganz großen Haie zur Strecke zu bringen. Neben dem Zuhälter King George (Robert DuQui) ist das vor allem der verschlagene Arturo Vitroni (Allan Arbus).

Kurz nachdem die Blaxploitation-Welle mit der Veröffentlichung von SWEET SWEETBACKS LIED (1971) und SHAFT (1971) so richtig ins Rollen geraten war, hatte der gewiefte US-amerikanische Produzent Samuel Z. Arkoff mit seiner American International Pictures bereits mit Filmen wie SLAUGHTER (1972) oder BLACULA (1972) daran partizipiert. Danach wollte er eigentlich zusammen mit dem Schauspieler Max Julien, der ein Drehbuch über eine Figur namens Cleopatra Jones geschrieben hatte, einen Blaxploitation-Reißer rund um eine afroamerikanische Rächerin drehen, doch Julien wanderte mit seiner Idee zum Major-Studio Warner Brothers ab, wo Regisseur Jack Starrett daraus EIN FALL FÜR CLEOPATRA JONES (1973) machte.
Arkoff wollte sich davon allerdings nicht ausbremsen lassen und engagierte kurz darauf den Exploitation-Filmer Jack Hill, der bereits 1963 zusammen mit Roger Corman und Francis Ford Coppola an THE TERROR – SCHLOSS DES SCHRECKENS gearbeitet hatte oder auch 1970 bei den Dreharbeiten zu ICH – EIN GROUPIE mit Erwin C. Dietrich aneinander geraten war. Und da Hill soeben die auf den Philippinen entstanden Women-in-Prison-Filmchen THE BIG DOLL HOUSE (1971) und THE BIG BIRD CAGE (1972) fertiggestellt hatte, hatten die beiden auch gleich eine Hauptdarstellerin zur Hand.

King George: Wie mein Vater schon sagte: Es ist nicht alles Trübsal, was geblasen wird.

Denn in beiden Werken hatte Pam Grier eine Rolle abgeleistet. Die 24-Jährige hatte zudem in Eddie Romeros FRAUEN IN KETTEN (1973) überzeugt und so stand ihrer Besetzung nichts im Wege. Und wenn man schon einen Blaxploiter produziert, einen Genrefilm, dem man ja ein gewisses Gespür für gesellschaftliche Schieflagen nachsagen kann, dann kann man doch auch gleich dem Sexismus den Mittelfinger zeigen. Also wurde Grier kurzerhand zur alleinigen Hauptrolle erklärt, die hier dem Privatdetektiv SHAFT folgend das Gesetz in die eigenen Hände nimmt.
Hill schrieb dazu ein Skript, welches zwar keine großen Sprünge oder sonstige Überraschungen bereithält, welches sich aber formvollendet darum bemüht, seine Hauptfigur in Szene zu setzen. Griers Figur Coffy ist selbstbewusst und schlagkräftig, aber auch rau und rücksichtslos. Dass Hill sie trotzdem in all ihrer Weiblichkeit in Szene setzt, tut dem positiven Bild, das hier gezeichnet wird, kaum einen Abbruch – ganz im Gegensetz zu sämtlichen anderen Damen, die hier alle nur der niederen Schauwerte halber auftreten dürfen. Einzig die drogenabhängige Bordsteinschwalbe, die Coffy den Weg zu King George weist, bildet hier eine rühmliche Ausnahme. Und dass der coole Dialog zwischen den beiden Damen dann ebenso polternd wie überraschend von einer weiteren Frau unterbrochen wird, unterstreicht wohltuend den angenehm geschlechtergleichen Ton des Films.

Gleiches gilt für die Verteilung der Halunken auf die diversen Hautfarben, denn auch hier gibt sich Hill keine Blöße und besetzt die Seite der Bösen mit Weißen und auch Schwarzen. Dabei unterhält Allan Arbus als superschmieriger drogendealender Zuhälter und Robert DuQui gibt mit King George den Inbegriff des Pimp. Booker Bradshaw darf als hinterhältiger Stadtrat Howard beweisen, dass Geldgier und Rücksichtlosigkeit wahrlich nicht an Hautfarben gebunden ist und Exploitation-Ikone Sid Haig, den Hill bereits auf den Phillipinen im Gepäck hatte, darf ebenfalls nach Herzenslust vom Leder ziehen.

Howard: Du weißt, dass ich niemals Geschäft mit Vergnügen mische – und wenn dann nur im Verhältnis drei zu eins.

Und da wären wir auch schon beim Thema, denn der Film gibt sich tatsächlich keine Blöße und bietet Gewalt und menschliche Abgründe allerorten. Knallharte Schlägereien, Kopfschüsse und allerlei sonstige Unannehmlichkeiten erwarten den Zuschauer. Es wird geflucht was das Zeug hält (die deutsche Synchronisation überträgt die Sprüche recht ordentlich) und auch nackte Tatsachen säumen das Bild hin und wieder. Vor allem aber reiht Hill diese Ingredienzien so hintereinander, dass sie einen ungemein flotten und abwechslungsreichen Film ergeben. Hier ist immer was los, die Story treibt ständig vorwärts und zusammen mit Roy Ayers feinstens ausgewähltem Soul-Soundtrack ergibt sich so großartiges Black Cinema.
So ist es dann auch wenig erstaunlich, dass Arkoffs Produktion der Konkurrenz in Form von EIN FALL FÜR CLEOPATRA JONES nicht nur standhalten konnte, sie lief sogar deutlich erfolgreicher in den Kinos als der Warner-Streifen. In seiner unkomplizierten und direkten Art zählt der Film heute zu den Klassikern des Genres und ein Jahr später schoben Arkoff und Hill mit FOXY BROWN (1974) natürlich ein ganz ähnlich gelagertes Werk hinterher. Aber auch abseits der Genre-Zugehörigkeiten stellt COFFY – DIE RAUBKATZE einfach einen ungemein gelungenen Exploitation-Reißer dar.

Feinste Blaxploitation-Unterhaltung, die zudem mit der wunderbaren Pam Grier in der Hauptrolle auftrumpft. Harte Action, schmissige Musik und viel Sleaze sorgen dafür, dass sich der Streifen ganz vorne innerhalb der Genre-Hitliste einreihen kann.

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2 Antworten zu “COFFY – DIE RAUBKATZE

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