ASTRO-ZOMBIES – ROBOTER DES GRAUENS

Astro-Zombies – Roboter des Grauens
Astro Zombies | USA | 1968
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als bekannt wird, dass der verrückte Wissenschaftler Dr. DeMarco (John Carradine) aus Leichenteilen merkwürdige neue Wesen zusammenbastelt, die seinem Willen unterstehen, weckt das das Interesse diverser Parteien. Neben den CIA-Agenten Holman (Wendell Corey) und Eric Porter (Tom Pace) ist es auch die exotische Schönheit Satana (Tura Satana), die sich das Wissen des Doktors unter den Nagel reißen möchte. Ein erbittertes Wettrennen beginnt.

Der US-amerikanische Independent-Filmer Ted V. Mikels hatte sich mit Reißern wie DR. SEX (1964), THE BLACK KLANSMAN (1966) oder TREFFPUNKT LOS ANGELES (1968) bereits einen Namen bei Freunden einschlägiger Kinounterhaltung gemacht, als ihm zusammen mit seinem Autoren, Produzenten und Kumpel Wayne Rogers die Idee kam, dass es nun an der Zeit für einige etwas ausgefallenere Stoffe sei. Zombies? Roboter? Außerirdische? Das alles reichte Mikels und Rogers scheinbar nicht aus und so verabreichten sie ihrem neusten Konzept auch noch eine kräftige Prise des klassischen Frankenstein-Themas und mischten noch etwas Gedankenübertragungs-Hokuspokus hinzu. Mit diesem Skript und ein paar Groschen in der Hand fertigte Mikels dann einen seiner bis heute bekanntesten Streifen an.

Chuck: Das verstehe ich nicht. Wenn DeMarcos Experimente soweit fortgeschritten waren, warum wurde er dann entlassen?
Holman: Wenn ein Mensch keinen Sinn mehr hat für den Unterschied zwischen einem Experiment an einem Luftwaffenoffizier und einem Kadaver, dann wird es höchste Zeit ihn zu entlassen!

Die hanebüchene Geschichte ist dabei kaum wirklich in Worte zu fassen, strotzt sie doch an allen Ecken und Enden nur so vor Logiklöchern, Unsinnigkeiten und im Nirgendwo verlaufenden Handlungselementen. Aber in der Welt der Herrn Mikels ist das gar kein Problem und so darf der Mad Scientist hier nach Herzenslust Bluttransfusionen mit grüner Pampe und Erinnerungs-Extraktionen mit Wärmelampen durchführen. Ganz grundsätzlich ist die Menge an pseudo-wissenschaftlichem Tamtam hier bemerkenswert groß, schafft es Dr. DeMarco doch nicht mal durch einen einzigen Satz, ohne diesen mit allerlei freierfundenen Begrifflichkeiten auszustaffieren. Dass das alles weder Spannung erzeugt noch einem sinnbehafteten Finale entgegensteuert, bedarf wahrscheinlich kaum einer gesonderten Erwähnung.

Im Gegensatz zu seinen früheren Werken gelang es Mikels dieses Mal, durchaus namhafte Akteure an Bord zu holen. So gibt es Hollywoodstar John Carradine in der Rolle des verrückten Doktors zu sehen und tatsächlich ist sich der renommierte Mime nicht zu schade, hier ein wahres Overacting-Feuerwerk abzubrennen. Auch Wendell Corey als Holman und Victor Izay als Dr. Petrovich sind keine Unbekannten, während die Hauptdarsteller Tom Pace und Joe Hoover eher dem Mikels-Dunstkreis entstammen. Bemerkenswert ist sicherlich noch das Mitwirken der begnadeten Tura Satana, die seit ihrem Auftritt in Russ Meyers DIE SATANSWEIBER VON TITTFIELD (1965) sicherlich zu den Koryphäen des Genres zählte.

Juan: Nimm deine Flossen aus der Tasche, sonst seh‘ ich mit deine Luftröhre mal von innen an!

Mit wenig Esprit aber umso mehr Herzblut inszeniert Mikels dann eine Hatz durch die Vororte Los Angeles‘, die wie erwähnt zwar weder spannend noch einfallsreich ist, die aber zu jeder Zeit den Charme des US-amerikanischen Independent-Kinos jener Tage versprüht. Hinterzimmer und Garagen dienen als Kulissen für mäßig gespielte Dialoge und diverse Actionszenen. Dabei nehmen weder Gewalt noch Freizügigkeit überhand, lediglich das Finale hält einige Tropfen Filmblut bereit. Stattdessen darf man sich aber an Nicolas Carras schmissigem 60ies-Score erfreuen und gleichzeitig den unverfälschten Stil einiger Nachtclubs genießen (der natürlich auch durch die Sprücheklopfer-Synchronisation der deutschen Verleiher befördert wird).
So dürfte es dann für jeden, der dieser Art von Film wohlgesonnen ist, ein wahrhaftiger Beleg dafür sein, dass das US-amerikanische Independent-Kino der 60er Jahre noch ein echter Gegenentwurf zum Big Budget-Terror der Großstudios war. Mikels wiegt das fehlende Geld hier mit einer großen Portion Liebe wieder auf und machte ASTRO-ZOMBIES – ROBOTER DES GRAUENS so zu seinem bis heute wohl bekanntesten Werk; welchem er seit der Jahrtausendwende sogar noch drei Nachfolger spendierte. Des Weiteren ebnete der Film den Weg für zahlreiche weitere Mikels-Granaten, die in den folgenden Jahren entstehen sollten, darunter Perlen wie DIE LEICHENMÜHLE (1972), DIE BLUTORGIE DER SATANSTÖCHTER (1972) oder DAS KOMMANDO DER FRAUEN (1973).

Schöner Independent-Reißer, der die Auffassung von Film, die Ted V. Mikels vertritt, wunderbar auf den Punkt bringt: nicht Geld und Technik sind es, die einen Film zu einem lebendigen Werk machen, sondern Liebe und Herzblut. Beides investiert er hier zuhauf und sorgt so für ein – entsprechendes Interesse vorausgesetzt – unterhaltsames Filmchen.

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