VERGESSENE WELT – JURASSIC PARK

Vergessene Welt – Jurassic Park
The Lost World: Jurassic Park | USA | 1997
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum) erfährt, dass sich seine Freundin, die Biologin Dr. Sarah Harding (Julianne Moore), auf der Isla Sorna befindet, einer Dino-Aufzuchtstation, die nur wenige Kilometer von der Unglücksinsel Isla Nublar entfernt liegt, bleibt ihm nichts anderes übrig als sofort dorthin zu fliegen. Doch neben dem Fotografen Nick Van Owen (Vince Vaughn) und dem Ingenieur Eddie Karr (Richard Schiff) schleicht sich auch Malcolms Tochter Kelly (Vanessa Lee Chester) mit an Bord. Und als wäre das nicht schon schlimm genug trifft diese Gruppe auf der Isla Sorna auch noch auf den geldgierigen Peter Ludlow (Arliss Howard) und den Großwildjäger Roland Tembo (Pete Postlethwaite).

Steven Spielbergs JURASSIC PARK (1993) war seinerzeit ein Welterfolg; sowohl was die Kritiken als auch das Einspielergebnis anging. Gute 900 Millionen US-Dollar spülte der Film in die Kassen und gleichzeitig setzte er neue Maßstäbe, was die Verbindung von konventioneller und der damals frisch aus der Taufe gehobenen digitalen Tricktechnik anging. Kein Wunder also, dass Spielberg, der nach dem kurz nach JURASSIC PARK erschienen SCHINDLERS LISTE (1993) erstmal einer längeren Auszeit bedurfte, ein paar Jahre später der Meinung war, es wäre endlich an der Zeit für seine erste Fortsetzung. Denn die bis dato drei Teile des INDIANA JONES-Franchise sah er stets eher als klassische Abenteuerserie und weniger als inhaltlich aufeinander aufbauende Fortsetzungen an. Nun also sollte es darum gehen, einen erfolgreichen Film bezüglich der Geschichte fortzusetzen, und deshalb wandte er sich erneut an Michael Crichton und David Koepp. Ersterer steuerte erneut eine Romanvorlage bei, den 1995 veröffentlichten Vergessene Welt, und letzterer bastelte daraus erneut – und dieses Mal ohne Crichtons unmittelbare Mithilfe – ein Drehbuch zusammen.
Dabei diente die Vorlage dieses Mal wirklich nur als grober Leitfaden, viel mehr bediente sich Koepp zahlreicher ungenutzter Elemente aus dem Roman DinoPark, der schon die Grundlage für JURASSIC PARK gewesen war. Auffällig ist dabei, dass der Film zu keinem Zeitpunkt einen Hehl aus seinen simplen Absichten macht: es sollen einfach mehr Dinos, mehr Action und mehr Effekte geboten werden. Schon in der ersten Einstellung, wenn Malcolm und Hammond sich über die neue Situation austauschen, wird dies mehr als offensichtlich. Wenn Malcolm die neue Ausgangslage schließlich zusammenfasst, tut er das mit der gleichen Ungläubigkeit, mit der der Zuschauer vor dem Gebotenen hockt. Kann es wirklich so simpel sein? Ja, kann es.

Sarah: Ich komme in fünf oder sechs Tagen nach.
Ian: Nein, du wirst in fünf oder sechs Teilen nachkommen!

So sind schon nach wenigen Minuten die Fronten geklärt und der Zuschauer kann sich seelenruhig auf das Kommende einrichten. Und hier verbirgt sich auch des Streifens größtes Problem: die Dinos sind keine Überraschung mehr. Der Zuschauer weiß, was ihn erwartet. So kann Spielberg dann auch schon in der Pretitle-Sequence einige kleine Raubsaurier zeigen, ohne dass er etwas vorwegnähme. Wenn dann schließlich der bekannte Tyrannosaurus Rex aus dem Studiodschungel hervorbricht, wirkt er beinahe schon wie ein alter Bekannter. Mit dem atemberaubenden ersten Auftreten der Dinos im Jahre 1993 hat das nichts mehr zu tun.

Dafür verlegt sich das Skript dann auf eine konsequente Aneinanderreihung von immer größeren und wilderen Effekten, bis schließlich das passiert, was bis dahin unmöglich schien: der T-Rex wird gefangengenommen. Es ist fraglich ob die letzte halbe Stunde als mehr oder minder gelungene Verbeugung vor KING KONG UND DIE WEißE FRAU (1933) (das Schiff, welches den T-Rex nach San Diego bringt, trägt sogar den gleichen Namen wie der damalige Expeditionskreuzer) oder GODZILLA (1954) wirklich nötig ist, sie zeigt allerdings nur allzu genau, was aus der ehemals zauberhaften Idee der wiederauferstandenen Urechsen geworden ist. Vier Jahre später kann nicht mal mehr ein durch eine US-amerikanische Großstadt flanierender Riesen-Dino für eine ähnliche Furore sorgen, wie 1993 ein paar deutlich unschuldigere Artgenossen. Dass diese Storyline darüber hinaus noch ein beachtliches Maß an Holprigkeiten und Sprüngen ausweist und so manche gute Idee bestenfalls halbherzig zu Ende gebracht wird, unterstreicht noch einmal, dass der Film seine Stärken wahrlich nicht auf inhaltlicher Ebene besitzt.

Ian: Es heißt Talent überspringt eine Generation. Ihre Kinder werden ganz sicher Intelligenzbestien.

Doch wie schon beim Vorgänger, der ungeachtet seiner Qualitäten ebenfalls mit einigen narrativen und logischen Schwächen zu kämpfen hatte, können auch dieses Mal die Inszenierung und die Trickeffekte einiges rausreißen. Spielberg bietet das alles nämlich durchweg flott und unkompliziert dar und sorgt mit dem schon bei SCHINDLERS LISTE beteiligten Kameramann Janusz Kaminski für tolle Bilder. Komponist John Williams überarbeitete das weltbekannte Thema behutsam und fügte einige neue Stücke hinzu, die allerdings allesamt genügend Platz für die bekannten Fanfaren lassen.
Und natürlich haben die Abteilungen Tricktechnik und CGI-Effekte mal wieder ganze Arbeit geleistet um die überdeutliche Prämisse des Films mach bester Möglichkeit zu unterstützen. Die Dinos sehen noch mal um einiges prachtvoll und agiler aus als noch vier Jahre zuvor und die Verbindung von realer und digitaler Tricktechnik ist ebenfalls noch ein ganzes Stück besser gelungen. Die berühmte Sequenz, in der der Forschungs-Trailer über die Klippe geht (diese wurde übrigens an einem mit einer künstlichen Felswand versehenen Parkhaus realisiert), kann auch heute noch beeindrucken, was die Spezialeffekte nachträglich adelt. Es sind derlei Effekte, die auch VERGESSENE WELT – JURASSIC PARK zu einem maßgeblichen Stück Filmgeschichte (bezüglich der Tricktechnik) machen.

Bezüglich der Schauspielerschaft gibt es mit Jeff Goldblum zumindest einen alten Bekannten zu sehen, der zwischenzeitlich in Roland Emmerichs INDEPENDENCE DAY (1996) einen weiteren finanziellen Erfolg landen konnte. Sein Dr. Ian Malcolm bietet dem Zuschauer immerhin einen Anknüpfungspunkt, auch wenn die Rolle weiterhin recht eindimensional bleibt; und all seine vermeintlich-coolen Weisheiten auch nicht mehr lustiger werden. Mit Richard Attenborough als Dr. John Hammond, Ariana Richards als Lex und Joseph Mazzello als Tim dürfen dann noch drei weiteren bekannte Gesichter selbige kurz in die Kamera halten, bevor dann die Neubestzungen das Ruder übernehmen.

Ian: Die Dinosaurier hier wegzuschaffen ist die dümmste Idee in der langen, traurigen Geschichte dummer Ideen.

Julianne Moore gibt die überschwängliche Biologin Sarah, Richard Schiff und Vince Vaughn teilen sich die Rolle des humorvollen Sidekicks und auch die 13-jährige Vanessa Lee Chester dient voll und ganz dem Humor. Diesen gegenüber darf vor allem der äußerst markante Pete Postlethwaite, der zwei Jahre zuvor in Bryan Singers DIE ÜBLICHEN VERDÄCHTIGEN den Kobayashi gab, unterhalten, der als bärbeißiger aber doch irgendwie liebenswürdiger Jäger-Stereotyp noch zu den facettenreicheren Charakteren zählt. Für den aus FULL METAL JACKET (1987) bekannten Arliss Howards bleibt hingegen nur die Rolle des völlig austauschbaren Kapitalismus-Trottels Peter Ludlow. Nein, es ist wahrlich nicht die ausgereifte Charakterzeichnung, die auch den zweiten Teil der JURASSIC-Filme zu einem Erfolg machte.
Viel mehr waren es die vordergründigen Schauwerte, die dem Film ein weltweites Einspielergebnis von guten 600 Millionen US-Dollar bescherten. Damit war er zwar nicht so beispiellos erfolgreich wie sein Vorgänger, aber doch bei weitem erfolgreich genug, um Spielbergs Versuch einer Fortsetzung im simpelsten Sinne voll und ganz zu rechtfertigen. Es gibt einfach ein wenig mehr vom Bekannten, während die vorhandenen Schwächen unkommentiert beibehalten werden. Wäre da nicht der erwähnte Abnutzungseffekt, dem die Schauwerte unterliegen, wäre das auch gar kein Problem, aber so deutet VERGESSENE WELT – JURASSIC PARK bereits eine Entwicklung an, die erneute vier Jahre später in Form von JURASSIC PARK III ihren vorläufigen Tiefpunkt erfahren sollte.

Schneller, höher, weiter: Die Fortsetzung setzt auf sämtliche Schauwerte des Vorgängers noch einen drauf, kann dessen großen Vorteil, das Unerwartete, jedoch nicht kompensieren. Und da Spielberg neben den Stärken auch die Schwächen ausbaut, reicht es letztlich bestenfalls zu einem durchschnittlichen Urteil.

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2 Antworten zu “VERGESSENE WELT – JURASSIC PARK

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