STARSHIP TROOPERS

Starship Troopers
Starship Troopers | USA | 1997
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Da seine Freundin Carmen Ibanez (Denise Richards) zum Militär geht, tut Johnny Rico (Casper Van Dien) es ihr gleich. Doch die Welt befindet sich im Konflikt mit den Bugs, mordlüsternen Weltrauminsektoiden, sodass der Militärdienst von größer Gefahr für alle daran Teilnehmenden ist; das muss auch Johnny schon sehr bald erfahren. Dabei ist es keine Hilfe, dass Carmen zusammen mit dem hinterlistigen Zander (Patrick Muldoon) zur Raumschiffkapitänin wird, während sich Johnny bei den Bodentruppen wiederfindet, die Auge in Auge gegen die Bugs kämpfen.

Paul Verhoeven sollte nach seinem ersten ausschließlich in den USA produzieren Film ROBOCOP (1987) mit DIE TOTALE ERINNERUNG – TOTAL RECALL (1990), BASIC INSTINCT (1992) und SHOWGIRLS (1995) eine beeindruckende Serie an ebenso erfolgreichen wie zwiespältig oder kontrovers aufgenommenen Filmen hinlegen. Seine explizite bis überzogene Darstellung von Sexualität und Gewalt brachte ihm einen Ruf ein, der ihn mal mit dem Vorwurf der Plakativität oder kühlen Berechnung, mal mit der Adelung der Hintergründigkeit und geschickten Karikierung bedachte. In jedem Falle aber motivierte er diverse Filmstudios dazu, Verhoeven mit immensen Budgets auszustatten, um dessen Fantasien Wirklichkeit werden zu lassen. So investierten Columbia Pictures und TriStar Pictures runde 100 Millionen US-Dollar in Verhoevens Idee, einen Robert A. Heinlein-Roman in ein filmisches Format zu überführen.
Heinleins 1959 veröffentlichter gleichnamiger Roman musste dabei deutlich gekürzt und gestrafft werden um ihn verfilmbar zu machen. Es war erneut Drehbuchautor Edward Neumeier, der diese Arbeit für Verhoeven übernahm. Neumeier war zuvor an ROBOCOP, sowie dessen beiden Fortsetzungen ROBOCOP 2 (1990) und ROBOCOP 3 (1993) beteiligt gewesen, und sollte nun seine wohl größte Aufgabe übernehmen. Denn neben dem schieren Umfang sah sich Heinleins in Deutschland erst 1979 unter dem Titel Sternenkrieger veröffentlichter Roman auch zahlreichen Vorwürfen gegenüber, von denen sicherlich die der faschistoiden und reaktionären Grundhaltung die schwerwiegendsten waren. Inwieweit diese Vorhaltungen tatsächlich zutreffen kann hier nicht abschließend geklärt werden, es sollte jedoch auch ein Thema werden, mit welchem sich die Filmproduktion auseinanderzusetzen haben würde.

Zim: Alles was mehr als zwei Beine hat wird sofort erschossen, kapiert?

Denn die dargestellte Welt strotzt tatsächlich vor derartigen Übeln: eine Weltregierung, die der Demokratie als gescheiterte Staatsform abgeschworen hat; ein Militärsystem, das nur Menschen, die Wehrdienst geleistet haben, zu vollständig anerkannten Bürgern macht; ein Krieg gegen Wesen, deren aggressive Grundhaltung sehr viel mehr Annahme als Gewissheit ist. Innerhalb dieser Welt begleitet der Zuschauer junge Menschen, die sich kaum ernsthaft mit Krieg, Politik und Gesellschaft beschäftigen, sondern die hurra-patriotisch herumrennen- und ballern. Es wird ein Bild gezeichnet, dass die Teilnahme am Krieg zur höchsten Form der gesellschaftlichen Teilhabe erhebt.

Dieses Bild zieht Verhoeven dann allerdings derart tief durch den Kakao, dass die Entscheidung der damaligen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, der Film könne aufgrund seiner pro-militaristischen Haltung sozial-ethisch desorientieren, wie blanker Hohn wirkt. Wie schon in ROBOCOP und DIE TOTALE ERINNERUNG – TOTAL RECALL nutzt Verhoeven nämlich erneut inszenatorische Mittel, um seinen Inhalt zu persiflieren. Am vordringlichsten sind hier sicherlich erneut die Werbespots zu nennen, in denen die Weltregierung für Krieg und Militär wirbt. Diese sind derart überzeichnet, dass es quasi unmöglich wird, diese Parodie nicht als solcher zu erkennen. Aber auch das gesamte Militärwesen mit seinen blinden Parolen, seiner unübersehbaren Menschenverachtung und den mehr als fragwürdigen Legitimationen wir zu einem Instrument blanker Satire. Im Buch tatsächlich deutlich weniger stark ausgeprägt, konstruieren Neumeier und Verhoeven im Film eine Welt, in der zu guter Letzt lediglich der blanke Hohn für die kriegstreibenden Mechanismen übrigbleibt. Dass die höhergestellten Soldaten der Erdenmilitärs samt und sämtlich in frappierend offensichtlich dem NS-Regime entlehnte Uniformen gekleidet sind, untermauert den impliziten Vorwurf, den Verhoeven hier erhebt, zudem überdeutlich.

Rasczak: Sieh mal: Das ganze Gehirn weggelutscht!

Es sagt einiges über den Kreis der Rezipienten aus, dass diese überdeutliche Karikierung kaum (stellenweise gar nicht) wahrgenommen wird. Stattdessen wird der Film ständig als Sci-Fi-Kriegs-Actioner rezipiert. Bei den einen, um ihm daraus einen Strick zu drehen (die Indizierung des Films wird noch bis 2024 Bestand haben), und bei den anderen, weil sie die brutalen Schauwerte mehr schätzen als den satirischen Inhalt. Und tatsächlich macht es Verhoeven letzteren leicht, das Augenmerk auf die optischen Darbietungen zu legen. Zusammen mit Produktionsdesigner Allan Cameron, der mit 1984 (1984), HIGHLANDER – ES KANN NUR EINEN GEBEN (1986) oder WILLOW (1988) bereits einige beeindruckende Leistungen abgeliefert hatte, erschafft er eine Welt, die die Gelüste juveniler Action-Durstiger nur allzu gekonnt bedient: dicke Wummen, riesige Raumschiffe, nackte Mädels und fiese Bugs. Dazu Massen an toll gebastelten Splattereffekten und allerlei umherfliegende Flüssigkeiten und Körperteile. Der Krieg wird dabei nie schrecklich oder schlimm dargestellt, sondern stets als betont zielführende Form der Auseinandersetzung. So öffnet Verhoeven den oben genannten Kritiken Tür und Tor, so schafft er aber gleichzeitig eine konsistente Welt, in der das zentrale gesellschaftliche Thema Krieg eben nur wenig Schrecken besitzt. Und selbst wenn es mal zu Tod oder Verstümmelungen kommt, dann kann das die jungen Soldaten bestenfalls kurzzeitig ausbremsen.

Die Tricktechnik überzeugte damals vorbehaltlos und die Spezialeffekte zählen auch heute noch zu den ansehnlicheren aus jener Epoche; und bei der frühen Verwendung von CGI-Effekten gilt das wahrlich nicht für sämtliche zeitgeschichtliche Kollegen des Films. Tolle Massenschlachten mit geschickt animierten Bugs, eine gelungene Interaktion von realer Tricktechnik und CGI sowie schmissige Weltraumschlachten sorgen für Kurzweil und Unterhaltung. Die meist handgefertigten Gewalteffekte sind heute Kult und so mancher Tod wird noch heute in der Popkultur zitiert. Wie bei Verhoeven üblich fällt das Art Design dabei sehr comichaft aus, sowohl was Stil als auch Farbgebung und Kameraarbeit angeht.
Selbstredend, dass in einer solchen Welt auch die Charaktere zu Modellen werden. Casper Van Dien darf als Johnny Rico auftrumpfen und den zunächst unentschlossenen und dann mehr und mehr im Sumpf den Militärgehabes untergehenden Jüngling geradezu zelebrieren. Die tiefe Gesellschaftskritik, die dieser Rolle innewohnt, die trotz der erlebten Gräuel und erkannten Probleme zu einer der treibenden Kräfte der irdischen Kriegslust wird, wird leider auch noch allzu oft verkannt. Gleiches gilt für Denise Richards als Carmen, die hier ebenfalls die skurrile Entwicklung junger Menschen im Militär parodiert. Ihre ständig strahlende Beauty-Queen-Aura ist der krasse Gegensatz zu den Brutalitäten des Krieges, ihr Wille, ihr gesamtes bisheriges Leben zugunsten des Militärdienstes aufzugeben, der inhaltlich Background dazu. Neil Patrick Harris wird als Carl Jenkins zum Inbegriff dieser Entwicklung, wenn er am Ende unter dem Jubel der Massen verkündet, dass der Brainbug Angst habe.

In den Nebenrollen setzt sich diese konsequente Karikierung von Rollenmodellen durchweg fort: Jake Busey als Ace, Clancy Brown als Sergeant Zim oder natürlich Michael Ironside als Leutnant Jean Rasczak passen perfekt in das überzeichnete Militärwesen und werden so zur Offenlegung des patriotischen Gehampels bei den US-Streitkräften. All die Ausrufe, die Flüche und die Bekundungen von Treue und Hingabe zeichnen das Bild einer völlig militarisierten Gedankenwelt, wie sie in dieser fiktionalen Zukunft, aber auch in der bitteren Realität existiert.

Rasczak: Sie wollten mal einen Rat von mir. Jetzt können Sie ihn haben: Nimm was Du kriegen kannst!

Und als wäre die allenthalben ungenügende Rezeption des Streifens nicht schon schlimm genug, so fühlte sich der deutsche Verleiher Buena Vista International auch noch dazu berufen, den Film inhaltlich abzuändern. Denn während man bezüglich der Gewalt keinerlei Schnitte vornahm (auch sämtliche Heimkinoauswertungen erschienen erstaunlicherweise ungeschnitten), sah man sich bezüglich einiger Äußerungen zum Handeln gezwungen. So mussten alle Passagen, die sich auf die abgeschaffte Demokratie beziehen oder die die reaktionäre und faschistische Regierungsordnung offenlegen, harmloseren Aussprüchen weichen. Auch zahlreiche der Werbespots wurden so vermeintlich verharmlost, was jedoch einen Trugschluss darstellt. Tatsächlich ist es durch diese fehlenden Hintergrundinformationen in der deutschen Fassung schwieriger (wenn auch trotzdem ohne weiteres möglich), den parodischen Charakter des Film zu erkennen. So befördert schließlich auch die ohnehin sinnfreie Anpassung dieser Szenen die fehlerhafte Interpretation des Films.
An den Kinokassen wurde der Film dann auch nur zu einem mäßigen Erfolg, erst nach seiner Heimkinoveröffentlichung (er war einer der ersten großen Erfolg des DVD-Zeitalters) gewann er mehr und mehr Fans und wurde zu einem Kultklassiker. Leider blieb ihm trotzdem eine angemessene Rezeption verwehrt und bis heute wird der Streifen nur allzu häufig als vordergründiger Sci-Fi-Actioner interpretiert. Die tiefgehende und zutreffende Kritik an militärischen und gesamtgesellschaftlichen Strukturen wird immer noch bestenfalls nebensächlich erwähnt und es wird wohl noch eine Zeit dauern, bis diesem Filme eine angemessene Beurteilung zu Teil wird. Traurig aber wahr.

Einer der wohl fehlinterpretiertesten Filme der Dekade: Paul Verhoevens grandios direkte und schonungslose Kritik an militärischen und gesamtgesellschaftlichen Schieflagen wird allzu häufig nur als vordergründiger Sci-Fi-Actioner rezipiert, was die wahre Tiefe des Films leider völlig verkennt. Dass soll nun nicht bedeuten, dass man die prächtig inszenierten und gearbeiteten Gewalteffekte nicht genießen darf, aber leider wird der ernste Hintergrund darüber allzu oft übersehen.

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Eine Antwort zu “STARSHIP TROOPERS

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