DER SATAN MIT DEN 1000 MASKEN

Der Satan mit den 1000 Masken
How to Make a Monster | USA | 1958
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Als sein angestammtes Filmstudio von geldgierigen Investoren übernommen wird, ist plötzlich kein Platz mehr für Pete Dumond (Robert H. Harris), den Hersteller von Make-ups für diverse Horrorfilme, denn die neuen Geldgeber wollen nur noch Musik- und Tanzfilme drehen. Zusammen mit seinem getreuen Gehilfen Rivero (Paul Brinegar) und mittels einer psychoaktiven Schminke macht Pete sich also die Darsteller Tony Mantell (Gary Conway) und Larry Drake (Gary Clarke) zu willfährigen Dienern bei seinem Plan, den Studiobossen das Leben zu nehmen.

Der Produzent Herman Cohen war gerade erst bei dem aufstrebenden B-Film-Studio American International Pictures eingestellt worden, als er mit DER TOD HAT SCHWARZE KRALLEN (1957) auch schon einen derer größten Erfolge schrieb und produzierte. AIP war von seinem Konzept des auf Jugendliche getrimmten Horrorkinos (der US-amerikanische Originaltitel des oben genannten Films lautete I Was a Teenage Werewolf) so begeistert, dass sie noch im gleichen Jahr mit FRANKENSTEINS TOD (1957) und BLOOD OF DRACULA (1957) zwei weitere Horror-Reißer produzierten, die ebenfalls juvenile Protagonisten ins Rennen gegen bekannte Monstergrößen schickten. Und nur ein Jahr später kam Cohen dann auf die Idee, zwei dieser beliebten Monstren in einem gemeinsamen Kinoauftritt für Unruhe sorgen zu lassen.
Doch als wäre das nicht schon einfallsreich genug, ersann Herman Cohen zusammen mit dem Drehbuchautoren Aben Kandel eine Storyline, die zudem noch aktuelle hollywood’sche Tendenzen auf die Schüppe nehmen sollte. Denn tatsächlich näherte sich Los Angeles‘ Traumschmiede nicht nur langsam aber sicher dem Ende der 50er Jahre, sondern damit auch dem Ausklang des klassischen Latexmasken-Horrorkinos. Zahlreiche Ausstatter, Effektspezialisten und Maskenbildner mussten plötzlich um ihre sichergeglaubten Jobs bangen und ebendiese Situation nutzten Cohen und Kandel als Grundlage für ihr Drehbuch.

Dumond: Die Psychologen haben sogar festgestellt, dass Gruselfilme nicht nur eine billige Unterhaltung, sondern für gewisse Menschen sogar eine Art Therapie sind.

Die Story ist dabei sehr übersichtlich angelegt und schon nach wenigen Minuten ist klar, wo der Hase langläuft. Es gibt weder Netz noch doppelten Boden, dafür aber eine flott vorgetragene Handlung, die die einzelnen Einstellungen miteinander gelungen verknüpft. Als Entschädigung dafür, dass es nichts zu rätseln oder denken gibt, bekommt der Zuschauer mit Pete Dumond einen tollen Hauptcharakter, dessen Wandlung zwar nicht allzu diffizil ausfällt, aber trotzdem jederzeit zu unterhalten vermag. Man folgt diesem einfach gern bei seiner Metamorphose vom enttäuschten Angestellten hin zum wahnsinnigen Mörder.

Gegeben wird er von Robert H. Harris, der sich bis dato in diversen TV-Klamotten herumgetrieben hatte und der 1957 in der ALARM IM WELTALL-Fortsetzung SOS RAUMSCHIFF einen der Wissenschaftler mimen durfte. Daneben ist sicherlich Gary Conway ein bekanntes Gesicht, war dieser doch schon in FRANKENSTEINS TOD in die Rolle des namensgebenden Monsters geschlüpft. Michael Landon, der in DER TOD HAT SCHWARZE KRALLEN den Werwolf gespielt hatte, ist dieses Mal leider nicht mit von der Partie, stattdessen darf Gary Clarke sich eine Menge Fell ins Gesicht kleben. Westernfachmann Paul Brinegar darf als liebeswerter Trottel Rivero noch an die Emotionen appellieren und somit sieht man sich letztlich einem zwar nicht bahnbrechenden, aber doch sehr funktionalen Cast gegenüber.

Clayton: Wie kann man nur Geld verschenken? Sie haben zu lange mit Ungeheuern zu tun gehabt, wie?
Dumond: Merken Sie sich, Mr. Clayton, die sind menschlicher als manche Menschen.

Und obwohl die Geschichte sich dem Zuschauer schon sehr früh gänzlich offenbart, schafft es Regisseur Herbert L. Strock, der neben zahlreichen TV-Filmchen und einigen Sci-Fi-Produktionen auch die beiden bereits erwähnten Streifen BLOOD OF DRACULA und FRANKENSTEINS TOD gedreht hatte, doch, über den zugegebenermaßen recht kurzen Film hinweg einen gekonnten Spannungsbogen zu konstruieren. Launige Einstellungen wechseln sich dabei mit flotten Dialogen ab und die drei Monsterübergriffe mit Todesfolge werden ebenfalls recht schmissig dargebracht. Dass dann noch die finale Filmrolle auf Farbfilm gedreht wurde, verschafft dem Streifen sogar noch eine kleine Überraschung, die es Fans nebenbei auch noch ermöglicht, das Monster aus Roger Cormans IT CONQUERED THE WORLD (1956) in Farbe zu sehen – bevor es verbrennt.

Die Zusammenführung zweier klassischer Monstren gipfelt hier in einem Kommentar zum Filmgeschäft, der zwar nicht zu den ganz großen Würfen zählt, aber trotzdem für teils unkomplizierte und teils hintergründige Unterhaltung sorgt.

4 Antworten zu “DER SATAN MIT DEN 1000 MASKEN

  1. Da war ich jetzt neugierig und habe mir gleich mal den Trailer herausgesucht. Werde den Trailer bei mir in den Warteraum schieben, vielleicht später.

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