FUTUREWORLD – DAS LAND VON ÜBERMORGEN

Futureworld – Das Land von übermorgen
Futureworld | USA | 1976
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Journalist Chuck Browning (Peter Fonda) und die TV-Reporterin Tracy Ballard (Blythe Danner) werden von Dr. Duffy (Arthur Hill) in seinen just wiedereröffneten Freizeitpark Delos eingeladen. Zwei Jahre nach einem großen Unglück, bei dem die dort tätigen Androiden Amok liefen und zahlreiche Gäste ermordeten, will dieser der Öffentlichkeit nämlich deutlich zeigen, dass der Park nun wieder sichere Abenteuererlebnisse verspricht. Doch Chuck ahnt aufgrund eines mysteriösen Mordfalls bereits, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht …

Der von Michael Crichton für Metro-Goldwyn-Mayer gedrehte WESTWORLD (1973) stellte einen beachtlichen künstlerischen und finanziellen Erfolg dar und dementsprechend war MGM auch an einer zeitnahen Fortsetzung gelegen. Doch da man nicht darauf erpicht war, derlei durchaus gefährliche, weil unberechenbare Projekte selber zu finanzieren, lagerte man die Produktion aus. Das Studio American International Pictures hatte sich seit einigen Jahren als solide B-Schmiede etabliert und erhielt von MGM nun die Rechte an der Fortsetzung von Crichtons filmischen Werk. Der umtriebige Produzent Samuel Z. Arkoff engagierte sogleich den TV-Regisseur Richard T. Heffron und gab ein Skript in Auftrag, welches die Ereignisse aus dem Erstling einfallsreich fortführen sollte – allerdings zu deutlich günstigeren Konditionen, versteht sich.
Und da man mit diesen geringen Mitteln freilich keinen Michael Crichton engagieren konnte, buchte Arkoff stattdessen Mayo Simon, der neben John Sturges VERSCHOLLEN IM WELTRAUM (1969) auch Saul Bass Ameisen-Knaller PHASE IV (1974) geschrieben hatte, und George Schenck, der sich in jenen Tagen als Fernsehschreiberling um das US-TV verdient machte. Diese beiden Herren erhielten dann die Maßgabe, dass es nicht möglich sei, die Produktion mit derart aufwändigen Setbauten wie noch drei Jahre zuvor auszustatten, und schon konnte es losgehen.

Tracy: Du, jag‘ uns nicht in die Luft
Chuck: Halt den Schnabel, hier ist ein Fachmann am Werk!

Und tatsächlich macht die Storyline zu Filmbeginn schnell den Eindruck, dass die Geschehnisse des Vorgängers platt kopiert werden sollen. Doch dann vollführt das Skript einen Schwenk und hinter den Kulissen des neuen Delos-Freizeitparks entspinnt sich eine recht gelungene Handlung um Doppelgänger und Allmachtsfantasien. Wo WESTWORLD noch fast gänzlich darauf verzichtete, die Welt hinter den Kulissen zu zeigen (und somit eine starke Fokussierung auf seine artifizielle Welt erzielte), macht der Nachfolger nun genau das Gegenteil und ignoriert dabei fast völlig, was sich im eigentlichen Freizeitpark abspielt. Denn die wirklich erschreckenden Machenschaften finden (wie immer) hinter den glitzernd bemalten Sperrholzwänden statt. Zwar bleiben die dortigen Geschehnisse im überschaubaren Rahmen, einem innovativer Sci-Fi-Gedanken begegnet man hier keineswegs, aber trotzdem schafft sich der Film so ein eigenes Profil, welches ihn als Fortsetzung vollauf legitimiert.

Heffron inszeniert die zahlreichen Verfolgungsjagden, die überwiegend in den Innereien des George Bush Intercontinental Airport sowie des Johnson Space Center in Houston gedreht wurden, dann flott und abwechslungsreich, reißt dabei jedoch keine Bäume aus. Darüber hinaus kommen ihm die gelungenen Sets zu Gute, die vor allem gen Ende für viel Stimmung und Atmosphäre sorgen. Wie bereits anklang, bleibt der Film aufgrund seiner begrenzten Mittel aber doch deutlich hinter den visuellen Schauwerten von WESTWORLD zurück; dafür gibt es erneut erste Gehversuche der damaligen CGI-Techniker zu bewundern.

Chuck: Was bietet denn ihre Hausbar so an?
Harry: Alles was Sie wollen, solange es Gin ist.

Eine herbe Enttäuschung dürfte für viele Zuschauer indes die weitgehende Abwesenheit von Yul Brynner darstellen. Während auf sämtlichen Filmplakaten sehr offensiv mit dem im Vorgänger sehr präsenten Revolverhelden geworben wird, gibt er sich im Film tatsächlich nur ein wenige Minuten umfassendes Traum-Stelldichein. Ohne ein Wort tritt er dann wieder ab und ward nie mehr gesehen. Wenn sich die Wut über diese Dreistigkeit dann verzogen hat, begegnet dem Zuschauer stattdessen einem ordentlich mimenden Peter Fonda, der seit EASY RIDER (1969) oder KESSE MARY – IRRER LARRY (1974) durchaus zu den bekannteren Darstellern zählen durfte, als Chuck und der bis dato vor allem im Fernsehen tätigen Blythe Danner als dessen Widersacherin/Freundin/Partnerin Tracy. John P. Ryan, der gerade mittels Larry Cohens DIE WIEGE DES BÖSEN (1974) Bekanntheit erlangt hatte, darf als intriganter Antagonist Dr. Schneider mitmischen, Stuart Margolin gibt den verschrobenen Helfer Harry und Altstar Arthur Hill, fünf Jahre zuvor in Robert Wise‘ ANDROMEDA – TÖDLICHER STAUB AUS DEM ALL (1971) mit von der Partie gewesen, gibt den Oberfiesling Dr. Duffy.
Letztlich vermischen sich dann alle Zutaten zu einer flotten Sci-Fi-Action-Sause, die dem Vorgänger zwar in allen Belangen ein bis zwei Schritte hinterherhinkt, die aber trotzdem für richtig gute Unterhaltung zu sorgen vermag; vorausgesetzt, man gibt dem Streifen unvoreingenommen die Möglichkeit dazu.

Obwohl der Streifen seinem Vorgänger zu keinem Zeitpunkt das Wasser zu reichen vermag, handelt es sich doch um einen gelungenen Science-Fiction-Actioner, der das bekannte Szenario geschickt variiert und somit das nötige Quäntchen Eigenständigkeit zeigt, dessen es bedarf, um in den Fußstapfen eines großen Films nicht völlig zu versinken.

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