DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT

Der Mann mit dem goldenen Colt
The Man with the Golden Gun | Großbritannien | 1974
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Der Finsterling Francisco Scaramanga (Christopher Lee) trachtet danach, den Solex-Generator, eine Apparatur zur Umwandlung von Sonnenstrahlen in Energie in seinen Besitz zu bringen. Der einzige, der ihn daran zu hindern vermag, ist James Bond (Roger Moore), der sich flugs auf den Weg nach Hongkong macht, wo Scaramanga zuletzt im herrschaftlichen Anwesen des Großindustriellen Hai Fat (Richard Loo) gesehen wurde.

Mit LEBEN UND STERBEN LASSEN (1973) hatte Regisseur Guy Hamilton, der zuvor auch schon die JAMES BOND-Filme GOLDFINGER (1964) und DIAMANTENFIEBER (1971) gedreht hatte, das Franchsie geschickt in seine neue Epoche überführt. Nach einem Drehbuch von Tom Mankiewicz verschaffte er Roger Moore einen zwar eigenwilligen aber dennoch gelungenen ersten Auftritt als Bond. Ein Jahr später sollte es dann gleich weitergehen und erneut war es Mankiewicz, der bei DIAMANTENFIEBER den Stammautoren der Reihe, Richard Maibaum, von seiner Position verdrängt hatte, den man mit der Arbeit am Drehbuch beauftragte. Doch wie das Leben so spielt, zerstritten sich Hamilton und Mankiewicz noch während des Schreibprozesses und Maibaum übernahm die Arbeit am Skript. Ob es nun diesen Eskapaden zu verdanken ist, dass das Buch zu den flachsten der Reihe gehört oder ob es diese bereits in LEBEN UND STERBEN LASSEN zu erkennende Tendenz nur fortführte, ist wohl kaum vollends zu beantworten.

Bond: Wer würde wohl für meinen Tod eine Million Dollar bezahlen?
M: Eifersüchtige Ehemänner, wütende Chefs, verzweifelte Schneider – die Liste ist endlos!

Tatsache bleibt aber, dass die Storyline um den mit einer goldenen Bleispritze ausgestatteten Antagonisten zu den uninspiriertesten der Filmreihe gehört. Tatsächlich wird das zentrale Motiv des Films, das Ausschalten des Profikillers Scaramanga, sofort zu Beginn dargelegt. Nicht, dass andere Bondfilme damit hinter dem Berge halten würden, dass es stets darum geht, den Bösewicht zur Strecke zu bringen, aber die Unvermitteltheit, mit der einem Hamiltons vierte Regiearbeit innerhalb der Serie dieses Ziel unter die Nase reibt, ist doch ein wenig verwunderlich.

Denn in der Folge leidet die Dramaturgie nur allzu oft unter dieser frühen Offenlegung der Karten. Der Handlungsstrang vom Solex-Generator verkommt so zum blassen Nebenrauschen, welches eigentlich keinerlei tragende Rolle spielt. Ob James das Ding am Ende aus der Fassung reißt oder es einfach explodieren lässt, scheint ebenso belanglos, wie die Motivation von Scaramanga selbst. Obwohl Lee diesem nämlich gefällig spielt, fehlt es diesem Antagonisten einfach an Hintergrund, an Motivation. Bloße Bosheit (oder Profitgier) reicht eben nicht aus, um mit den teils illustren Widersachern dieser Filmreihe zur konkurrieren. So führt Bonds Hatz dann letztlich zu einem Ende, welches man lange kommen sieht, ohne es jedoch mit Spannung zu erwarten.

Bond: Wie sieht er aus?
Andrea: Schlank, hochgewachsen, dunkelhaarig.
Bond: Das ist meine Tante auch.

Allerdings gibt es dabei einige schöne Settings zu bestaunen, denn der Produktionsdesigner Peter Murton, der als Art Director schon an GOLDFINGER (1964), FEUERBALL (1965) oder Kubricks DR. SELTSAM ODER: WIE ICH LERNTE, DIE BOMBE ZU LIEBEN (1964) beteiligt gewesen war, zeigt durchaus ein Gespür für schöne Umgebungen und Kulissen. Vor allem Scaramangas Wohnsitz in den Felsenhöhlen der thailändischen Phang Nga-Bucht sieht prächtig aus, da sich hier landschaftliche Pracht mal wieder wundervoll mit architektonischem Hochmut verbindet. Dazu gibt es hübsche Außenaufnahmen von Hongkong und seriengemäß zahlreiche Studiobauten, die in ihrer Qualität insgesamt zwischen ordentlich und überzeugend schwanken. Von einem LEBEN UND STERBEN LASSEN, der inhaltliche Armut mit zahlreichen wilden Umgebungen und Ideen aufwog, ist Moores zweiter Einsatz aber trotzdem weit entfernt. Ein bisschen Geisterbahn und ein wenig Eastern-Action sind doch weit vom Voodoo- und Südsee-Wahnsinn des Vorgängers entfernt.

Roger Moore variiert seine Darbietung hingegen etwas und gibt einen Bond, der nun um einiges näher an Connerys Interpretation ist. Die typischen Floskeln und Gebräuche werden nun zügiger und weniger verschämt abgehandelt, einzig die dicke Zigarre bleibt als vordergründiges Unterscheidungskriterium bestehen. Trotzdem fällt es Moore immer noch sichtlich schwer, die Rolle so ausdefiniert zu geben, wie der gute Sean es jahrelang tat. Allein, in der Szene, in der Bond Andrea drangsaliert, gelingt es Moore dann doch, die Figur für kurze Zeit zu der seinen zu machen.
Neben Moore dürfen Bernhard Lee, Lois Maxwell und Desmond Llewelyn natürlich wieder ihre altbekannten Rollen verkörpern, während Christopher Lee das Angebot Hamiltons, den Scaramanga zu mimen, dankend annahm. Lee sah darin eine Möglichkeit, dem sich durch zahlreiche Hammer-Engagements immer weiter verfestigenden Horror-Klischee seiner Person ein Schnippchen zu schlagen. Da das Drehbuch seine Rolle allerdings wie erwähnt sehr facettenarm anlegt, fällt es Lee dann im Film auch spürbar schwer, den Fiesling mit Leben zu füllen. Im Gegensatz dazu gibt Maude Adams eine gelungene Andrea Anders und die Schwedin Britt Ekland darf ihren Karrierehöhepunkt als tollpatschiger Bond-Side-Kick Mary Goodnight erleben. Hervé Villechaize sorgt als Schnick Schnack für einiges an Unterhaltung, Clifton James, der hier erneut als Sheriff Pepper auftritt, sorgt hingegen erneut für Zorn- und Schamesröte.

Bond: Ich mag Mädchen im Bikini – keine versteckten Waffen.

Mit John Barry kehrte der angestammte Komponist der Reihe nach einem Film Pause wieder auf seinen Posten zurück, kann jedoch nicht an seine großen Arbeiten für die früheren Filme anknüpfen. Zusammen mit der mittlerweile etwas angestaubt wirkenden Inszenierung und den erwähnten inhaltlichen Leere liefert Hamilton so einen JAMES BOND-Film ab, der weder Publikum noch Kritik zu überzeugen vermochte. Das Einspielergebnis blieb mit weltweit gerade einmal knapp 100 Millionen US-Dollar weit hinter den Erwartungen zurück und die allgemeine Resonanz ließ nur wenig Gutes an dem Film. So gilt Hamiltons letzte Arbeit innerhalb der Reihe bis heute als einer der Tiefpunkt des Franchise und auch wenn der Film natürlich hin und wieder sein charmantes Potenzial auszuspielen versteht, so gibt es an dieser Einschätzung insgesamt doch recht wenig zu rütteln.

Moores zweiter Einsatz als Geheimagent 007 leidet vor allem an einer großen inhaltlichen Leere, die die Geschehnisse letztlich allesamt zur Belanglosigkeit verdammt. Nicht, das nicht auch andere Bondfilme am Narrativ sparen würden, aber Guy Hamiltons letzte Regiearbeit innerhalb der Serie versteht es einfach nicht, ihre sonstigen Qualitäten derart in Szene zu setzten, dass das nicht weiter auffiele.

4 Antworten zu “DER MANN MIT DEM GOLDENEN COLT

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