WILD TRIEBEN ES DIE ALTEN HUNNEN

Wild trieben es die alten Hunnen
Attila flagello di Dio | Italien | 1982
IMDb, OFDb, Schnittberichte

Eines Tages, Hunnenkönig Attila (Diego Abatantuono) ist gerade mit seinen Mannen auf der Wildscheinjagd, überfallen die Römer das Dorf des bärtigen Anführers. Als Attila dann seine niedergebrannte und ihrer Frauen beraubte Heimat erspäht, schwört er Rache und zieht mit seinem Gefolge in Richtung Rom, wo der dekadente Fusco Cornelio (Angelo Infanti) residiert.

Das italienische Regie-Duo bestehend aus Franco Castellano und Giuseppe Moccia hatte gerade mit den Adriano Celentano-Kloppern DER GEZÄHMTE WIDERSPENSTIGE (1980), ASSO (1981) und natürlich GIB DEM AFFEN ZUCKER (1981) die Kritiker dieser Welt genervt und die Zuschauer gleichzeitig begeistert, als sie merkten, dass auch andere Genres einer humorvollen Anwandlung bedürften. Denn bereits ein Jahr bevor Arnold S. als fellbehangener Heroe durch John Milius‘ Epos CONAN – DER BARBAR (1982) stapfte (und danach dutzendfach italienische Plagiate billigster Machart aus dem Boden schossen), schrieben die Herr Moccia und Castellano ein Drehbuch, welches ebenfalls von Tierhaut-tragenden Wilden handelt, die ein grobes Unrecht zu rächen vorhaben. Den Film nun allerdings als geistigen Vorvater zu bezeichnen wäre ein arger Frevel, viel mehr kann man den in Deutschland seit einiger Zeit unter dem irreführenden Titel Als die Frauen noch Schwänze hatten 4 vermarkten Titel als späte Kopie des Mario Monicelli-Klassikers DIE UNGLAUBLICHEN ABENTEUER DES HOCHWOHLLÖBLICHEN RITTERS BRANCA LEONE (1967) oder dessen Nachfolgers BRANCALEONE AUF KREUZZUG INS HEILIGE LAND (1970) ansehen.

Attila: Wenden wir doch die Gesetze der Hunnen an: Aug‘ um Aug‘ und Zahn um Zahn – sofern vorhanden.

Freilich trennen WILD TRIEBEN ES DIE ALTEN HUNNEN aber Welten von den Vorgenannten, denn Castellano und Moccia zielen hier auf sehr stumpfe Weise auf den niederen Humor der Kinogänger ab. Ab der ersten Sekunde macht der Film keinen Hehl aus seinen Absichten und so bombardiert er seinen Betrachter ohne große Umschweife mit dümmlichen Scherzen, Slapstick-Humor und Zoten über Zoten. Die Storyline ist innerhalb weniger Einstellungen dargelegt und danach bietet das Regieduett in sehr episodischer Struktur diverse Abenteuerschnipsel an. Leichte Fantasy-Anflüge dürfen in Form von Hexen und magischen Schwertern auch nicht fehlen, ansonsten gibt es aber bodenständige Hunnen-Action zu sehen.

In der Hauptrolle gibt Diego Abatantuono, der für die Regisseure schon in WER HAT DEM AFFEN DEN ZUCKER GEKLAUT (1982) geschauspielert hatte, den dicken und ewig quasselnden Hunnenkönig Attila. Begleitet wird er dabei von einer Horde italienischen B-Darsteller, die hier nach Herzenslust rumhampeln darf. Kein noch so platter Gag ist dabei zu flach, um nicht mehrfach wiederholt zu werden. Als Antagonist hält Angelo Infanti die Birne hin, der Fachleuten aufgrund seiner Auftritte in der PLATTFUß-Reihe oder natürlich aus BLACK EMANUELLE (1975) bekannt sein dürfte. In kleineren Nebenrollen gibt es dann noch das B-Sternchen Iris Reynado und den Strahlemann Tony Kendall zu sehen.

Attila: Übrigens, das Dorf der Römer heißt Rom!

Diese Damen und Herren hampeln sich dann durch verschiedene Settings, den allen gemein ist, dass sie nur als Hintergrund für höchst vordergründige Blödeleien dienen. Die deutschen Synchronisatoren ließen sich eine derartige Vorlage dann natürlich nicht entgehen und machten aus dem Vorhandenen ein Sprüchefeuerwerk allererster Güte. Zwischen all den flachen Schenkelklopfern sitzt Fusco da auch schon mal vor seinem Spiel und trällert Trios Ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht vor sich hin oder kredenzt seiner Angebeteten eine eisgekühlte Flasche Schampulus. Überhaupt: der Film ergeht sich geradezu in (mäßig witzigen) Anachronismen und das nicht zu knapp.
Insofern darf man die eingangs erwähnte deutsche Alternativtitelfindung fast schon wieder als gelungen bezeichnen. Denn auch wenn WILD TRIEBEN ES DIE ALTEN HUNNEN inhaltlich nichts mit Pasquale Festa Campaniles ALS DIE FRAUEN NOCH SCHWÄNZE HATTEN (1970) zu tun hat, so schlagen die deutschen Fassungen doch in äußerst ähnliche Kerben: heillose Zoten- und Sprücheklopferei paart sich hier mit inhaltlicher Armut und der Bereitschaft, für den nächsten platten Gag wirklich jeden Anstand aufzuopfern. Das mag manchen unterhalten; viele aber sicherlich nicht.

Äußerst platte Italo-Zote, die einzig aufgrund der grenzdebilen deutschen Synchronisation einige Anhänger unter derlei Filmfans finden dürfte, die sich hin und wieder hirnlosem Nonsens hinzugeben pflegen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.